Solothurn
An der Hauptgasse 14 wird künftig auf grosse Detailhändler gesetzt

Die Einkaufs-Mall an der Hauptgasse 14 in Solothurn wird wohl bis im Frühling geräumt sein, der bunte Geschäfte-Mix verschwindet. Die neue Besitzerin wartet auf zwei neue Mieter. Es sollen grosse Schweizer Detailhändler sein.

Wolfgang Wagmann
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Noch ist die Shopping Mall an der Hauptgasse 14 mit verschiedensten eingemieteten Geschäften belegt. Das soll sich bald ändern.

Noch ist die Shopping Mall an der Hauptgasse 14 mit verschiedensten eingemieteten Geschäften belegt. Das soll sich bald ändern.

Wolfgang Wagmann

«Die Mall funktioniert so nicht.» Das sagt der neue Eigentümer der Passage, die als «Hauptgasse 14» seit den Neunzigerjahren mit einem bunten Geschäftemix Kundschaft anziehen soll. Das tut sie jedoch gemäss Jörg Eichhorn eindeutig zu wenig. Im letzten April hatte die in Zug domizilierte Newport Highstreet AG den Zürcher Besitzern das Haus abgekauft.

Für die neuen Eigentümer stand bald einmal fest: Es muss sich etwas ändern. «Ein Hauptnachteil ist, dass die Mall nicht durchgehend ist.» Eichhorn schwebt vor, dass zwei grosse Schweizer Detailhändler inskünftig das Parterre und das erste Obergeschoss das bisherige «Puzzle» an verschiedenen kleineren Geschäften ersetzen sollen. Offenbar ist man kurz vor Vertragsabschluss, doch noch will und kann der Zuger Geschäftsmann die Namen der neuen Mieter nicht preisgeben.

«Leute, lasst uns reden»

«Eigentlich hatten wir das Objekt gekauft, um auf diesem Stand weiterzufahren.» Dann habe er gemerkt, dass etliche Geschäfte in ihren noch bis zu fünf Jahre weiterlaufenden Mietverträgen «nicht glücklich» waren. Jörg Eichhorn: «Wir standen unter Zugzwang. Und sagten: Leute, lasst uns miteinander reden.» Daraus hätten sich «lösungsorientierte Gespräche ergeben», und so steht der neue Eigentümer kurz vor dem Erreichen des Ziels, alle Mieter vorzeitig aus den Verträgen entlassen zu können. «Im April 2015 möchten wir mit den Sanierungsarbeiten für unser neues Grossflächenprojekt beginnen.»

Jörg Eichhorn Geschäftsführer Newport Highstreet AG in Zug

Jörg Eichhorn Geschäftsführer Newport Highstreet AG in Zug

Wolfgang Wagmann

Noch sei nicht ganz alles geregelt, auch wenn das Gros der bisherigen Läden schon ihre Auszugabsichten deponiert habe. Für einige hat Eichhorn nach Alternativstandorten gesucht, so zeichne sich auch beim Mode- und Dessous-Geschäft Lindt eine Lösung ab, die aber im Moment noch nicht ganz spruchreif sei.

Umgang war «sehr fair»

Hans-Peter und Christine Lindt waren nach dem Umbau der seinerzeitigen «Crediti» im Mai 1999 mit ihrem Geschäft Lindt Dessous-Moden an der «Schoggi-Front» in die neue Geschäftsmeile Hauptgasse 14 eingezogen. Christine Lindt bestätigte nur, dass die neuen Besitzer aus Zug «sehr fair» mit ihnen umgegangen seien. Ansonsten sei Stillschweigen vereinbart worden.

Erledigt hat sich schon bald das Kapitel Hauptgasse 14 für Richard und Ruth Felder, die neben ihrem Hauptgeschäft, dem stadtbekannten «Müller Beck» an der Pfisterngasse, in der Mall auch das Café Undici betrieben hatten. «Dort hören wir Ende Jahr auf», bestätigt Ruth Felder auf Anfrage. Schon vor einiger Zeit hatte ihr Mann Richard zudem angedeutet, dass er in den nächsten Jahren auf Nachfolgesuche für seine Holzofenbäckerei sei.

Die BEKB ist schon weg

Bis vor kurzem eingemietet war auch die Abteilung Private Banking der Berner Kantonalbank BEKB in Solothurn. Doch mit dem Ausbau des BEKB-Sitzes in der Gurzelngasse habe man sich per Ende Oktober für den Umzug vom ersten Geschoss der Hauptgasse 14 in die dort neu eingerichteten Räumlichkeiten entschlossen, so Stefan Gerber, CEO der BEKB Solothurn. «Unser Mietvertrag in der Hauptgasse 14 läuft Ende Jahr aus und wir haben ihn nun nicht mehr verlängert.»

Betonte Swissness

Nein, «es gibt keine Einflussnahme von Hamburg», betont Jörg Eichhorn die Schweizer Eigenständigkeit der vierköpfigen Firma Newport Highstreet AG in Zug.» Das gleichnamige deutsche Unternehmen rede bei ihrer Geschäftsstrategie nicht drein, «wir sind zu 80 Prozent Projektentwickler und zu 20 Prozent Bestandeshalter wie jetzt hier an der Hauptgasse 14», wehrt sich Eichhorn gegen ein allfälliges Spekulanten-Image. «Wir sind keine deutschen Heuschrecken» oder «wir bewegen uns nur auf Schweizer Terrain» sind weitere Aussagen zu seiner Strategie, «transparent» aufzutreten. «Wir sind gut integriert», glaubt der Immobilien-Manager, der im übrigen Solothurn als «sehr schöne Stadt» ansieht, die auch ihren Branchenmix pflegen sollte. So habe man erhebliche finanzielle Mittel in die Standortsuche für die jetzigen Mieter der Hauptgasse 14 gesteckt. In Sachen Finanzierung räumt Eichhorn jedoch ein, dass die Beziehungen zu Hamburg diesbezüglich spielen. (ww)

Die «SoWo» ist auf der Suche

Schon seit den Neunzigerjahren ist die «Solothurner Woche» hinten in der Mall eingemietet – jetzt muss auch sie den Standort verlassen. «Wir hätten zwar noch einen Mietvertrag, der bis Ende 2015 läuft, doch sind wir auf der Suche», bestätigt Geschäftsführer José Virgodavola. Auch er habe Hilfsangebote von Jörg Eichhorn für einen neuen Standort erhalten, doch der Vorschlag, im zweiten Stock an der Hauptgasse 14 einzuziehen, sei nicht befriedigend gewesen. «Es ist nicht einfach, auch wenn wir nicht auf Laufkundschaft angewiesen sind», so Virgodavola, für den die neuen Räumlichkeiten auch bezahlbar sein sollten.

«Läderlade» hat eine Option

Ein Langzeitmieter ist auch Fredi Zimmermann mit seinem «Läderlade» im hinteren Bereich der Mall. Für ihn hat Jörg Eichhorn eine Lösung gefunden: Zimmermann wird sein Geschäft voraussichtlich im Frühling an den Friedhofplatz zügeln können, wo er in den Räumlichkeiten der ehemaligen Bäckerei Trüssel ein neues Geschäftsdomizil gefunden hat.

Das Verhalten des neuen Besitzers der Hauptgasse 14 schildert es als «sehr fair und Herr Eichhorn hat mich bei der Suche nach einem neuen Laden wirklich enorm unterstützt», verteilt er anerkennende Worte für den Manager der Newport Highstreet AG. Dieser wiederum findet es wichtig für die «Urbanität» einer Stadt, dass Geschäfte wie der «Läderlade» im Zentrum Solothurns bleiben können.

Etwas bedauert Zimmermann natürlich schon, dass er nicht mehr im «Ypsilon», an der Haupt- oder Gurzelngasse, geschäften kann. «Aber die dortigen Mietzinse können Geschäfte wie meins einfach nicht mehr stemmen», ist sich Fredi Zimmermann bewusst – in Kenntnis von fünfstelligen Monatsmieten für Läden mit weniger als 200 Quadratmetern Verkaufsfläche in der unmittelbaren Umgebung seines jetzigen Standorts.

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