Seit 2004 verleiht die Schweizerische Paläontologische Gesellschaft an ihrer Jahresversammlung eine Amanz-Gressly-Medaille für besondere Verdienste in der Paläontologie. Sie würdigt damit den Solothurner Geologen Amanz Gressly, der in diesem Jahr seinen 200 Geburtstag feiert. Zwei öffentliche Vorträge im Naturmuseum rundeten die diesjährige Versammlung in Solothurn ab. Mit dabei waren auch Nachkommen des weltweit bekannten Forschers, der in Solothurn stark verwurzelt war.

Amanz Gressly, wurde 1814 im solothurnischen Bärschwil geboren und verstarb 1865 in Bern. Seine letzte Ruhestätte befindet sich in Feldbrunnen-St. Niklaus. Bereits als Kind kletterte er den Hängen entlang und suchte Fossilien, während seine Kameraden im Bach Krebse fingen. In zahlreichen Wanderungen durchstreifte er später die Wälder und Hänge des Juras und untersuchte mit Leidenschaft die unterschiedliche Beschaffenheit gleichaltriger Gesteinsschichten. Dabei erkannte er, dass die Eigenschaften eines Gesteins mit seinem Ablagerungsraum zusammenhängen. Der von Gressly kreierte Begriff «Fazies» wird heute weltweit von sämtlichen Geologen verwendet. Fazies heisst mit anderen Worten «Antlitz» (des Gesteins).

Zehntausende Fossilien gesammelt

1856 machte Gressly die Fachwelt auf den Fund eines Dinosaurierknochens im baslerischen Niederschönthal bei Füllinsdorf aufmerksam. Er war damals als Gutachter beim Bau des Hauenstein-Bahntunnels tätig – eine Aufgabe, die vor ihm noch kein Geologe ausführen konnte. Einige Jahre später gab der Basler Geologe Ludwig Rüttimeyer dem Fund Gressly zu Ehren den Namen «Gresslyosaurus». Er befindet sich heute im Naturmuseum in Basel. Aber auch das Naturmuseum Solothurn ist im Besitz von über 11000 von Gressly gesammelten Fossilien.

«Gressly ist eine Persönlichkeit, die mich seit Jahren interessiert», bekannte sich Christian A. Meyer, Direktor des Naturmuseums Basel und Leiter der Forschungsgruppe Paläontologie an der Universität Basel, zu einem unermüdlichen Forscher und Sammlungsverwalter, dessen Beobachtungen in vielen Teilen mit den heutigen Erkenntnissen übereinstimmen. Nicht von ungefähr hatte Meyer für seinen Vortrag den Titel «Der Mergelkönig vom Hauenstein» ausgewählt. Er deutete damit auch auf die äussere Erscheinung Gresslys hin, die nicht immer gesellschaftskonform war. Nicht selten musste man den Sonderling und Eigenbrötler ermahnen, seinen mergelverschmierten Rock durch saubere Kleider auszutauschen. Noch mehr ins Detail ging die Historikerin Andrea Westermann von der Universität Zürich. «Die von Gressly gezeichneten Karten verdeutlichen die zeitgenössische Annahme, dass die jurassische Landschaft erst später zum Gebirge aufgefaltet wurde», lobte sie die Weitsicht des Solothurners, der bei Wind und Wetter das alte Meeresbecken durchwanderte und erstaunliche Funde machte. Kein Wunder, dass Gressly an Gicht und Rheuma litt.

Sich ein Aquarium gebaut

Westermann wies zudem darauf hin, dass der unermüdliche Forscher 1854 auch anfing, Aquarien zu bauen, um seine Studien fortzusetzen. «Vorerst werde ich es mit einem künstlichen Meeresbecken für die Austernzucht und andere Seetiere versuchen», zitierte sie aus seinen Aufzeichnungen. Immer wieder habe er auch Kisten und Behälter gebaut, Tiere zum Beobachten bestellt und Karten angefertigt.

«Sechs Jahre vor seinem Tod hat Amanz Gressly seine erste Reise ans Mittelmeer unternommen und dazu einen hundertseitigen Bericht verfasst. Darin steht: «Es war mir, als ich den zu Senkungen und Falten verschrumpften Meeresboden verliess recht wunderbar zu Muthe.»

An Amanz Gressly erinnert in der Verenaschlucht ein mitten im Verenabach stehender Gedenkstein. Der gigantische, von der Töpfergesellschaft Solothurn initiierte Findling soll der Sage nach der Teufel der Heiligen Verena nachgeworfen haben.