Schrebergarten

An diesem Ort wirft Integration viele Früchte ab

Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) pachtet eine Parzelle eines Schrebergartens in der Solothurner Weststadt und bewirtschaftet sie zusammen mit Flüchtlingsfrauen. Heks will ihnen damit ein praxisorientiertes Angebot anbieten.

«Flüchtlinge sind entwurzelt, mit der Arbeit im Garten können sie Wurzeln schlagen», ist die Gartenfachfrau Regine Anderegg überzeugt. Das Integrationsprojekt für Frauen – Männer würden oft sofort in einen Arbeitsprozess integriert – ermögliche, diese aus ihrer Isolation herauszuholen, Kontakte zu knüpfen und Verantwortung zu übernehmen (siehe Kasten). Seit diesem Frühling pachtet die Heks-Regionalstelle Aargau/Solothurn eine Parzelle in der Weststadt als Familiengarten für Flüchtlinge.

Jeden Dienstagnachmittag steht Regine Anderegg im Auftrag des Hilfswerks den drei Frauen aus Eritrea im Schrebergarten beratend und begleitend zur Seite. Eine farbige Pracht – Busch- und Stangenbohnen, Mais, Salat, Zucchetti, Kohl, Karotten, Tomaten, Zwiebeln, Basilikum, Blumen – gedeiht in den Beeten.

Nachbarschaft mit Herz

Elanvoll am Werk sind auch die sieben Kinder. Sie erfahren, dass ein Regenwurm nicht gefährlich, sondern der beste Gartenarbeiter ist. Meron hilft, die blauen Kartoffeln zu ernten. Grossmutter Wudase freut sich nicht nur darüber, sondern auch über jede Knolle, die sie aus der Erde zieht. Stolz über das Resultat in ihrem Gartenanteil sind ebenfalls die jungen Mütter Almaz und Medhin. Ihre Blicke suchen verständlicherweise oft die Kinder, damit diese in ihrem Arbeitseifer wirklich nur das Unkraut zupfen.

Auf der Parzelle gedeihen zum gemeinsamen Verbrauch Trauben, gelbe Pflaumen, Brombeeren. Bereits funktionieren nachbarschaftliche Kontakte, hat doch ein älterer Schrebergärtner einen Korb Kartoffeln vorbeigebracht. Mit den Kindern beschäftigt sich an den Dienstagen auch die freiwillige Helferin Erika Rieder. Bei der pensionierten Lehrerin erfahren die Buben und Mädchen im Memory spielerisch die deutschen Namen von Früchten, Gemüse und Gartenwerkzeugen.

Beliebt bei den Kindern ist das Rüsten von Äpfeln, Kohlraben und Karotten fürs Zvieri. Dabei lernen sie ganz nebenbei die Rohkost kennen. «Integration geschieht wunderbar über die Kinder», erklärt Rieder.

Pläne fürs Winterhalbjahr

Im gemütlichen Schrebergarten mit kleinem Häuschen, Grillstelle und Sandkasten verbringen die drei Frauen mit ihren Ehemännern – sie wohnen alle im Quartier – auch vielfach ihre Freizeit. Regine Anderegg schmiedet bereits Pläne für das Winterhalbjahr. Monatliche Treffen sollen der Nach- und Vorbereitung des Gartens dienen. Ihr schwebt zudem gemeinsames Kochen vor, inklusive Aufschreiben der Rezepte in Deutsch.

Für den nächsten Frühling plant sie ein Tomatenhaus und eine Pergola, überzogen mit spriessenden Rebenzweigen. Anderegg freut sich, dass sie die Zusicherung für die Bewirtschaftung einer weiteren Parzelle erhalten hat, um noch mehr Frauen zu begeistern. «Freiwillige Helferinnen werden noch gesucht», rührt sie die Werbetrommel. Morgen Freitagabend laden die Flüchtlingsfrauen ihre Sponsoren sowie die freiwilligen Helferinnen und Helfer zur Besichtigung ihres Gartens ein. Willkommen sind auch weitere Interessierte.

Besichtigung der Gartenparzelle der Flüchtlingsfrauen im Schrebergarten an der Allmendstrasse: morgen Freitag, 17.30 bis 20 Uhr. Infos: www.heks.ch

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