Solothurn

Andenken an Freiheitshelden Kosciuszko «als Mahnung zur Dankbarkeit und Weckruf zur Vorsicht»

Die Feier zum Gedenken an Tadeusz Kosciuszko fand im Konzertsaal statt.

Die Feier zum Gedenken an Tadeusz Kosciuszko fand im Konzertsaal statt.

Feierlich wurde am Sonntag im Konzertsaal Solothurn des 200. Todestags von Tadeusz Kosciuszko gedacht. Der polnische Freiheitsheld hat in Solothurn seine beiden letzten Lebensjahre verbracht.

Der vielseitig gebildete Militäringenieur Tadeusz Kosciuszko, der im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen die Engländer 1777 bis 1783 acht grosse Festungswerke errichtete, lebte von 1814 bis 1817 im Exil in Solothurn. In Würdigung seines Lebenswerks entstand 1936 die Kosziuszko-Gesellschaft Solothurn, um die Erinnerung an den Humanisten und Weltbürger – auch mit einem Museum an der Gurzelngasse – wach zu halten.

Im von der UNESCO ausgerufenen Kosciuszko-Jahr 2017 fand nun im Konzertsaal an seinem 200. Todestag eine Festveranstaltung zu seinen Ehren statt. Eine offizielle Delegation aus Polen unter Führung von Senatspräsident Stanislaw Karczewski, zahlreichen in der Schweiz und im Ausland lebenden Polen sowie Freunden aus aller Welt gedachte des Lebens dieses für die Ideale der Aufklärung aufopferungsbereiten Menschen.

Mahnung zur Dankbarkeit

Remo Ankli, Landammann sowie Präsident der Kosciuszko-Gesellschaft, zeichnete den Lebensweg des freiheitsliebenden Menschen nach, der sein Leben nicht nur in den USA, sondern vor allem in seiner durch Teilungen erschütterten Heimat einsetzte und im Polnisch-Russischen Krieg 1794 schwer verwundet in russische Gefangenschaft geriet.

Über Skandinavien gelangte er 1796 wieder nach Amerika, wo ihn der bekannte amerikanische Staatsmann Thomas Jefferson in einer geheimen Mission nach Paris entsandte. Für sein immerwährendes Wirken für Menschenrechte, gegen die Sklaverei und für die Selbstbestimmung der Völker hatte ihm die nach der Revolution gegründete Französische Republik 1792 die Ehrenbürgerschaft gemeinsam mit zwölf Persönlichkeiten wie Friedrich Schiller, Heinrich Pestalozzi und George Washington verliehen. «Sein Andenken verstehen wir als Mahnung zur Dankbarkeit – aber auch als Weckruf zur Vorsicht, individuellen Freiheitsrechten weiterhin ihre Gültigkeit zu bewahren», betonte Ankli mit Seitenblick auf aktuelle zeitgeschichtliche Vorgänge.

Weltweite Anerkennung

Solothurns Stadtpräsident, Nationalrat Kurt Fluri, bezeichnete Kosziuszko als «Synonym für Freiheit, Unabhängigkeit, Demokratie und Gemeinschaftssinn». Mit Kranzniederlegung und Gottesdienst war der polnische Nationalheld bereits am Sonntagmorgen an seinem Denkmal in Zuchwil geehrt worden. Auch weltweit wurde in diesen Tagen seiner gedacht.

Aus Enttäuschung über die Ergebnisse des Wiener Kongresses, der das polnische Staatsgebiet 1815 nicht wie eigentlich erhofft in seinen alten Grenzen wiederhergestellt hatte, verbrachte Kosciuszko die letzten drei Lebensjahre in der Stadt Solothurn im Hause Zeltner, dessen Familienmitglied Peter Josef in Paris als Gesandter der Helvetischen Republik gewirkt hatte.

Kurt Fluri schilderte die als Folge politischer und militärischer Wirren entstandenen Flucht- und Auswanderungswellen polnischer Staatsbürger, von denen etliche auch hierzulande anerkannt in der Gesellschaft Fuss gefasst haben. Auf die Initiative seines Amtsvorgängers Urs Scheidegger gehe die lebendige Städtepartnerschaft mit Krakau zurück, erinnerte Fluri, der die weitere Unterstützung des im Museum ehrenden Gedenkens an Kosciuszko durch die Stadt zusagte. 

Würdigung zum Lebenswerk

Jakob Kumock, Botschafter der Republik Polen in Bern, umriss vielsprachig die bis heute aktuelle Bedeutung des Lebenswerks von Kosziuszko. Mit der Verlesung eines Briefes des polnischen Parlamentspräsidenten rief er dazu auf, die Werte der niemals selbstverständlichen Freiheit gegen vielfältige zerstörerische Kräfte zu verteidigen und die Zukunft gemeinsam zu gestalten.

Da sich das heutige Litauen zu Kosciuszkos Zeiten im Verbund mit dem polnischen Königreich befand, überbrachte der stellvertretende litauische Aussenminister Néris Germanas eine Grussbotschaft, mit der er an den berühmten Sohn des Lands erinnerte, der in der Nähe von Vilnius geboren wurde. Senatspräsident Stanislaw Karczewski stellte Erziehung und Bildung, wie sie der vielseitig begabte und philosophisch geschulte Kosciuszko auch als Lehrender weitergegeben hatte, in den Mittelpunkt seiner Ansprache. Eine detaillierte Übersicht über das gesamte vielphasige Lebenswerk vermittelte Historiker Peotr Ugniewsky.

Mit Musik umrahmt

Pianist Pawel Mazurkiewicz, Dozent an der Musikhochschule Bern, beglückte die internationale Gästeschar mit sieben bekannten virtuosen Kompositionen von Frédéric Chopin (1810–1849), der in Paris seine Wahlheimat gefunden hatte. Zur Begleitung durch den Pianisten sangen alle Anwesenden abschliessend die polnische Nationalhymne.

Eröffnet worden war die Festveranstaltung durch die Brassband Lommiswil, die alle Teilnehmenden mit polnischen Tänzen und Märschen vor dem Konzertsaal empfing.

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