Amtei Solothurn-Lebern
Die FDP ist mit zwei Sitzen weniger die grosse Verliererin - gewonnen haben die GLP und die SVP

Mit 7 Kantonsratssitzen stiegen die Freisinnigen in der Amtei Solothurn-Lebern ins Rennen, nun sind es noch fünf. Einen Sitz gewonnen haben die GLP und die SVP.

Fabio Vonarburg
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FDP-Vertreter am Sonntag im Wahlzentrum der Kulturfabrik Kofmehl.

FDP-Vertreter am Sonntag im Wahlzentrum der Kulturfabrik Kofmehl.

Tom Ulrich

Was für ein bitterer Tag für die FDP der Amtei Solothurn-Lebern. Der FDP misslang es nicht nur ihre bisherigen Sitze zu verteidigen, sie verlor gar deren zwei. Statt sieben Kantonsräte stellt sie nun noch fünf. Dies obwohl sich alle ihrer bisherigen Kantonsräte zur Wiederwahl gestellt hatten. Für drei von ihnen mit negativen Ausgang. Hubert Bläsi, Christoph Scholl und Markus Dietschi verlieren ihren Sitz im Rat.

«Das Resultat ist natürlich überhaupt nicht das, was wir erhofft haben», sagt der FDP-Amteipräsident Christoph Scholl. Man habe aber von Anfang an gewusst, dass es schwierig werde den siebten Sitz, den man mit dem Parteiwechsel 2018 von Markus Dietschi von der BDP zur FDP geerbt hat, zu verteidigen.

Der Unmut über Listenverbindungen

«Dass wir auch den sechsten Sitz verlieren, damit haben wir nicht gerechnet», sagt Scholl, der nicht gross über die Gründe der Niederlage spekulieren will, bevor die Amteipartei die Resultate analysiert hat. Was er aber bereits anspricht, sind die Listenverbindungen. Als Beispiel nennt er die CVP, die nur einen Sitz weniger als die FDP stellt, obwohl sie beinahe halb so viele Stimmen geholt hat.

Müsste die FDP künftig auch mit Listenverbindungen arbeiten? «Wir haben uns bis jetzt konsequent und mit Überzeugung dagegen entschieden», sagt Scholl und ergänzt: «Ich bin weiterhin der Meinung, dass dies der richtige Weg ist. Aus meiner Sicht müsste man allgemein das System der Listenverbindungen hinterfragen.»

Er bedaure, dass mit der Nicht-Wiederwahl von Markus Dietschi und Hubert Bläsi viel Erfahrung verloren gehe, dafür freue er sich über «den frischen Wind», den Beat Späti, Bellach, bringen soll.

Je einen weiteren Sitz für GLP und SVP

Deprimierte FDP, glückliche Gesichter gab es dafür bei zwei anderen Amteiparteien. Zu den Gewinnern gehört einerseits die SVP, die einen weiteren Sitz holte und damit nun vier hat. Neben den drei Bisherigen schaffte Werner Ruchti, Gemeinderat in Rüttenen, den Sprung in den Kantonsrat. Jedoch hauchdünn. Bevor die letzte Gemeinde, Bellach, ausgezählt war, lag noch Vanessa Meury, die Präsidentin der JSVP Solothurn auf dem dazugewonnenen Sitz.

Damit gelang es der SVP ihren negativen Trend der letzten paar Kantonsratswahlen zu stoppen. 2009 holte die Amteipartei 18,4 Prozent der Stimmen, 2013 waren es noch 16,9 und vor vier Jahren noch 15,8 Prozent. Nun ging es mit 17,36 Prozent wieder aus dem Tal hinauf.

Laura Gantenbein schafft es nicht

Nebst der SVP gehörte auch die GLP zu den Gewinnerinnen des Tages. Statt einem hat die Amteipartei nun zwei Sitze. Nebst der Bisherigen Nicole Hirt wurde auch Samuel Beer in den Kantonsrat gewählt. Trotz gleicher Anzahl Sitze wird dabei sicher bei den Grünen eine leise Enttäuschung mitschwingen. Zwar schafften die drei bisherigen Kantonsräte die Wiederwahl, doch für den vierten Sitz reichte es nicht, trotz Zugpferd Laura Gantenbein.

Die Präsidentin der Grünen Kanton Solothurn sowie Kandidatin für das Stadtpräsidium in Solothurn belegte Parteiintern den vierten Rang, ist somit mit rund 500 Stimmen Rückstand auf Heinz Flück, die erste nicht Gewählte.

Eigentlich auch zu den Verliererinnen gehört die SP. In den letzten drei Kantonsratswahlen holte die Amteipartei immer mindestens 20 Prozent der Stimmen. Dieses Mal waren es «nur» 18,8 Prozent. Auswirkungen hat dies aber keine. Dennoch reichte es für die Verteidigung ihrer fünf Sitze. Die vier Bisherigen der Partei wurden wiedergewählt. Neu im Rat sitzt für die SP nun Farah Rumy.

Solothurn-Lebern (23 Räte, davon 6 neugewählte)

Richard Aschberger, SVP (bisher, wiedergewählt mit 7976 Stimmen)
23 Bilder
Roberto Conti, SVP (bisher, wiedergewählt mit 6700 Stimmen)
Stephanie Ritschard (bisher, wiedergewählt mit 6558 Stimmen)
Werner Ruchti, SVP (neu gewählt mit 5624 Stimmen)
Barbara Wyss Flück, Grüne (bisher, wiedergewählt mit 5471 Stimmen)
Simon Michel, FDP (bisher, wiedergewählt mit 5405 Stimmen)
Mathias Stricker, SP (bisher, wiedergewählt mit 5342 Stimmen)
Barbara Leibundgut-Wüthrich, FDP (bisher, wiedergewählt mit 5120 Stimmen)
Nicole Hirt, glp/jglp (bisher, wiedergewählt mit 5082 Stimmen)
Beat Späti, FDP (neu gewählt mit 4958 Stimmen)
Urs Unterlerchner, FDP (bisher, wiedergewählt mit 4905 Stimmen)
Silvia Fröhlicher, SP (bisher, wiedergewählt mit 4878 Stimmen)
Marco Lupi, FDP (bisher, wiedergewählt mit 4869 Stimmen)
Thomas Studer, CVP (bisher, wiedergewählt mit 4257 Stimmen)
Matthias Anderegg, SP (bisher, wiedergewählt mit 4221 Stimmen)
Remo Bill. SP (bisher, wiedergewählt mit 4110 Stimmen)
Susan von Sury-Thomas, CVP (bisher, wiedergewählt mir 4064 Stimmen)
Christof Schauwecker, Grüne (bisher, wiedergewählt mit 3952 Stimmen)
Heinz Flück, Grüne (bisher, wiedergewählt mit 3831 Stimmen)
Samuel Beer, glp/jglp (neu gewählt mit 3652 Stimmen)
Farah Rumy, SP (neu gewählt mit 3522 Stimmen)
Patrick Schlatter, CVP (neu gewählt mit 2626 Stimmen)
Matthias Meier-Moreno, CVP (neu gewählt mit 2584 Stimmen)

Richard Aschberger, SVP (bisher, wiedergewählt mit 7976 Stimmen)

zvg

Top

Farah Rumy (SP), Grenchen

Farah Rumy (SP), Grenchen

Die Grenchnerin mit Jahrgang 1991 schaffte es bei ihrer erster Kandidatur auf Anhieb in den Kantonsrat. Die Fachexpertin Pflege hat im vergangenen Jahr auf sich aufmerksam gemacht, als sie das Projekt «Ich schenke einen Brief» lanciert hat. Dabei erhalten ältere Menschen in Alters- und Pflegeheimen Briefe von der jüngeren Generation, um die derzeit schwierige Zeit zu erleichtern. (fvo)

Flop

Hubert Bläsi (FDP), Grenchen

Hubert Bläsi (FDP), Grenchen

Hubert Bläsi von der FDP gehört zu den Altgedienten im Kantonsrat. 2001 wurde er in diesen gewählt, nun nach 20 Jahren das Aus. Trotz 4641 Stimmen verpasste Bläsi die Wiederwahl, holte noch weniger Stimmen als Parteikollege Markus Dietschi, der ebenfalls als bisheriger Kantonsrat scheiterte. Bläsi steht somit sinnbildlich für das Scheitern der FDP-Amteipartei, die zwei Sitze verlor. (fvo)