Solothurn

An der Plakettenbörse ist Diskretion das oberste Gebot

Mit Guggenklängen der Guggeschränzer hinterlegt ging Honolulu im Saal des Volkshauses auf Plakettenjagd. «Von den Leuten her war diese Börse absolut ein voller Erfolg», so lautete das Schlussfazit von UNO-Plakettennarr Toni Armbrust.

Ein kleines Mädchen, einen blau-weiss gesprenkelten Regenhut aufgesetzt, sich die Ohren mit beiden Händen zuhaltend, hört andächtig, konzentriert, ernst dreinblickend der Guggeschränzer-Guggemusig im Saal des Volkshauses zu – auch das ist gelebte Plakettenbörse am Sonntag vor Hilari.

Gelebt hat die 34. honolulesischen Plakettenbörse dank den zwölf Ausstellenden aus Basel, Luzern, Biel, Grenchen und selbstverständlich Solothurn und rund dreihundert Augenpaaren, die unter diesem Riesenangebot fieberhaft Raritäten suchten.

«Es fehlt alles», fasste Börsen-Gründer Walter Bohnenblust kurz und bündig zusammen. «Gefragt wurde ich nach dem Wert der gelben Blechplakate 1939 sowie der silbernen 1966», sagte der organisierende UNO-Plakettennarr Toni Armbrust.

«Offenbar sind diese Exemplare aufgetaucht, denn gefragt wurde ich sowohl von Verkaufswilligen wie Kaufbereiten, aber ob die Verhandlungen schliesslich erfolgreich waren, weiss ich nicht», schmunzelte Armbrust.

«Mal schauen»

Überliefert ist auch, dass eine ältere verwitwete Dame mit der Sammlung ihres verstorbenen Gatten in zwei Plastiksäcken auftauchte. «Viel Wert hatten diese Plaketten nicht, aber ich habe sie gekauft», sagte der Berner Bruno Gwerder, der sich privat viel in Biel aufhält und dadurch zum angefressenen Fasnächtler wurde.

«Neu sammle ich nach diesem Kauf deshalb jetzt auch die ‹Grenchner’ mit ihrer speziellen Machart, obwohl ich diese eigentlich nicht sammeln wollte», sagte der erstmals an der hiesigen Börse präsente, die Umzüge jedoch aus eigener Anschauung kennende pensionierte Elektroplaner.

«Mal schauen, was da so gesammelt wird, ohne irgend welche Erwartungshaltung», war der Ansporn für Gwerders Solothurn-Besuch. «Verkauft habe ich nicht viel, das war nicht der Hauptzweck, aber die professionelle Aufmachung der Börse, die Guggenmusik und das überraschende Apéro haben mich sehr beeindruckt», zog der Berner, der an der Bieler Fasnacht jedes Jahr mit einem neuen Kostüm teilnimmt, ein positives Fazit.

«Von den Leuten her war diese Börse absolut ein voller Erfolg», bilanzierte auch Armbrust positiv. Diesen gesteigerten Zuspruch führt der UNO-Plakettennarr auf zwei Ursachen zurück.

«Wir inserierten erstmals auf Facebook und durften im Vorfeld über 1500 Klicks registrieren und das neu geschaffene «Öuferli» wird nur an der Börse den Bestellenden abgegeben», ergänzte er.

«Nur noch fünf der 111 Nummern sind übrigens frei, denn Unentschlossene liessen sich heute definitiv überzeugen, zumal die zugeteilte Nummer bis auf Widerruf die gleiche bleibt», ist der UNO-Chefplakettier über den grossen Anklang dieser neuen Spezialität sehr erfreut. Ansonsten kennt Armbrust keine Verkaufszahlen. Die Anbietenden lassen sich nicht in ihre «Bücher» blicken.

Ein interessantes Detail ist auch die wieder belebte Nachfrage nach dem 1987 von Walter Bohnenblust – der UNO-Ehren-Ober-Ober führte 1975 die erste Plakettenbörse durch – erstmals herausgegebenen Plakettenkatalog. Seit 1887 sind die Solothurner Fasnachtsplaketten «Honolulu» dokumentiert. Diese Übersicht wird jährlich durch «Fortsetzungsblätter» ergänzt.

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