Solothurn

Am Sommernachtsfest herrschte schöne Stimmung - trotz frischer Aareluft

Von einer Sommernacht konnte am Samstagabend nur geträumt werden. Zwar hat der Regen pünktlich zur Eröffnung der Festwirtschaft am Landhausquai um 18 Uhr aufgehört. Grau und kühl blieb es aber trotzdem.

«Das Wetter war noch nie so schlecht an einem Sommernachtsfest», stellt Michael Willhelm vom Restaurant Kreuz fest. Auch die übrigen organisierenden Gastrobetriebe am Landhausquai sind mit Petrus nicht zufrieden: «Das Wetter hat uns ganz schön einen Strich durch die Rechnung gemacht», so Sarah Fuss, Geschäftsführerin des Salzhauses. Anders als geplant musste man sich auf den Festbetrieb drinnen beschränken.

Am frühen Abend war die Promenade zwischen «Kreuz» und Wengibrücke noch wie ausgestorben. So fanden sich auch lediglich zehn Hörer in der «Kreuz»-Bar ein: Hierhin und weg vom «Sommerbeizli» direkt an der Aare wurde aufgrund des trüben Wetters der «Wortfluss» verlegt. Worte flossen dennoch reichlich: In einer Lesung gab Felix Epper, Schriftsteller und Sekretär sowie Kellner im «Kreuz», Einblick in sein literarisches Werk. «Manche sagen, meine Prosa habe einen guten Fluss, sei experimentell und spiele mit den Ebenen», so Epper. Jeder Leser oder Hörer müsse dies jedoch selber beurteilen. Beim Schreiben gehe er oft von Details aus der Realität aus, so Epper. «Irgendwoher muss ich die Inspiration schliesslich nehmen.» Der Text «Ein böser Traum» zum Beispiel basiere auf einem Traum, von welchem ihm seine Mutter einmal erzählt habe.

Dem Besucher Reto Ramel hat die Lesung gefallen. «Insbesondere der kleine Rahmen, in welchem sie stattfand.» Es könne jedoch gut sein, dass Eppers nächste Lesungen nicht mehr so familiär ausfallen wird. «In Berlin war ich einmal an einem Konzert von Rosenstolz, an welchem nur 10 Leute waren. Wenige Jahre später kam ihre Musik gross raus und sämtliche Konzerte waren ausgebucht», so Ramel.

Musik lockt Leute auf die Strasse

Mit der Dämmerung kamen doch einige Sommerfans aus ihren Häusern. So etwa Kara Stephan aus Flensburg, die einen Freund in Solothurn besucht: «Wir haben Musik vernommen in der Wohnung – das hat uns auf die Strasse gelockt.» Die Musik kam von einem Banjo, einer Trompete, einer Posaune und einem Waschbrett der New-Orleans-Jazz-Band Les Solörs. Anders als es der Name vermuten lässt, stammen die Musiker Jonas Knaus, Alexander Gsponer, Chris Eschmann und Philippe Balmer nicht aus Solothurn. «Hier haben wir uns kennen gelernt», erklärt Banjo-Spieler Eschmann, wie der Name zustande kam. Im Sinne eines Wanderkonzerts zogen Les Solörs von einem der veranstaltenden Lokale zum nächsten. «Mir gefällt die Musik, vor allem die schönen alten Instrumente», so Jasmine Meier aus Luterbach. Sie sei per Zufall am Sommernachtsfest. Auf einem Rundgang wollte sie ihrem Besuch Solothurn zeigen. Arvo Stumm aus Nennigkofen spielt selber eher melancholische Musik, der New-Orleans-Jazz gefällt ihm dennoch: «Die Musik ist frisch und lebendig – sie lädt zum Tanzen ein.» Genau das taten auch einige Sommernachts-Träumer am Landhausquai. Der Tenor: «Die Stimmung ist schön hier – trotz der frischer Aareluft.»

Sommernachtsfest im Umbau

Dieses Jahr fiel das Sommernachtsfest kleiner aus: Es gab keine Bühne und keine Essstände auf der Strasse. Zudem gab es keine gemeinsame Organisation. «Jeder Betrieb war selber für sein Programm zuständig», so Willhelm. Nach der diesjährigen Lightversion wolle man im nächsten Jahr mit neuem Elan starten. Auf ein Sommernachtsfest in neuem Glanz – und hoffentlich auf sommerlicheres Wetter – kann man sich also im nächsten Juli freuen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1