Schrebergarten
An diesem Ort wirft Integration viele Früchte ab

Das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) pachtet eine Parzelle eines Schrebergartens in der Solothurner Weststadt und bewirtschaftet sie zusammen mit Flüchtlingsfrauen. Heks will ihnen damit ein praxisorientiertes Angebot anbieten.

Agnes Portmann-Leupi
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Es gibt einiges zu pflücken im HEKS-Schrebergärtli. (Fotos: Hanspeter Bärtschi)
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Eine farbige Pracht aus Blumen und Gemüse gedeiht in den Beeten. (Fotos: Hanspeter Bärtschi)
Drei Frauen aus Eritrea erkunden zusammen den Garten. (Fotos: Hanspeter Bärtschi)
Das Integrationsprojekt soll auch die Freude an der Natur wecken. (Fotos: Hanspeter Bärtschi)
Freude über jede Bohne, die sich bereits vom Strauch pflücken lässt. (Fotos: Hanspeter Bärtschi)
Auch die Kleinen helfen tatkräftig mit... (Fotos: Hanspeter Bärtschi)
... da gehört natürlich auch ein Päuschen verdienterweise dazu. (Fotos: Hanspeter Bärtschi)
Zunächst gibt es für die Pflanzen eine Erfrischung... (Fotos: Hanspeter Bärtschi)
... dann für die emsigen Gärtnerinnen und Gärtner. (Fotos: Hanspeter Bärtschi)
Denn Gärtnern macht müde. (Fotos: Hanspeter Bärtschi)
Ein verdienter spielerischer Zwischenhalt. (Fotos: Hanspeter Bärtschi)
Da sind auch die Kinder bestens versorgt. (Fotos: Hanspeter Bärtschi)
Beim Memory werden zwischendurch... (Fotos: Hanspeter Bärtschi)
Der Solothurner HEKS-Schrebergarten für Flüchtlingsfrauen
Zusammen einen Nachmittag im Grünen erleben. (Fotos: Hanspeter Bärtschi)
Auch der gesundheitliche Aspekt wird bei der Gartenarbeit des HEKS-Projekts betont. (Fotos: Hanspeter Bärtschi)

Es gibt einiges zu pflücken im HEKS-Schrebergärtli. (Fotos: Hanspeter Bärtschi)

«Flüchtlinge sind entwurzelt, mit der Arbeit im Garten können sie Wurzeln schlagen», ist die Gartenfachfrau Regine Anderegg überzeugt. Das Integrationsprojekt für Frauen – Männer würden oft sofort in einen Arbeitsprozess integriert – ermögliche, diese aus ihrer Isolation herauszuholen, Kontakte zu knüpfen und Verantwortung zu übernehmen (siehe Kasten). Seit diesem Frühling pachtet die Heks-Regionalstelle Aargau/Solothurn eine Parzelle in der Weststadt als Familiengarten für Flüchtlinge.

Jeden Dienstagnachmittag steht Regine Anderegg im Auftrag des Hilfswerks den drei Frauen aus Eritrea im Schrebergarten beratend und begleitend zur Seite. Eine farbige Pracht – Busch- und Stangenbohnen, Mais, Salat, Zucchetti, Kohl, Karotten, Tomaten, Zwiebeln, Basilikum, Blumen – gedeiht in den Beeten.

Nachbarschaft mit Herz

Elanvoll am Werk sind auch die sieben Kinder. Sie erfahren, dass ein Regenwurm nicht gefährlich, sondern der beste Gartenarbeiter ist. Meron hilft, die blauen Kartoffeln zu ernten. Grossmutter Wudase freut sich nicht nur darüber, sondern auch über jede Knolle, die sie aus der Erde zieht. Stolz über das Resultat in ihrem Gartenanteil sind ebenfalls die jungen Mütter Almaz und Medhin. Ihre Blicke suchen verständlicherweise oft die Kinder, damit diese in ihrem Arbeitseifer wirklich nur das Unkraut zupfen.

Ein Novum

Eine Neuheit im Kanton: Erstmals bewirtschaftet das Heks (Hilfswerk der Evangelischen Kirchen Schweiz) zusammen mit Flüchtlingsfrauen eine Parzelle im Schrebergarten an der Allmendstrasse. Es betrifft Frauen, die sich erst seit kurzem in der Schweiz aufhalten oder noch über kein tragendes soziales Netz verfügen.

Ziele dieser praxisorientierten Integration sind, soziale Kontakte zu knüpfen, eine sinnvolle Freizeitgestaltung mit gesundheitsfördernder Betätigung, Wissensvermittlung im biologischen Anbau sowie die Gelegenheit, Deutsch zu sprechen. Die Kinder werden ins Projekt eingebunden und verbringen einen Teil ihrer Freizeit beim Spielen und Gärtnern. (apb)

Auf der Parzelle gedeihen zum gemeinsamen Verbrauch Trauben, gelbe Pflaumen, Brombeeren. Bereits funktionieren nachbarschaftliche Kontakte, hat doch ein älterer Schrebergärtner einen Korb Kartoffeln vorbeigebracht. Mit den Kindern beschäftigt sich an den Dienstagen auch die freiwillige Helferin Erika Rieder. Bei der pensionierten Lehrerin erfahren die Buben und Mädchen im Memory spielerisch die deutschen Namen von Früchten, Gemüse und Gartenwerkzeugen.

Beliebt bei den Kindern ist das Rüsten von Äpfeln, Kohlraben und Karotten fürs Zvieri. Dabei lernen sie ganz nebenbei die Rohkost kennen. «Integration geschieht wunderbar über die Kinder», erklärt Rieder.

Pläne fürs Winterhalbjahr

Im gemütlichen Schrebergarten mit kleinem Häuschen, Grillstelle und Sandkasten verbringen die drei Frauen mit ihren Ehemännern – sie wohnen alle im Quartier – auch vielfach ihre Freizeit. Regine Anderegg schmiedet bereits Pläne für das Winterhalbjahr. Monatliche Treffen sollen der Nach- und Vorbereitung des Gartens dienen. Ihr schwebt zudem gemeinsames Kochen vor, inklusive Aufschreiben der Rezepte in Deutsch.

Für den nächsten Frühling plant sie ein Tomatenhaus und eine Pergola, überzogen mit spriessenden Rebenzweigen. Anderegg freut sich, dass sie die Zusicherung für die Bewirtschaftung einer weiteren Parzelle erhalten hat, um noch mehr Frauen zu begeistern. «Freiwillige Helferinnen werden noch gesucht», rührt sie die Werbetrommel. Morgen Freitagabend laden die Flüchtlingsfrauen ihre Sponsoren sowie die freiwilligen Helferinnen und Helfer zur Besichtigung ihres Gartens ein. Willkommen sind auch weitere Interessierte.

Besichtigung der Gartenparzelle der Flüchtlingsfrauen im Schrebergarten an der Allmendstrasse: morgen Freitag, 17.30 bis 20 Uhr. Infos: www.heks.ch