1. Mai in Solothurn
Andreas Gross: «Alleine kann man politisch nur verzweifeln»

Am Tag der Arbeit trafen sich auch dieses Jahr Parteien und Gewerkschaften für den traditionellen Umzug in der Stadt Solothurn. Sie demonstrierten für Lohngerechtigkeit und höhere Renten. Zwischenfälle gab es keine.

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1. Mai Umzug in Solothurn

Felix Gerber

Trommelwirbel. Trillerpfeifen und Flötengedudel, dazu Transparente mit Aufschriften wie «Stopp der Sparschweinerei» oder «Abzocker stoppen» - der 1. Mai vereinigte in Solothurn wieder 300 bis 400 Personen zu einem bunt gemischten Demo-Zug durch die Stadt. SP-Polit-Cracks marschierten ebenso mit wie Unia- oder VPOD-Gewerkschafter unter ihrer Fahne, eine starke kurdische Gruppe mit Mädchen in bunter Tracht, der alevitische Kulturverein, junge Grüne, ein Juso-Grüppchen und einige Dutzend sonstiger Jungaktivisten in vorwiegend schwarzem Outfit.

Auch «Aare-Marine» im Einsatz

Ihr einziger auszumachender Slogan hiess: «Class struggle - animal liberation». Das Grossaufgebot von Stadt- und Kantonspolizei - auch die «Aare-Marine» stand im Einsatz - verbrachte jedoch einen ruhigen Nachmittag, den nur einige Knallpetarden störten.

Nur nicht kapitulieren

Der Hauptredner, SP-Nationalrat Andreas Gross, wirkte schon fast akademisch, wenn er nach den kurdischen Volkstänzen an die Gäste vor dem Landhaus appellierte: Man dürfe nicht vor der anscheinenden Komplexität der Probleme kapitulieren. «Wir brauchen die Diskussion mit anderen Kollegen, Freunden, Genossen», denn, so Gross «alleine kann man politisch nur verzweifeln.» Erst dann wandte er sich scharf gegen die Abstimmungsbotschaft der SVP vom 9. Juni.

Lösung von Problemen zusammen mit Europa

Bei der Wahlform des Bundesrates gehe es keineswegs um mehr Demokratie, dies sei nicht deren Krönung sondern ihre Schwächung. Auch sprach sich Gross klar für eine Lösung von Problemen zusammen mit Europa aus. «Dies gilt von der Umweltbelastung bis zur Arbeitslosigkeit, von der Verlagerung der Güter auf die Schiene bis zum Ausgleich der Lebenschancen zwischen Europa und Afrika, der Ursache des zu viel an Migration.» Auch den Schweizern gehe es schlecht, wenn fast die Hälfte der jungen Griechen, Spanier, Italiener oder Türken ohne Erwerbsarbeit darben müssten.

Ein Ball, den auch Markus Baumann, Sektionssekretär der Unia, aufnahm. Er geisselte das Verhalten der Banken und Spekulanten, welche den Volkswirtschaften Südeuropas riesige Sparpakete verbunden mit massiver Arbeitslosigkeit gebracht hätte. Doch auch in der Schweiz gelte es Lohnungleichheiten zu bekämpfen, warb der Unia-Mann für die 1:12-Initiative.

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