Solothurn

An der Authentica für einmal Zmäret goh im grossen Format

Zum fünften Mal begann am Donnerstag im Kapuzinerkloster die Spezialitätenmesse Authentica mit frühsommerlicher Sonnenhitze, währschaftem Handwerk und ebenso währschaften Gaumenfreuden.

So stellt man sich «Zmäret goh» in ausgedehnter Reinform vor. Besucher halten den Flechtkorb in der Armbeuge eingeklemmt, überall wird Frischware angeboten, viel Geselligkeit und doch kein Gedränge. Hier was fürs Auge, dort was für den Gaumen, und da was zum Anziehen. Zum fünften Mal ist an Fronleichnam die Spezialitätenmesse «Authentica» angelaufen.

60 Aussteller aus Kleinbetrieben präsentieren im und ums Kapuzinerkloster noch bis Sonntag selbsterdachte und selbstproduzierte, handwerkliche und kulinarische Produkte; entweder aus der Region, oder auswärtige Spezialitäten, die ihresgleichen suchen. Und das Konzept der Organisatoren hinter der «Authentica» macht Schule: Ein Ableger ist in Basel geplant, bereits durchgeführt wurde die Messe aber auch in Appenzell und in Brugg-Windisch.

Genau von dieser Messe kommt Andrea Stahl. Nein, hinter ihrem Nachnamen versteckt sich kein Künstlername, obwohl ihre Handwerkspassion darauf schliessen lassen könnte: Die Ausstellerin ist zum zweiten Mal mit ihren Stahlobjekten in Solothurn, Lampen, Feuerschalen und Briefkästen. Rost als Deko ist längst zum Trend geworden, der nicht abbricht. «Doch für mich kommt vor der Ästhetik und vor der Funktionalität etwas ganz anderes: nämlich Emotionen.»

Freundschaft unter Ausstellern

Eine besondere Freundschaft verbindet den Berner Teigwaren-Virtuosen Rolf Thalheim von «Indegrienza» und den Lyssacher Bauernhof der Familien von Ballmoos und Bachmann, der schottische Hochlandrinder hält. Nach zwei Jahren obligater Ausstellerpause sind beide wieder dabei. Und so erinnern sich Thalheim und Samuel von Ballmoos, was damals entstanden war: «Nach der ersten ‹Authentica› haben wir zusammen eine Idee entwickelt», sagt Thalheim.

Entstanden ist eine besondere Tortellini-Kreation, die Lyssacher Hochlandrindfleisch enthält. Und auch von Ballmoos wähnt sich hier mit seinen anderen Fleischprodukten bei der richtigen Kundschaft. «Es sind Menschen, die auf gute Ernährung Wert legen, dabei wissen wollen, woher eine Ware kommt und wer dahinter steckt.» So bringt er die Botschaft von «Authentica» auf den Punkt. «Wir wollen die Köpfe hinter den Produkten sehen», so die Devise des Messegastgebers Urs Bucher.

Natürliches kennenlernen

Sibylle Weyermann ist mit Renata Schär, ihrer Arbeitskollegin vom Langenthaler Bioladen Kornblume nach Solothurn gekommen: «Ich war vor vier Jahren hier. Und jetzt wollte ich unbedingt wieder vorbeischauen.» Grosse Einkaufspläne haben die beiden nicht. «Wir wollen einfach natürliche Produkte kennenlernen.»

Derartige Gelegenheiten gibts zur Genüge: Nach dem vergangenen Jahr nicht mehr als Aussteller, dafür als Verpfleger dabei ist die Manufaktor Joli-Mont aus Wattenwil. Ihr Frozen Joghurt wirkt der Frühsommerhitze entgegen, was der Menschenschlange vor ihrem Stand abzulesen ist. Obwohl die englische Bezeichnung nur dem Wiedererkennungswert dient: «Wir nennen es ‹Gfrornigs Joghurt›», erklärt Ursina Steiner. Vor vier Jahren erkannte man den Hype, hat die Kreationen im tiefsten Winter probegegessen und schliesslich etwas geschaffen, mit dem sich Joli-Mont bewusst abheben will.

In der Klosterkirche bietet sich ein ungewöhnlicher Anblick: Vor dem Altar stehen ein Holzbett und zwei Lavabos. Upcycling heisst hier Schlagwort, mit der die Möbelmanufaktur Altrimenti verstaubte Estrichstücke im wahrsten Sinne «aufmöbelt».

Scharfe Wurzel als Gaststar

Einen doppelten Gastauftritt an der Authentica hat Ingwer. Die Wurzel kommt im Refektorium als erfrischend-pikanter Saft nach ghanaischer Rezeptur unters Volk. Und bei «Peppe» wird er als Likör kredenzt, wie Simon Borchardt erzählt. «Nach letztem Jahr wollten wir auch heuer wieder dabeisein. Mit Menschen in Kontakt kommen und eins zu eins diskutieren ist uns wichtig, da wir sonst vor allem mit Händlern und Bars in Kontakt stehen.»

Auf die Frage, ob der Scharfmacher denn wirklich die aphrodisierende Wirkung hat, die man ihm so oft nachsagt, antwortet Borchardt diplomatisch: «Gemäss unbestätigter Quellen soll sich bei der richtigen Menge tatsächlich ein bestimmter Effekt einstellen...»

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