Eigentlich gehts nur ums gute Wetter, um Sonnenstrahlen, kürzere Kleider und um Glace schleckende Mäuler an der Aare. Doch ganz ungewollt rutscht die Wortwahl der Solothurner Beizer ins Dramatische ab. Da geht es um «Sintfluten», um «extreme Auswirkungen» und um «explosionsartige Anstürme».

Im Rahmen des letzten Jahres

Von einer«kleinen Sintflut» spricht Alan Voser, Geschäftsführer des «Solheure». Gemeint ist der konzentrierte Andrang der Gäste, der sich bisher auf die ganz wenigen sonnigen Tage beschränkt. «Letztes Jahr konnten die Leute schon im Februar raus, der Ansturm hat sich verteilt.» Dieses Jahr spüre man das lange Warten. Auf die Folter gespannt hat die Sonnenhungrigen vor allem das Märzwetter. «Letzten März gab es einen Schlechtwettertag, dieses Jahr war es gerade umgekehrt», sagt Voser. «Für uns ist das natürlich eine Umsatzfrage.» Immerhin: Bis jetzt entwickle sich der April in etwa im Rahmen des letzten Jahres, sagt Voser. Ähnlich tönt es bei anderen Wirten.

«Die Leute sind parat»

Offenbar hat sich die Sehnsucht nach dem Frühling in den Solothurner Seelen zu lange angestaut. «Die Leute wollen jetzt einfach raus», sagt Claudio Luccarelli von der «Aarebar». «Wir merken, die Leute sind parat. Kommt die Sonne, kommen auch sie.» Ob es Wochenende sei oder nicht, spiele da gar keine Rolle mehr. Letzte Woche habe er an einem Abend praktisch einen Wochenendumsatz gemacht, sagt Luccarelli – so sehnsüchtig erwarten die Solothurner die Sonne.

Das bestätigte sich gestern: «Extreme Auswirkungen» – mehr war bei der Gelateria Russissimo zum Thema nicht zu erfahren. Die Zeit war knapp, schliesslich lockten die Sonnenstrahlen die Solothurner nach draussen – und in die Gelateria.

Katz-und-Maus-Spiel

«Schönwetterbetriebe» nennt Isabel Thomet von der Café-Bar Landhaus die Betriebe entlang des Aaremürlis. Wetterwechsel würden sich im Frühling immer stark auswirken, da gehe es entlang des Aaremürlis allen gleich. Es seien «explosionsartige Besucheranstürme», die die Sonne manchmal unerwartet bringt.

Der Blick auf die Wetter-App ist für Claudio Luccarelli wichtig. Dieser entscheidet, ob Stühle draussen aufgestellt werden und ob die Einkäufe grösser oder kleiner ausfallen. Die Kühlschränke seien nun voll frischer Ware, sagt Luccarelli. Und bemerkt, dass die App in letzter Zeit nicht mehr so häufig benutzt wurde. Es regnete zu oft. Und auch jetzt verheisst der Blick nicht viel Gutes. Ab Freitag muss der Einkauf wohl wieder auf den Innenverkauf zurückgefahren werden. Der Frühling spielt sein Katz-und-Maus-Spiel weiter. Eigentlich eine Katastrophe.