Analyse
Stadtpräsidium Solothurn: Welche der beiden Wundertüten soll es sein?

Analyse zu den bevorstehenden Stadtpräsidiumswahlen vom 13. Juni.

Fabio Vonarburg
Fabio Vonarburg
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Markus Schüpbach gegen Stefanie Ingold bei den Stadtpräsidiumswahlen 2021.

Markus Schüpbach gegen Stefanie Ingold bei den Stadtpräsidiumswahlen 2021.

zvg

«Niemand kennt dich? Du kennst niemanden? Dann melde dich bei uns», schrieb «11 Minuten» im Februar und suchte unbekannte Kandidatinnen und Kandidaten für das Stadtpräsidium. Sie war nicht die einzige Fasnachtszeitung, welche die beiden Kandidierenden wegen ihres geringen Bekanntheitsgrads auf die Schippe nahm. «Kenntminix Schüpbachlix» schrieb «Dr Hudibras» in Anlehnung an die Welt von Asterix und Obelix, «Ingold... hä?» hiess es im «11 Minuten» und im «Postheiri» gab es «Kulturtipps zu den Präsidiumsqualen». Dabei hiess es: «Wir haben Nobody for president».

Tatsächlich war es eine Überraschung, dass weder die FDP noch die SP auf ein politisches Schwergewicht setzte. Die SP hat von Anfang an geschlossen auf die zuvor nicht so bekannte Solothurner Schulleiterin Stefanie Ingold gesetzt. Auch deswegen, weil sich bekanntere Exponentinnen und Exponenten der Partei gegen eine Kandidatur entschieden hatten. Und bei der FDP kam es bei der parteiinternen Ausmarchung zu einer Überraschung: Der politisch noch weitgehend unerfahrene Markus Schüpbach, Direktor der Solothurner Gebäudeversicherung, setzte sich gegen Kantonsrat Marco Lupi durch und obsiegte damit über den stadtbekannten Sympathieträger, was dann wiederum in der Partei kurz für Unruhe sorgte.

Doch Markus Schüpbach bewies mit seinem Wahlresultat bei den Gemeinderatswahlen, dass die Parteibasis hinter ihm steht, in dem er klar das beste Resultat aller FDP-Kandidierenden machte. Auch Stefanie Ingold holte sich ein Glanzresultat, respektive gar das Glanzresultat des Tages. Denn sie war parteiübergreifend die Bestgewählte am 25. April und holte noch einmal 736 Stimmen mehr als Schüpbach. Wobei die SP-Kandidatin im Gegensatz zum FDP-Kandidierenden zwei Mal auf der Liste mit Wahlvorschlägen ihrer Partei stand.

Bei den Gemeinderatswahlen lieferten die beiden «unbekannten Politgrössen» also ab und in den letzten Wochen deuteten sie mit ihren Auftritten an, dass sie auch als Stadtpräsidentin respektive Stadtpräsident liefern werden. Denn das Gefühl, «es kommt gut», setzte sich langsam durch. Unabhängig davon, wer von den beiden am 13. Juni tatsächlich gewählt wird. Dies liegt nicht nur daran, dass sie inhaltlich vielfach die gleiche Meinung teilten. Sondern das gute Gefühl, dass die Stadt in gute Hände kommt, liegt auch in den Werten begründet, die beide nicht müde werden zu betonen. Beide unterstreichen dass Miteinander, dass der Stadtpräsident/die Stadtpräsidentin nur eine Person von 30 Gemeinderäten ist. Und beide legen Wert darauf, sollten sie gewählt werden, die Bedürfnisse der Stadtbevölkerung abzuholen.

Wen man denn nun wählen soll, liegt somit in erster Linie an persönlichen Präferenzen: Möchte man erstmals eine Frau im wichtigsten Amt der Stadt sehen? Oder ist einem am Festhalten von «Bewährten», in diesem Fall ein FDP-Mann als Stadtpräsident, wie dies in den letzten 120 Jahren immer der Fall war, wichtiger? Wählt man lieber etwas mehr Pep und damit Ingold? Oder den etwas praller gefüllten Rucksack mit Führungserfahrung von Markus Schüpbach? Oder wählt man einfach die Person jener Partei, mit deren Werten man sich etwas mehr identifizieren kann?

Der Ausgang der Stadtpräsidiumswahlen zu prognostizieren, war vielleicht noch nie so schwierig wie dieses Mal. Und nach dem 13. Juni geht es für die Gewählte oder den Gewählten erst richtig los. Nach dem Lafern steht Liefern an. Einfach wird dies nicht. Die Fussstapfen des abtretenden Stadtpräsidenten sind gross.