Solothurn
An der St. Niklausstrasse ist man bald mit 20 km/h weniger unterwegs

Mit Tempo 30 im ganzen Hubelmattquartier wird das Regime auch auf der Hauptachse umgesetzt.

Wolfgang Wagmann
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Bei der Einmündung zur Werkhofstrasse erhält die St. Niklausstrasse ein Einfahrtstor und wird verengt
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Bei der Einmündung der Frank-Buchser-Strasse bleibt es bei «Kein Vortritt»
Die Kreuzung Herrenweg wird umgestaltet und drei von vier Fussgängerstreifen verschwinden.
Bei der Ausfahrt Obere Sternengasse gilt künftig der Rechtsvortritt
Das ändert sich mit Tempo 30 auf der St.Niklausstrasse
Ein Strich auf dem Trottoir markiert, wohin die Parkplätze am Herrenweg künftig kommen
Vor zehn Jahren versuchte es man noch mit Tempo 30 freiwillig

Bei der Einmündung zur Werkhofstrasse erhält die St. Niklausstrasse ein Einfahrtstor und wird verengt

Oliver Men

In diesen Tagen wird die St. Niklaus-strasse zur Tempo-30-Zone «umfunktioniert». Je nach Witterung will man zuerst die Bodensignalisationen vornehmen. «Mitte Oktober werden dann die Einfahrtstore gesetzt», weiss Marcel Christ, Chef technischer Dienst bei der Stadtpolizei. «Und ab dann gilt Tempo 30», weist er auf die Folgen der Umsignalisation für zu schnell fahrende Autolenker hin. Es bleibe dann noch die Signalisation der Nebenstrassen zur Hauptachse, der St. Niklausstrasse. «Bis Mitte November soll die ganze Zone dann umgesetzt sein», so Christ. Fraglich sei lediglich, ob noch vor dem Wintereinbruch die wesentliche Verkehrsmassnahme, die bauliche Umgestaltung der Kreuzung Herrenweg – St. Niklaus-strasse vorgenommen werden könne. Auch dies sei eine Frage der Witterung.

Weniger Fussgängerstreifen

Die Quartierbewohnerinnen und -bewohner werden sich in einigen Punkten umgewöhnen müssen. So verschwinden an der besagten Kreuzung zum Herrenweg gleich drei der vier bisherigen Fussgängerstreifen, inklusive Insel. Tempo-30 verlangt dies, ausser wenn sich Schulhäuser oder Heime in unmittelbarer Nähe befinden. Ein weiteres Element von Tempo-30-Zonen ist das konsequente Regime des Rechtsvortrittes. «Wir werden 15 bis 20 Rechtsvortritte an Strasseneinmündungen signalisieren müssen», verrät Marcel Christ.

Doch so ganz konsequent geht man dann doch nicht vor: Die als gefährlich eingestufte und bereits baulich entschärfte Einmündung der Frank-Buchserstrasse (vgl. Kasten) wird weiterhin mit «Kein Vortritt» belegt sein. Und neu sind natürlich die erwähnten Eingangstore, von denen es ingsesamt vier grosse und sieben kleinere geben wird.

Keine Berliner Kissen

Schon beim Entscheid pro Tempo 30 hatten auch befürwortende Gemeinderätinnen verlangt, auf den Einbau von «Berliner Kissen» zu verzichten. Und so geht es an der St. Niklausstrasse weitgehend ohne bauliche Massnahmen ab. Im unteren Abschnitt wird am Strassenrand ein Pfosten mit Bodenmarkierung eingebaut, «und die Einfahrt von der Werkhofstrasse her wird etwas verengt», erklärt Marcel Christ. Nicht erwünscht sind aber auch zu umfahrende Hindernisse wie Pfosten und extra angeordnete Parkplätze beim Busbetrieb Region Solothurn und Umgebung BSU, der die Einhaltung des Fahrplans auf der Rüttener Linie 4 in Gefahr sieht. Deshalb buchstabiert man nun sogar am Herrenweg, der seit längerem dem Tempo-30-Regime unterworfen ist, im wahrsten Sinne des Wortes etwas zurück: die dortigen Parkplätze vis-à-vis der Kantonsschule werden teilweise auf das Trottoir verlegt.

«Damit der der Bus schneller durchfahren kann», wie Christ lakonisch ergänzt. Denn bisher war ein Kreuzen für die Linienbusse in diesem Abschnitt des Herrenwegs über weite Strecken nicht möglich.

Fazit nach einem Jahr

Ob es allerdings bei einer derart «unverbauten» Tempo-30-Zone bleibt, haben die Autolenkerinnen und -Lenker selbst in der Hand. Die Stadtpolizei muss in einem Jahr einen Bericht über die Wirksamkeit der Zone abliefern – «und wenn Tempo 30 nicht eingehalten wird, sind bauliche Massnahmen unvermeidlich», warnt Marcel Christ.

Zuletzt sprach dann Lausanne das Machtwort

Die St. Niklausstrasse stand lange im Fokus von Tempo-30-Befürworterinnen und Befürwortern, bevor es jetzt zur Umsetzung der aber auch massiv bekämpften Forderung kam. Die breite Erschliessungsstrasse Richtung Rüttenen und Feldbrunnen/St. Niklaus weist beidseits breite Trottoirs auf und hatte bei etlichen Anwohnern den Nimbus einer «Raserstrecke», was jedoch bei Radarkontrollen kaum erhärtet wurde. So wurden 2004 auf der Büren- und St, Niklausstrasse zwar 28 Temposünder ertappt, aber keiner war so schnell unterwegs, das es überhaupt zu einer Verzeigung gereicht hätte.

Bei einem Unfall mit einem Buben, der mit seinem Trottinett aus dem so genannten «Schnäggewägli» auf die Strasse hinausfuhr und von einem Auto erfasst wurde, reagierte man Ende der neunziger Jahren mit einer versetzten Absperrung des Fuss- und Velowegs. Ein zweiter Schulwegunfall 2010, bei dem ein Mädchen auf dem Fussgängerstreifen bei der Einmündung der Frank-Buchserstrasse erfasst und mittelschwer verletzt wurde, verstärkte die Forderung nach Tempo 30 auf der St. Niklausstrasse – sie war schon zuvor in Petitionen der Anwohnerschaft laut geworden. Die Stadt reagierte aber vorerst mit einer grösseren Umgestaltung der dortigen Einmündung, welche die Übersicht stark verbesserte.

Nichtsdestotrotz wurde bei der Einführung von Tempo-30 im Hubelmattquartier dieses vom Gemeinderat «flächendeckend», also mit Einbezug der gesamten St. Niklausstrasse beschlossen. Ein Widererwägungsantrag der FDP, unterstützt von der SVP, fand keine Gnade und Tempo 30 wurde bestätigt. Dagegen wehrten sich zwei Dutzend Quartierbewohner und der Touringclub der Schweiz TCS, Sektion Solothurn, vorerst erfolgreich – das kantonale Bau- und Justiz-Departement lehnte Tempo 30 auf der St. Niklausstrasse ab. Die Stadt zog die Einsprachen vors Verwaltungsgericht, welches dieser Recht gab. Ein neuerlicher Weiterzug der Einsprecher vors Bundesgericht endete im August mit dem Verdikt, die Stadt dürfe Tempo 30 einführen.

Erst vor zehn Tagen hatte eine klare Mehrheit der Biberister Bevölkerung an der Urne Tempo 30 für die Bleichenbergstrasse verworfen. (ww)