Vor einem Jahr hatte Christoph Rölli bei der Rythalle AG Roger Saudan als VR-Präsidenten abgelöst, nun musste er gestern von einem mittleren Augiasstall in Sachen früheren HESO-Finanzen berichten. «Nach der Kündigung der HESO-Mandate Bau, Finanzen und Geschäftsstelle vor einem Jahr verlangten wir bis Jahresende die Dossiers für die neu gewählten Nachfolger. Das war aufwendiger, als wir dachten. Viel Wissen war in den Köpfen, aber nicht auf dem Papier.»

Problemlos hätte nur das Dossier Bau an den neuen Chef Bruno Walter übergeben werden können, Thomas Zindel als neuer Leiter Finanzen und der Geschäftsstelle in Personalunion, wartete aber eine Überraschung. Oder wie es der Finanzchef der Rythalle AG, Markus Boss ausdrückte: «Es gab verschiedene Ungereimtheiten, die zwar nicht existenziell sind, aber doch unschön.»

Standgebühren nicht einkassiert

Dann wurde Boss vor 51 Aktionären konkret: Guthaben seien in den letzten vier Jahren «zu wenig konsequent eingefordert worden.» Es gehe um 300000 Franken nicht bezahlte Rechnungen, primär Standgebühren, «und dafür wurden nur 32000 Franken zurückgestellt.» Auch knapp 17000 Franken AHV-Abgaben sind laut Boss unters Eis gegangen und mussten jetzt nachgezahlt werden, dafür tauchten im Gegenzug 41000 Franken nicht zurückgeforderte und verfallene Anzahlungen auf.

Nun habe man begonnen, das Inkasso voranzutreiben und erste Erfolge erzielt. Zudem würden die Standmieten jetzt sofort eingefordert. Der grösste Einzelposten, die konkursite Bäckerei Rüegsegger, ist aber nicht mehr auszugleichen – offenbar bleiben da Standgebühren von mindestens zwei HESO-Jahren geschuldet. «Wir haben deshalb 97000 Franken zusätzliche Rückstellungen getätigt», erklärte Markus Boss das schlechtere HESO-Ergebnis 2011. Trotzdem stehe die Rythalle AG mit einem Jahresgewinn von 56000 Franken sehr gesund da – mit dem Gewinnvortrag auf die neue Rechnung summiert sich der Bilanzgewinn auf gut 407000 Franken. Mehr Mieterträge brachte die Reithalle auch ohne die HESO, die 2011 bei einem Nettoerlös von 1,547 Mio. Franken allein Bau- und Betriebskosten von 988000 Franken verursachte.

Das Controlling vernachlässigt

«Die Revisionsstelle hat zwar darauf aufmerksam gemacht, aber intern wurde nicht gehandelt», erhielt am Schluss ein fragender Aktionär eine klare Antwort. «Wir haben den Finger zu wenig auf drauf gehabt und das Controlling vernachlässigt», räumte später Roger Saudan, noch HESO-OK-Präsident und bis 2011 VR-Präsident der Rythalle AG einen «Tolggen» ein. Man habe halt Aussteller, die schon 15 Jahre dabei gewesen seien, nicht einfach rauswerfen wollen, so Saudan zum «Fall Rüegsegger». «Wir müssen uns alle an der Nase nehmen», stellte er sich trotz allem vor den Hauptschuldigen, den früheren Finanzchef. «Unter den 300000 Franken sind auch 25000 Franken als letzte Tranche des Stadtbeitrags an die neue WC-Anlage. Diese wird erst nach den letzten Garantiearbeiten fällig», relativierte er zudem die Ausstände etwas.

Jedenfalls will Christoph Rölli «seine» Rythalle AG und die HESO finanziell, aber vor allem personell entflechten: Zwei verschiedene Präsidenten, wie vor einem Jahr durchgesetzt, waren der Anfang, neu sind mit Markus Boss (AG) und Thomas Zindel (HESO) auch die Finanzen separiert. «Und es ist fraglich, ob wir in Zukunft noch einen Delegierten der Rythalle AG im HESO-OK brauchen», meinte Rölli und damit den jetzigen Mann in dieser Rolle – Roger Saudan.