Für Elia Blöchlinger wird ein Bubentraum wahr: Diesen Sommer darf der 21-jährige Schreiner aus Solothurn an den Top-Events der Marschmusik, den Tattoos von Basel und Edinburgh, einlaufen. Und zwar mit dem Schweizer Aushängeschild, dem Basler Top Secret Drum Corps. Ein Fan der 1991 gegründeten Formation war der kleine Elia schon lange. «Ich habe meine Trommelschläger mit drei Klebband-Streifen getapet, damit sie aussehen wie jene des Top Secret Drum Corps.» Dazu sammelte er alles, was es zu seinen Idolen aus Basel gab. Denn schon früh hatte er die Faszination des Schlagwerks entdeckt. «Als Kleinkind habe ich immer Pfannen und Kochtöpfe entführt, um darauf zu trommeln. Meine Mutter musste sie dann jeweils in meinem Zimmer wieder zusammensuchen.»

Als Sechsjähriger erhielt Klein Elia sein erstes Schlagzeug, doch ein Kollege seiner Eltern habe ihm geraten, zu den Tambouren zu gehen. «Weil man dort die Technik besser lernt.» Und so begann er mit sieben Jahren mit dem Trommel-Unterricht bei den Jungtambouren des Tambourenvereins Solothurn. Dem Schlagzeug ist er übrigens nicht untreu geworden: Noch heute wirkt er als Drummer in der Metal-Band Aphrodite’s Course mit.

Militär als Sprungbrett

Die typische Jungtambouren-Karriere führt ins Musikkorps der Armee, dann erst gilt er als Tambour. Elia Blöchlinger hatte schon in jungen Jahren bald einmal Erfolge in Serie vorzuweisen. «2006 gewann ich mein erstes Zweigli an einem Tambourenfest.» Es folgten etliche Podestplätze, und bei den Solothurner Tambouren, die immer zu den Top Ten der Schweiz gehörten, war er bestens aufgehoben. Neun Jahre hintereinander gewann er die Nachwuchskonkurrenz des Verbandes Bernischer Jugendmusik, dem auch die Solothurner Vereine angehören. Und am Wochenende konnte sich Elia Blöchlinger am Eidgenössischen Tambouren- und Pfeiferfest in der Königsklasse seinen ersten eidgenössischen Kranz ertrommeln. So stand seiner Aufnahme ins Tambourenkorps der Armee nichts im Wege.

Dort verdiente Elia Blöchlinger den Wachmeister ab. Und fiel einem Meister seines Fachs auf: Joscha Homberger, Talent-Scout und Snaredrumleader beim besagten Basler Top Secret Drum Corps. «Es braucht schon Connections, dass man dazu kommt», weiss der Solothurner Tambour, der mit Homberger am Tattoo on Stage im KKL Luzern gespielt hat. Und nach einer Vakanz plötzlich in sein Traum-Corps eintreten durfte. «Es ist eine grosse Ehre, hier mitmachen zu dürfen», weiss Blöchlinger, der bereits seinen ersten Auftritt mit der Basler Vorzeigetruppe am Norwegian Military Tattoo hinter sich hat.

Die restlichen 20 Prozent

«Mit 20 Prozent kommst du auf 80 Prozent. Für die restlichen 20 Prozent brauchst du 80 Prozent.» Diese Erkenntnis habe er im Militär gemacht, und damit umschreibt Elia Blöchlinger, was es braucht, um in Basel und Edinburgh dabei sein zu dürfen. Harte, disziplinierte Arbeit. Zweimal die Woche Training ist normal, jetzt hat die Intensivwoche in Basel mit täglichen Proben begonnen. Erst im Vereinslokal, dann folgen die ersten Marschproben mit den flachen, schnurgerade getragenen Spezialtrommeln – den amerikanischen «Marching Snares».

Für ein schönes Schlagbild müsse man täglich üben, «zuhause vor dem Spiegel». Und bei den Proben sage immer wieder der eine zum anderen: «Da musst du exakter werden!» Im August folgt dann nach dem Basel Tattoo der Höhepunkt in Edinburgh. Vier Wochen wird das einzige Solothurner Mitglied des «Top Secret Drum Corps» in Schottland bleiben. Und den Lohn für die harte Arbeit ernten. Denn: «Die Auftritte sind meine Motivation.»

Angefressener Fasnächtler

Auftritte hatte Elia Blöchlinger schon unzählige. Auch an der Basler Fasnacht, wo er in der Trommlergruppe «Gassengötter» trommelt und an der Solothurner Fasnacht mit dem Tambourenverein Solothurn. Ein spezielles Gefühl bringt jeweils der Umzug durch Honolulu mit sich: Die Tambouren führen ihn an, und ganz zuvorderst schreitet gemessenen Schrittes der Tambourmajor – Elias’ Vater, Ruedi Blöchlinger. «Er begann ein Jahr nach mir mit dem Trommeln.» Und so meisterten Vater und Sohn zusammen die Widrigkeiten einer Tambourenkarriere, beispielsweise das nicht besonders beliebte Üben am «Böckli». Doch eines ist Elia Blöchlinger klar: «Mir half das sehr in Sachen Disziplin.»

Nun aber warten die ganz grossen Auftritte in der neuen Uniform des Top Secret Drum Corps auf ihn. Alles ist neu, auch die Spezialeffekte. Brennende Schläger gabs schon, oder ausgehöhlte, die auch als Piccolo eingesetzt werden konnten. Nur so viel verrät Elia Blöchlinger zur neuen Show: «Sie ist sehr energiegeladen. Die Zuschauer dürfen sich freuen. Aber sie ist eben noch – top secret!»