Nebst Unterhaltung bietet das Gastspiel des Kinderzirkus Chnopf auch exzellente artistische Leistungen und vermag Erwachsene ebenso zu begeistern wie die Kinder. Anfang Jahr stand Matthias Schoch noch in der Titelrolle des «Amadeus» als verspielt kindlicher Mozart auf der Bühne des Stadttheaters, jetzt hat er nicht nur die künstlerische Leitung des Zirkus inne und tritt als Protagonist auf, sondern hat auch die Musik komponiert. Für ihn stellte sich die Frage, wer kann was auf welchem Instrument spielen und steht nicht auf der Bühne. So konnte er die Musik gezielt auf die Personen, respektive Instrumente und die gezeigten Nummern gestalten.

Wer die Vorstellung besucht, kann sich selber überzeugen, dass der Groove, leicht jazzige Klang ideal passt. «Da die Vorstellung keinen roten Faden hat, muss alles aus einem Guss kommen. Beim ‹Chnopf‹ werden keine fertigen Nummern eingekauft, sondern alles gemeinsam entwickelt, sowohl darstellerisch als auch bei den Kostümen, Dekors und eben der Musik,» so Schoch.

Das Beste aus zwei Welten

Das Regieteam war das gleiche wie letztes Jahr. Laura Vogel und Max Merker haben das Programm «du da da ich» inszeniert. Es geht um menschliche Begegnungen und Austausch und wurde durch die europäische Flüchtlingssituation ideell beeinflusst. Die Proben begannen im Januar, vorerst an Wochenenden, vor der Premiere aber sechs Wochen täglich.

Laura Vogel kommt von der artistischen Seite, Merker vom Theater. Sie hat anfänglich mehr Arbeit, er erst in der späteren Phase und am Schluss beide gemeinsam. «So nehmen wir das Beste aus zwei Welten», meint Merker. «Ich vertraue auf den Rhythmus der Geschichte und die darstellenden Menschen. Es ist mir wichtig, den Agierenden so viel Selbstvertrauen zu geben, dass sie sich nicht hinter ihren Nummern verstecken müssen.» Merker wird am Theater Luzern das Weihnachtsmärchen inszenieren (mit Matthias Schoch als Musikverantwortlichem) und im Januar am Theater Biel-Solothurn die schweizerische Erstaufführung von Benjamin Lauterbachs «Der Chinese».

Hochkarätige Luftakrobatik

Erstmals führt der Zirkus Chnopf dieses Jahr einen Kran mit. Dieser ermöglicht waghalsige und brillante Luftakrobatik-Darbietungen. Sechs ausgebildete Schauspieler oder Artisten präsentieren sich in den unterschiedlichsten Disziplinen. Gemäss dem öfters auf der Bühne ausgesprochenen Motto: Das können doch alle!

Luzia Bonilla, Michael Kohl und Davide Romeo sind Schauspieler und Artisten. Jeannine Ebnöther Trott hat ein packendes Solo als Jongleurin. Von der Musikhochschule Luzern Bereich Jazz kommt Hannes Junker, der nur wenig hinter dem Schlagzeug sitzt, sondern sich artistisch auf der Bühne bewegt. Michael Schoch ist ebenfalls Musiker und ist auch für den Schulunterricht der jüngsten Ensemblemitglieder besorgt. Erst 14 Jahre zählt Julia Daschinger, die in Luft- und Partnerakrobatik glänzt. Sie ist froh, dass nichts erzwungen wird und wird nach der Tournee die Rudolf-Steiner-Schule beenden. Natürlich legt die Junioren-SchweizerMeisterin im Stepptanz, Aileen Mazenauer, ein entsprechendes Solo auf die Bretter.

Alda Otter fliegt unter anderem mit dem Luftrahmen durch die Lüfte. Sie hat die Aufnahme in die Zirkusschule Berlin bestanden. Ein Zwischenjahr von der Matura zum Studium nutzt Magdalena Kälin für diese Tournee. Sie ist an Musik, Theater und Kunstturnen interessiert.

Noch einen Bezug zum Stadttheater kennt Matthias Schoch: «Übrigens habe ich den Regie-Hospitanten von ‹Amadeus›, Jonas Junker, gleich mitgenommen. Und er hat auch bei uns tolle Arbeit geleistet.»

Weitere Vorstellungen : Heute 19.30 Uhr, Samstag, 2. Juli, 16.30 und 19.30 Uhr, Sonntag, 3. Juli 16.30 Uhr; Heute Freitag 21 Uhr Konzert mit der Berner Band Anorakk.