Gerd Kruse arbeitet als Fachdidaktiker für Deutsch am Institut für Primarschule an der Pädagogischen Hochschule der FHNW in Solothurn, Franco Supino ist Dozent für Sprache, Sprachentwicklung und Kommunikation am gleichen Ort.

Zusammen mit der Illustratorin Jacky Gleich boten sie im Rahmen eines interdisziplinären Wahlpflichtfaches Deutschdidaktik im 5. Semester am Institut Primarschule der PH FHNW das Projekt «Dezembergeschichten – planen, schreiben, gestalten, präsentieren» den Studierenden an. «27 Studenten aus allen Standorten, Brugg, Liestal und Solothurn, der PH haben sich gemeldet», erläutert Gerd Kruse. Die Idee dahinter sei ganz klar, Theorie und Praxis der Lehrerbildung in Einklang zu bringen.

Die drei Lehrer der 3.-, 4.- und 5.-Klässler des Fegetz-Schulhauses in Solothurn, Matthias Steinmann, Marina Grolimund und Regina Strub, machten zusammen mit ihren Schülern mit. Bereits Ende September wurden die angehenden Lehrpersonen mit dem theoretischen Wissen zum «Geschichten-Entwickeln mit Kindern» konfrontiert. Kruse: «Wir haben dazu ein Werkzeug: den sogenannten Geschichtenbaukasten.» Unsere Studenten gingen damit während zweier Tage ins Fegetzschulhaus und entwickelten dort zusammen mit den Kindern, die in jeweils drei Gruppen pro Klasse aufgeteilt waren, ihre Geschichten.» Dabei hielten sich die «richtigen» Klassenlehrer völlig zurück, berichtet Fünftklasslehrerin Regina Strub.

In einem Team arbeiteten beispielsweise die drei Studierenden Esther Gygax, Susanne Morvillier und Jeremias Leuenberger. Sie erarbeiteten mit acht Fünftklässlern die fantasievolle Krimi-Geschichte «Die verschwundenen Weihnachtskekse». «Uns war wichtig, dass die Story die Geschichte der Kinder bleibt», erklären die Studierenden. Das Anpassen und Umsetzen der theoretischen Vorgaben habe zum Einstieg in einen Geschichtenaufbau sehr geholfen. Beim Umsetzen habe man dann hin und wieder flexibel reagieren müssen, schildern die drei. «Wichtig war aber die Erkenntnis, dass Theorie und Praxis zusammen gehen können. Insgesamt war das Projekt für uns als künftige Lehrpersonen ein grosser Gewinn», sagt Esther Gygax. Neben dem Schreiben musste auch die Kreativität der Kinder für die Präsentation der Geschichte angestachelt werden. «Das war kein grosses Problem für die Kinder. Erst bei der Präsentation vor Publikum war unser theoretisches Wissen wieder gefragt», so Jeremias Leuenberger. Diese Woche wurden alle Geschichten in der Pädagogischen Hochschule in Solothurn aufgeführt. 70 Kinder, deren Lehrer, 27 Studierende sowie viele Eltern verfolgten das gelungene Projekt, bei dem Fantasie in Sprache und bildnerischem Ausdruck gefragt war.

Klassenlehrerin Regina Strub äusserte sich nach dem Erlebten ebenfalls sehr positiv. «Auch für mich als routinierte Lehrerin war das alles sehr lehrreich. Es ist wertvoll, auf ungezwungene Art mit den neuesten didaktischen Erkenntnissen konfrontiert zu werden.» Sie werde das Gesehene auf jeden Fall ebenfalls in ihrem Unterricht anwenden.