Joel Grolimund steht noch ganz unter dem Eindruck seiner Erlebnisse in den letzten Tagen. Der gebürtige Zuchwiler kam am Dienstagnachmittag dieser Woche von seinem einwöchigen Arbeitseinsatz in Los Angeles zurück. Der 26-Jährige war zusammen mit einem dreiköpfigen Team im Auftrag des Schweizer Fernsehens SRF für die Sendung «Glanz & Gloria» dort, zur Oscar-Verleihung.

Man begleitete insbesondere die Film-Crew des nominierten Kurzfilms «La femme et le TGV». «Ich arbeite ja erst einen Monat für ‹Glanz und Gloria›», erzählt Grolimund. Und schon sei die Anfrage gekommen, im Oscar-Team mit dabei zu sein. «Das war natürlich die Gelegenheit meines Lebens.» Blöd nur, dass ausgerechnet die Solothurner Fasnacht in dieser Zeit stattfand. «Ich bin bei der Guggemusik Konfettistampfer. Das hat mich natürlich schon gewurmt, dass ich wegen der Arbeit nicht mit dabei sein konnte. Doch zu den Oscars zu reisen – wer weiss, ob ich diese Gelegenheit im Leben nochmals bekomme. Fasnacht ist ja jedes Jahr.»

Joel Grolimund spielt Schlagzeug bei den Konfettistampfern

Kaum aus L.A. zurück, spielt Joel Grolimund Schlagzeug mit den «Konfettistampfern».

Kindheitstraum: Moderator

Grolimund erzählt, wie er überhaupt zu «Glanz & Gloria» gekommen ist. «Fragte man mich als Kind, was ich werden wolle, sagte ich schon immer Fernsehmoderator», lacht der zielstrebige Mann. Nach einem Praktikum bei dieser Zeitung und dem Besuch der Ringier-Journalistenschule arbeitete er dreieinhalb Jahre bei Radio Energy als Redaktor und Moderator. «‹Glanz & Gloria› kannte ich auch schon ein wenig. Dort absolvierte ich auch mal kurz ein Praktikum.» Es gefalle ihm sehr gut dort, wo er jetzt sei. «Ich bin hauptsächlich für den Instagram- und Facebook-Auftritt von ‹G & G› zuständig. Man will damit die jungen Zuschauer vermehrt ansprechen.» Die Welt der Promis, der Events – das passt ihm.

Am 20. Februar reiste das SRF-Team nach Los Angeles. «Wir wohnten in einem Hotel, in West-Hollywood, und waren mit dem Auto unterwegs.» Wer nun aber glaubt, das Team habe sich ein paar freie Tage bis zur Preisverleihung gegönnt, liegt völlig falsch. «Wir produzierten in diesem Tagen verschiedene Formate für ‹G & G›, aber auch für die Tagesschau oder für SRF 3», berichtet Grolimund. Mehrheitlich habe man die Crew des nominierten Schweizer Kurzfilmes begleitet.

Ein Haus in den Hollywood-Hills

Besonders in Erinnerung geblieben ist Grolimund dabei eine Pre-Party im Haus des Regisseurs von «Grease» und Mitglied der «Academy», Randal Kleiser. «Es war wie im Film. Sein Haus in den Hollywood-Hills – ein Swimmingpool mit Blick auf L.A. – auf dem Cheminée stehen ein paar ‹Emmys› . . .».

Am Tag der Verleihung war es für die Schweizer Fernsehleute nicht möglich, den nominierten Filmschaffenden auf dem roten Teppich ganz nah zu sein. «Der Einmarsch der Stars geht über Stunden. Je nach Bekanntheitsgrad geht man früher oder später rein.» So durften/mussten unsere Schweizer bereits am Nachmittag über den roten Teppich schreiten, noch unbemerkt von den vielen Fernsehstationen. «Auch wir, das Schweizer Fernsehen, kamen nicht in die Nähe des roten Teppichs, erzählt Grolimund. «Das geht nur, wenn man als TV-Station live sendet. Das Schweizer Fernsehen hat das früher noch gemacht.»

Die Sache mit der Verwechslung

Alle anderen Medienvertreter mussten sich im sogenannten Press Room aufhalten, wo man die Übertragung miterleben konnte und wo nach der Show die Hauptgewinner kurz für Fragen zur Verfügung stehen. «Dieses Mal war die Freude natürlich durch den Lapsus mit dem falschen Sieger-Couvert etwas gedämpft», so Grolimund. Eigentlich sei er verwundert, sagt er, dass dieses Missgeschick passieren konnte. «Die Show ist durch und durch geplant. Da gibt es keine Minute, in der nicht klar ist, was passiert. Auch die Sicherheitsmassnahmen waren riesig. Die Security war freundlich, aber bestimmt.»

Bei ihm selbst hatte die Falschmeldung des «Best Film» auch für Schweissausbrüche gesorgt. Er hatte schon auf Facebook den Sieg von «La la Land» gepostet, und sass dann im Auto, als die Nachricht über den Irrtum kam. «Dabei war ich so stolz, so schnell gewesen zu sein. Und dann musste ich alles korrigieren.» Zurück in Solothurn ging es dann – wenigstens für einen Tag – noch an die Fasnacht. «Das war fast genauso schön, wie bei den Oscars zu sein.»

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