Solothurn

An der Designerbörse kam sogar eine 40-jährige Turnhose unter den Hammer

Jens Wachholz (links) und Matthieu Haudenschild versteigern eine Tischlampe von Otto Mueller, fabriziert in den Dreissigerjahren von der Firma Belmag. Für lausige 229 Franken kam das Ding unter den Hammer.

Jens Wachholz (links) und Matthieu Haudenschild versteigern eine Tischlampe von Otto Mueller, fabriziert in den Dreissigerjahren von der Firma Belmag. Für lausige 229 Franken kam das Ding unter den Hammer.

Die erste Solothurner Designbörse in der Kulturgarage war ein voller Erfolg. «Es gibt viele Flohmärkte, aber wir wollten etwas anderes machen», so die Organisatoren.

Mit einem kecken Flyer hat sie auf sich aufmerksam gemacht, die erste Solothurner Design Börse. Liebhaber von schönen Dingen, Schnäppchenjäger und erstaunlich viele junge Familien schlenderten am Samstag durch den Partyraum der Kulturgarage und hofften, dass ein längst gehegter Traum Wirklichkeit wird.

Vielleicht könnte man am Abend Besitzer eines der seltener gewordenen Art-Deco-Möbel, einer Artemide-Tischlampe oder eines bequemen Eames Vitra Lounge Chairs werden. Oder gar einer Quick-Designer-Bürolampe aus den Dreissigerjahren, die als Highlight gehandelt wird?

Die Atmosphäre ist gediegen, die dezente Backgroundmusik beruhigend. Kein Stress, keine Hetze. An der Bar gönnt man sich ein Cüpli, einen Kaffee oder ein Öufi-Bier. Der selbst gebackene Kuchen schmeckt herrlich. Die farbigen Werbe-Leuchtbuchstaben, zwischen denen edle Gartenzwerge aus den Siebzigerjahren sitzen, ziehen die Blicke auf sich. Senta Strausak vom Secondhandshop «Lieblingsstücke» im Unteren Winkel weiss, was den Leuten gefällt.

Sogar «Glanz und Gloria» war da

Auch eine Hermes-Schreibmaschine, ein altes Telefon, Haushaltgegenstände und edle Klamotten aus dem letzten Jahrhundert, die noch nicht in China angefertigt wurden, werden unter die Lupe genommen. Der Blick richtet sich auch auf Schuhe, Taschen, Schmuck und andere hübsche Accessoires, die die Frauen damals attraktiv machten und zu Spottpreisen angeboten werden. Heute gelten sie als Design-Klassiker und stehen bei Liebhabern hoch im Kurs. Die Besucher staunen: Selbst ein Kameramann der TV-Sendung «Glanz und Gloria» bahnt sich einen Weg durch die Leute.

«Wir haben sehr gut gearbeitet», freut sich Brigit Stadelmann vom OpenHouse ein paar Stunden später. «Es kam zu angeregten Gesprächen und neuen Kontakten. Wie viele andere weiss die versierte Sammlerin von schönen Dingen, die seit 35 Jahren im Geschäft ist, was bei den Leuten ankommt. Doch der Höhepunkt des Tages steht noch bevor.

Wie sich bald herausstellt, eignet sich die Bühne im Kulturraum an der Unteren Steingrubenstrasse bestens für eine unterhaltsame und mit viel Witz gespickte Auktion von übrig gebliebenen Gegenständen mit Jens Wachholz und Matthieu Haudenschild, die zusammen mit Sandra Boner und Vera Probst den Anlass organisiert hatten. Unter den Hammer kommen unter anderem noch eine platzsparende Lampe, mit der man früher auf die Reise ging, eine reich verzierte Uncle-Bens-Dose, Jubiläumsedition, eine Autogrammkarte von Heino und eine 40-jährige Turnhose aus der DDR-Zeit.

«Die Idee, eine Designerbörse durchzuführen, wurde in später Nacht im «Vini» geboren», lässt sich Sandra Boner in die Karten blicken. «Wir waren alle sofort Feuer und Flamme und haben für den Anlass viel Zeit und Energie aufgewendet und auch geschaut, wie es andere machen.» Die «Meteo»-Frau ist überzeugt: «Das Ganze riecht nach Zukunft.»

Dieser Ansicht ist auch Jens Wachholz. «Wir sind überrascht und zufrieden. Unsere Erwartungen haben sich erfüllt.» Die Rechnung werde aufgehen, hofft Jens Wachholz. Es sei von Anfang an nicht darum gegangen, einen Gewinn zu erzielen. Wichtig sei gewesen, einheimische Gewerbetreibende zu berücksichtigen und die Besucher durch Mund-zu-Mund-Propaganda anzulocken. «Es gibt viele Flohmärkte, aber wir wollten etwas anderes machen.» Eine Zweitauflage steht auch für ihn in Reichweite, aber: «Wir wollen klein, aber fein bleiben.»

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