Solothurn

An der Heso-Sonderschau erzählen Abfallberge Abfallgeschichten

Die Kebag Zuchwil lädt an der Herbstmesse Solothurn dazu ein, einen besonderen Rohstoff kennenzulernen.

Von der abenteuerlichen Reise, die für einen Kehrichtsack am Strassenrand beginnt, bekommt Otto Normalverbraucher in der Regel wenig mit. «Sobald der Sack abgeholt wird, gerät er aus den Augen, aus dem Sinn», weiss Markus Juchli, Direktor der Kehrichtbeseitigungs-AG Kebag in Zuchwil. Die Sonderschau der heute startenden HESO widmet sich dem «Leben danach» und soll den komplexen Prozess der Abfallverarbeitung in publikumsfreundlicher Form abbilden.

Und dieser Weg führt von der Vergangenheit in die Zukunft. Oder: Vom Vergraben übers Verbrennen, bis hin zum Verwerten und – soweit möglich – Vermeiden. Doch gleich zu Beginn und auf dem ganzen Weg durch die Sonderschau wird man mit einer happigen Anzahl von rund 1000 aufgeschichteten Kehrichtsäcken sowie zahlreichen Abfallkübeln konfrontiert. «Man taucht quasi in den Abfall hinein», beschreibt Liliane Herzog, die zusammen mit ihrem Atelierteam die visuelle Umsetzung der Sonderschau verantworten.

Weltmeister in Sachen Abfall

Ebenso schwer wiegt aus der Verbraucherperspektive der gleichzeitig präsentierte Zahlen«haufen»: «Schweizer sind Weltmeister im Produzieren von Abfall», kommentiert Juchli dazu. Waren es um 1900 noch jährlich 80 Kilogramm Abfall pro Person, sind es heute deren 720. Wichtige Faktoren für diese Entwicklung seien das Bevölkerungswachstum sowie das Bruttoinlandprodukt als Gradmesser für das Konsumverhalten. Von der Frage des «Woher?» geht die Ausstellung nahtlos zum «Wohin damit?» über. Bis in die Siebziger Jahre hinein nämlich verlochten die Solothurner – und nicht nur sie – den Abfall quasi vor der Haustür. Der Stadtmist ist somit nicht nur aus aktuellem Anlass Thema der Sonderschau. Eine überdimensionierte Schweizerkarte zeigt auf, dass es neben Solothurn über 4000 sanierungsbedürftige Standorte gibt. Auch wenn hier das persönliche Anstandsbarometer ausschlägt: Die damalige Problematik wird ohne belehrenden, anklagenden Zeigefinger präsentiert. «Damals wusste man es einfach nicht besser», so Juchli.

Auch die KEBAG hat ihren Stand an der Herbstmesse Solothurn.

Auch die KEBAG hat ihren Stand an der Herbstmesse Solothurn.

Die bedrohlich wachsenden Müllberge auf freiem Feld brachten dann aber dennoch den Anstoss zum Umdenken, dargestellt in der zum «Fegefeuer» stilisierten «Ofenlinie» der Kebag-Chronik: 1976 ging vor dem Hintergrund dieses umweltpolitischen Bewusstseinswandels unter anderem die Kehrichtbeseitigungsanlage Zuchwil in Betrieb – und diese breschte in Sachen Innovation von Anfang an voraus: mit einer Dampfturbine, die Verbrennungswärme zu Strom wandelte und 2012 einer modernen Kondensationsdampfmaschine Platz machte; mit aufkommenden Filtersystemen, um Emissionen zu verringern; mit seiner Fernwärme-Produktion; mit diversen Ausbauschritten, um die letztlich 220 000 Tonnen Abfall im heute bestehenden Einzugsgebiet von einer halben Million Menschen zu bewältigen; und mit technologischen Neuerungen, um Metalle wie Zink aus verbleibender Schlacke und Flugasche zu gewinnen.

Anschauungsunterricht dazu gibt es vor Ort: Mit Magneten und Magnetfeldern kommt «das Gute ins Töpfchen und das Schlechte ins Kröpfchen». «Urban Mining» lautet das Schlagwort, das Gegenwart und Zukunft der Abfallverwertung markiert. Die rohstoffarme Schweiz wird plötzlich zum Rohstofflieferanten. Und auf die Weltmeisterschaft im Abfallproduzieren folgt jene in Sachen Recycling – eben in Form von Rohstoffen, Wärme und Elektrizität.

«Enova» markiert Kebag-Zukunft

Der Rundgang endet mit der Zukunft, die bei der Kebag auf den Namen «Enova» lautet und vor Ort in Form eines grossen Modells dargestellt ist. Bis 2025 soll eine komplett neue Anlage mit zwei modernen Ofenlinien am Emmenspitz ihren Betrieb aufnehmen. Nicht weniger als 439 Mio. Franken soll das Projekt kosten. Erwartet werden ein Plus von zehn Prozent an gewonnener Energie aus der gleichen Abfallmenge, sowie optimierte Emissionswerte.
Neben einem Siebnerteam des Ateliers Herzog waren vier Fachleute der Kebag bei der Vorbereitung der HESO-Sonderschau beteiligt, ebenso zwei Personen der Agentur CR Communications. Während der HESO werden zudem zahlreiche Mitarbeiter aus allen Bereichen der Kebag für einen Austausch über den Rohstoff aus dem Abfallsack vor Ort sein.

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