Solothurn
An der «Wiehnachtsreis» leuchten nicht nur Kinderaugen

Zum 13. Mal ist am Sonntag biblische Geschichte in den Strassen der Stadt erlebbar geworden. An der «Soledurner Wiehnachtsreis» hatten Maria und Josef, der Kaiser, Römer und auch Esel und Schafe einen Auftritt.

Katharina Arni-Howald
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Weihnachtsreise Solothurn 2016 Wer in die Stadt will, kann sich einschreiben
32 Bilder
Die Liste der eingeschriebenen Personen ist lang
In der Stadt ist viel los
Die Römer auf lautstarker Patrouille
weihnachtsreise solothurn
Maria und Josef mit dem Jesuskind
Auch das Eseli war dabei
Kind im Korb
Fanfare für den Kaiser
Die drei Könige vor der St.-Ursen-Treppe
Viele Fotos werden an diesem Tag gemacht
Brr...

Weihnachtsreise Solothurn 2016 Wer in die Stadt will, kann sich einschreiben

Tina und Thomas Ulrich

Dort, wo sonst zu gewissen Zeiten Autos den Eintritt in die Solothurner Altstadt gewährt wird, ist nichts wie sonst. Vor dem Bieltor stehen an diesem dritten Adventssonntag beispielsweise Frauen und Männer in langen braunen Gewändern, die den Passanten einen Stempel auf die Hand drücken. Was ist denn los, denken die einen, während andere geduldig in der Schlange stehen und lächeln.«Hier durch», ruft ein strammer römischer Soldat forsch. «Ihr müsst euch einschätzen lassen.»

So wie damals, als Herodes um seine Regentschaft bangte, weil ihm seine Soldaten erzählt hatten, dass ein neugeborenes Kind seinen Platz als König von Judäa streitig machen wird. «Was soll das», ruft ein junger Mann in die Menge, während andere, ohne anzuhalten, in der Stadt verschwinden. Neben ihnen eine ältere Frau, deren Augen leuchten. «Ich freue mich jedes Jahr auf dieses Ereignis.» Die Kinder seien ausgeflogen und Weihnachtsgeschenke stünden nicht mehr im Vordergrund. «Jetzt kann ich mich wieder auf das Wesentliche besinnen», sagt sie.

Hirten auf Stadtrundgang

Auf dem Friedhofplatz bewachen Hirten ihre Schafe, die im Stroh liegen und nach zwölf Jahren zum ersten Mal auch zusammen mit den Eseln einen Rundgang durch die Stadt machen dürfen. Auf dem Marktplatz hat sich die Heilige Familie niedergelassen. Das Neugeborene, um das es an diesem Sonntag geht, heisst in Wirklichkeit Nevin und liegt in den Armen seiner Mutter Dominique, umringt von unzähligen Menschen, die es bestaunen wollen, so wie damals die Hirten und die Heiligen Drei Könige, die auch bei diesem Anlass nicht fehlen. Herodes sitzt auf einem Thron auf der St.-Ursen-Treppe und schlägt wild um sich. Seinen Hasstiraden kann niemand entgehen.

Das Untergeschoss der reformierten Stadtkirche, wo sich die Protagonisten versammelten und auch die Gewänder und Utensilien perfekt geordnet bereitgelegt wurden, hat sich geleert. Der Tross zieht, angeführt von den Römern, Richtung Bieltor. «Letztes Jahr wurde der Römertrupp verstärkt», freut sich Regula Buob, die Initiantin des von der Weggemeinschaft der Landes- und Freikirchen durchgeführten Weihnachtsspiels. Und sie lacht: «Dieses Jahr besteht die Gruppe der Römer aus jungen Studenten und Schülern, die dem Publikum ihre trainierten Waden vorführen können.» Aus ihrer langjährigen Erfahrung weiss Regula Buob aber auch: «Kinder, die in jungen Jahren mit dem gemeinen Volk mitlaufen dürfen träumen immer davon, einmal ein Römer zu sein.»

Zum 13. Mal ist es der Kirche gelungen, den Menschen in einer hektischen Zeit die biblische Geschichte auf eine eindrückliche Art wieder näher zu bringen und aufzuzeigen, dass Weih-nachten mehr ist als Konsum und ein üppiges Mahl. Auch wer mit der Religion nicht viel am Hut habe, freue sich, wenn er bei der Weihnachtsreise mitmachen dürfe, weiss Regula Buob. Als «überaus erfreulich» wertet sie insge-samt aber auch die Anerkennung durch den Solothurn Tourismus. Das heisst, dass die Weihnachtsreise längst tief verankert ist in der städtischen Agenda.

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