Solothurner Wetterjahr

An Wärme fehlte es im 2019 nicht - an Schnee dagegen schon

Der Sommer 2019 war zwar nicht rekordverdächtig, aber für Aare-Freaks bot er einiges.

Der Sommer 2019 war zwar nicht rekordverdächtig, aber für Aare-Freaks bot er einiges.

Kühler als im Rekordjahr 2018 war es während der letzten 12 Monate in der Region Solothurn. Aber elf von ihnen lagen mehr oder weniger deutlich über dem langjährigen Mittelwert. Nur der Mai zeigte sich eindeutig von der unterkühlten kühlen Seite.

Eigentlich war das Wetterjahr 2019 in unserer Region ein ziemlich normales. Kein Sturmereignis wie «Burglind» im Jahr zuvor, keine verheerenden Hagelzüge, Dürreperioden oder Frühlingsfröste. Das Regendefizit von 2018 konnte mit der Jahresmenge von 1297 Litern oder Millimetern pro Quadratmeter im Wallierhof Riedholz aufgefangen werden – aber: Auch 2019 waren fast alle Monate zu warm ausgefallen. Das Jahresmittel von 11,1 Grad blieb aber doch klar unter demjenigen des Vorjahres mit 12,0 Grad, dem wärmsten Jahr seit dem Beginn unserer Wetteraufzeichnungen in Solothurn Ende 1999.

Ein Winter, der keine Zähne zeigte

Zu warm waren bereits die ersten zwei Wintermonate gewesen. Im Januar lag in Solothurn nur gerade an acht Tagen Schnee, genauso im Februar während der ersten Woche, dann kehrte der weisse Spuk nur noch einmal zurück – am 4. April. Dafür massiv mit fast 20 cm Neuschnee, die aber schon anderntags wieder weggeschmolzen waren. Eistage blieben in den zwei Wintermonaten 2019 Mangelware: Ganze drei wurden registriert, der letzte schon am 6. Februar.

Ein zu kalter und nasser Mai

Der Frühling sah vorerst einen nassen, aber deutlich zu milden März ohne Schneefall. Die Vegetation war rund zwei Wochen im Vorsprung, begünstigt durch einen trockenen, sonnigen April, der jedoch nur gerade ein halbes Grad über dem langjährigen Mittel lag. Den einzigen deutliche Ausreisser im Jahresverlauf produzierte ausgerechnet der Wonnemonat Mai. Zwar blieben die Eisheiligen vom 12. bis 15. Mai ohne jede Frostgefahr, aber auf Touren kam der Monat trotz Badi-Eröffnung nicht, und auch die Hafebar blieb wegen des kühlen und regnerischen Wetters geschlossen. Gut 1,5 Grad zu kalt, verhiess der Mai noch wenig Gutes für den heranrückenden Sommer.

Zweimal eine Woche lang Hitzeperioden

Tatsächlich zeigte sich der Juni vorerst noch nicht von der Schokoladenseite, denn die Pfingsttage vom 9./10. Juni fielen ins Wasser. Als pures Gegenteil entpuppte sich dafür die letzte Woche des Monats mit einer ersten Hitzewelle, die tagelang die 30-Grad-Marke knackte. Der Juni war damit 3 Grad zu warm geraten, der Juli – mit einem Monatsmittel von 21,6 Grad der wärmste Sommermonat, lag dank einer neuerlichen, einwöchigen Hitzewelle ebenfalls gut 2,5 Grad über dem Normalwert. Im Gegensatz zum Vorjahr fiel jedoch immer wieder Regen, und der August blieb völlig in der Norm, was Wärme und Niederschlag anbelangte. Trotzdem war der Sommer 2019 gefühlt ein höchst anständiger, auch wenn während der zweiten Hitzeperiode mehrere Tropennächte unangenehme Erinnerungen an heisse Rekordsommer wie 2006 oder 2018 weckten.

Der September wurde schon fast als «Sommer-Fortsetzung» empfunden, war er doch trocken und sonnig, wenn auch nur minim zu warm. Deutlich zu mild blieben der Oktober und November - beide zu nass geraten, trugen sie dazu bei, dass die zweite Jahreshälfte klar feuchter endete als die erste. Allerdings: Der erste Schnee auf dem Weissenstein wurde ungewöhnlich spät, nämlich erst am 8. November gesichtet.

Welches Jahrzehnt war wärmer?

Nach 20 Jahren Wetteraufzeichnungen ist nun ein kleiner Vergleich über zwei Jahrzehnte möglich: Die Jahre 2010 bis 2019 waren 0,3 Grad wärmer als die zehn Jahre zuvor zwischen 2000 und 2009. Dafür gabs in der ersten Dekade im Schnitt nur 25,8, in der zweiten immerhin 31 Schneetage pro Jahr. Mit 137,4 Litern pro Quadratmeter regnete es im ersten Jahrzehnt knapp 10 Liter mehr pro Monat als im zweiten - an sich sehr konstante Werte. Doch was sind schon 20 Jahre im Klimaverlauf?

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Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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