«Es gibt keinen besseren Ort für das, was wir heute diskutieren möchten», befand Michael Hug einleitend zum Tourismusforum 2017: Hier im Stadttheater, so der 2016 neu gewählte Präsident von Region Solothurn Tourismus, solle die Frage im Zentrum stehen, was die Kultur und der Tourismus gemeinsam auf die Beine stellen können. So standen die stärkere Vernetzung der regionalen Kulturinstitutionen und die bessere Vermarktung der «Kulturstadt» im Zentrum der Diskussion.

Um eine Antwort auf die Frage des Abends bemühte sich Marketingberater und Kommunikationsprofi Michele Jannuzzi vom Designstudio Jannuzzi Smith. Einer der bekannteren Titel in seinem Portfolio ist jener des Filmfestivals von Locarno. Und so erörterte Jannuzzi vor rund 150 geladenen Gästen an mehreren Beispielen, wie sich eine Marke für einen Ort schaffen lässt: Das Erscheinungsbild dürfe nicht elitär oder einschüchternd wirken: «Wenn wir mit dem breiten Publikum in Kontakt treten wollen, müssen wir eine verständliche Sprache sprechen.»

Ebenso zum strategischen Rüstzeug gehören Partnerschaften mehrerer Brands, die sich unter einer Dachmarke zusammenschliessen – wie «Ascona Locarno», das mehrere Tessiner Destinationen unter einem Namen vereint. Um Solothurn als Marke bekannt zu machen, sei es wichtig, Menschen zu befragen und ein tiefes Verständnis des Orts zu gewinnen. Darüber hinaus könne auch eine Google-Stichwortsuche über Sehenswürdigkeiten oder Anlässe Aufschluss über deren Bekanntheit geben und aufzeigen, wo es bei der Vermarktung Nachholbedarf gibt.

Die Münchner im Nebel

Über die kulturelle Identität der Stadt diskutierten daraufhin im Podium Jürgen Hofer, weiter Stadtpräsident Kurt Fluri sowie Reina Gehrig, Geschäftsführerin der Literaturtage, und Eva Gauch, Betriebsleiterin des Alten Spitals. Befragt von Hug brütete die Runde über der Frage, was man einer Münchner Familie im nebelverhangenen Solothurn bieten könne. «Es sind vor allem Innenräume, die dann zählen», so Gehrig.

«Auch ein Einkaufsbummel wäre möglich», ergänzte Gauch, während Fluri den Weissenstein-Blick aufs Nebelmeer in Aussicht stellte. Hofer stellte als Tourismusdirektor gleich ein Programm für die fiktive Münchner Familie zusammen.

Weiter entbrannte im Podium die Frage, welche Kultur denn im Sinne einer Vermarktung überhaupt gemeint sei. Während Hofer die Einbindung aller Akteure als wichtig unterstrich, zog Gehrig die kontroverse Trennlinie zwischen einem engeren und weiteren Kulturbegriff, und somit einen «zwischen Bikedays und Literaturtagen.»

Versöhnliche Worte steuerte dazu Gauch bei: Es sei wichtig, alle Facetten der Kultur einzubinden, «denn schliesslich ist auch das Publikum, das nach Solothurn kommt, vielseitig interessiert.»

Neuer Hotellerie-Rekord

Rückblickend und ausblickend referierte Jürgen Hofer über die touristische Entwicklung. So würdigte er das politische Engagement um den Weissensteintunnel, wies auf die Fortschritte auf dem Weissenstein hin und freute sich über gestiegene Übernachtungszahlen. «Nach einem Zwischentief 2015 haben wir das Rekordjahr 2014 übertroffen», dies mit 128 019 Logiernächten in der Hotellerie und Parahotellerie 2016.

Ausblickend legte Hofer das Gewicht unter anderem auf die baldige Eröffnung von «La Couronne» sowie die Bauentwicklung beim Kurhaus.

Mit seinem Grusswort schloss Kurt Fluri an die Würdigung des Vorredners an und wies darauf hin, dass der Bedarf weiterer Hotelbetten gegeben sei, «ohne dass wir eine tiefere Ausnützungsziffer riskieren müssen.» Bei entsprechendem Interesse von Investoren sei es dann Aufgabe der Stadt, die baurechtlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.

Neben Lob folgte aber auch eine kritische Notiz an die Adresse des Seminarbetriebs Ramada: Dieser solle endlich «auf die Sprünge kommen und Leistungen erbringen», beispielsweise beim dazugehörigen «Besenval», das über mehrere Monate geschlossen habe. Weiter ergänzte Fluri markig, dass man «zuverlässig und gut – und nicht nur zufällig gut» bedient werden wolle.