Solothurn
An der Aaremeile herrscht im Sommer immer Ferienstimmung

Höchstens König Fussball kann das Geschäft der Beizen und Bars beidseits der Solothurner Aare trüben. Denn bei dem schönen Sommerwetter sind die Terrassenplätze der Betriebe immer gut besetzt.

Philipp Eng
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«Aaremeile» Solothurn
8 Bilder
In lauen Sommernächten trifft sich tout Soleure vor der Hafebar
Abendstimmung auf dem Aaremürli
Faszinierende Aaremeile by nigth
Der Blick auf die Aare und die Vorstadt machts aus
Sehen und gesehen werden
Der Landhausquai ist beliebt
Meist sind die Plätze entlang der Aare gut besetzt

«Aaremeile» Solothurn

Tina Dauwald

Der Aarestrand, die Flaniermeile an Solothurns Ufer, die Riviera de Soleure ... Wie man die ruhigen Plätzchen und entspannten Beizli entlang der Aare in der Solothurner Altstadt auch nennen will, all dies geniesst grösste Attraktivität bei Solothurnern und Solothurn-Fans.

Doch was genau macht denn die Aarebeizli so attraktiv, von welchem Getränk liessen sich die Bargänger diesen Sommer bisher besonders begeistern und wie stark nahm die Fussball-WM Einfluss auf das Geschäft der Restaurants und Bars entlang der Aare? Wir haben nachgefragt.

«Ich liebe die Strasse hier am Landhausquai einfach.» Diese Worte tönen doch schon mal sehr motivierend, gerade wenn sie von der Besitzerin eines der Lokale am Aaremürli kommen.

Mit dieser Zuneigung steht sie, Maria Luccarelli von «il Bar», definitiv nicht alleine da: «Bereits im Dezember konnten die ersten Leute draussen sitzen», sagt Luccarelli erfreut. Jedoch haben nicht nur die Solothurner den Charme der gemütlichen Bar erkannt – «il Bar» wurde nämlich für den «Swiss Gastro Award nominiert», unter der Rubrik «trendige Bar». Dies als einzige Solothurner Bar, wie Luccarelli stolz beifügt.

«Unglaubliche Aufwertung»

«Es hat in den letzten Jahren eine unglaubliche Aufwertung des Landhausquais gegeben», so Luccarelli, und sowohl Restaurants wie auch Solothurner Kunden wüssten dies ausserordentlich zu schätzen.

So auch Céline Wipf, Geschäftsführerin vom «Landhüsli». Ihre Bar geniesst ganz klar Kultstatus am Quai, denn es gibt sie bereits seit über 20 Jahren und ist bereits kaum mehr wegzudenken. Gleich wie die «il Bar» hat auch für Wipf der Sommer überraschend positiv gestartet und die Geschäfte laufen. Ob die WM dazu beiträgt, wagen beide zu bezweifeln.

Negativ habe sich die WM auf das «Sommerbeizli» ausgewirkt, ist Marion Schild überzeugt, Mitglied im Team des Sommerbeizlis. Sie haben während der ganzen WM keinen Fernseher vor oder in der Bar, dies als eine seltene Ausnahme im offensichtlich fussballverrückten Solothurn. Das «Sommerbeizli» habe laut Schild oft als Fluchtort derer gegolten, die mit den Dribblern in Brasilien nicht allzu viel anzufangen wissen.

Die WM ist jedoch bald vorbei – die Beizlibesitzer sind jedoch weiterhin guten Mutes für eine tolle Sommersaison. Doch was macht denn den Charme der Bars und Restaurants an der Aare aus?

Marion Schild meint: «Es herrscht eine Ferienstimmung, ohne dass man in die Ferien gehen muss», eigentlich eine absolut treffende Bezeichnung für die allzeit vorherrschende Sommerstimmung.

Für Céline Wipf vom «Landhüsli» ist es hauptsächlich die Flaniermeile, das Sehen und Gesehenwerden. Es ist übersichtlich und langgezogen und natürlich direkt an der Aare gelegen, dies macht die Lage besonders anziehend. Nur wer den etwas privateren Rahmen suche, flüchte sich an einem schönen Sommerabend in die Innenstadt, so Wipf.

WM-TV in der Hafebar

Ähnlich sieht dies auch Stefanie Probst, Geschäftsführerin der Hafebar auf der anderen Aareseite: «Es ist ein Aufeinandertreffen von Gegensätzen, von jung und alt...» Auch die Hafebar habe sich nicht gross auf die WM eingestimmt, doch immerhin können die Kunden auch hier die Spiele am Livescreen mitverfolgen.

«Ohne dies wäre es wohl während der Spielzeiten sehr ruhig gewesen», vermutet Probst, die sich auf das grosse Hafebarfest mit diversen Konzerten von 11 . bis 13. Juli freut. Dank Zelten findet es bei jedem Wetter statt.

Spezielle Cocktails

Bei dieser grossen Zahl an Bars und Restaurants verliert manch einer den Überblick und man möchte meinen, der Konkurrenzkampf sei vorprogrammiert. «Dies ist nicht so, man arbeitet zusammen und nicht gegeneinander», erklärt Kamer Karatay, der Geschäftsführer des wieder eröffneten «Solaare».

Sein Sommergeschäft ist noch sehr jung, doch er – wie alle anderen Geschäftsführer auch – spricht von einer sehr guten Bilanz in dieser ersten Sommerhälfte. «Gerade die Cocktails werden sehr gut verkauft», fügt er an. In der «il Bar» bei Maria Luccarelli wird Aperol und Spritz als Kassenschlager genannt, während Marion Schild im «Sommerbeizli» den Gästen eine spezielle Eigenkreation präsentiert: den Avion Spritz. Gemacht aus einem speziellen Schnaps, dem Kina l’avion d’or.

Ist das Wetter an einem Samstagmorgen noch regnerisch, gegen Abend jedoch richtiges Barwetter und ist man dann kaum auf den grossen Ansturm vorbereitet, braucht es flexible Arbeitszeiten und spontan einsetzbare Mithelfer.

Wipf betont, im «Landhüsli» seien sie sehr froh über die flexiblen Mitarbeiter, die gerade am Wochenende auf Abruf zur Verfügung stehen. An der Hafebar ist dies nicht anders: «Wir sind sehr gut organisiert, und wenn man hier arbeitet, weiss man von Anfang an, dass man manchmal spontan arbeiten muss», erklärt Stefanie Probst. Dies ist umso mehr verständlich, als man sich auf das Wetter nie verlassen könne, nennt auch Maria Luccarelli ihre grösste Sorge im Sommer.