Dies, weil sie sich dem Urteil des Amtsgerichts Olten-Gösgen vom letzten Jahr nicht abfinden wollte – dieses hatte sie zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen à 50 Franken (1000 Franken) wegen Drohung verurteilt. Um die Strafe ging es der Angeklagten indes nicht – diese war ohnehin nur bedingt ausgesprochen worden. Vielmehr wollte sie ihre Unschuld klargestellt haben: «Es gab Auseinandersetzungen, aber gedroht habe ich nie.»

In Angst und Schrecken versetzt …

Gegenstand des Verfahrens waren zwei Telefonate. Im Oktober 2009 rief die Beschuldigte ihre ehemalige Freundin an und drohte angeblich damit, deren Auto in die Luft zu jagen und den Ehemann umzubringen. Schliesslich soll die Serbin auch noch eine Morddrohung gegen die Freundin selber ausgesprochen haben. Diese fühlte sich in Angst und Schrecken versetzt und schaltete darauf die Polizei ein, um Anzeige zu erstatten.

Was genau hinter dem Streit steckt, blieb an der gestrigen Verhandlung vor Obergericht undurchsichtig; den ausschweifenden Ausführungen der Angeklagten schob Oberrichter Daniel Kiefer bald einmal einen Riegel vor. Klar ist einzig, dass alles sich bereits über Jahre hinwegzieht und auch noch weitere Personen involviert sind – insgesamt herrsche ein «Riesentheater» zwischen den beiden Familien, fasste die Angeklagte zusammen. Am Anfang soll eine Streitigkeit um Lohnforderungen des Ehemannes der Angeklagten gestanden haben, der beim gleichen Arbeitgeber wie der Gatte der Kontrahentin beschäftigt war. Auch eine Rolle spielten die Eltern der 31-Jährigen und ihre Schwester, die offenbar ebenfalls mit der Angeklagten und ihrem Gatten verkracht sind. In Zusammenhang mit diesem Streit ist übrigens ein weiteres Verfahren vor Obergericht hängig: In Folge einer Auseinandersetzung ging der Vater der 31-Jährigen mit einer Schaufel auf deren Gatten los.

… oder alles halb so wild?

Vor Obergericht betonte die 31-jährige Mutter einer Tochter gestern wieder und wieder ihre Unschuld - am Schluss unter Tränen. «Wegen dieses ganzen Streits rannten alle ständig zur Polizei.» Die Möglichkeit, Anzeige zu erstatten, sei dabei übermässig strapaziert worden – auch sie selber habe davon Gebrauch gemacht, die Dorfpolizei habe ein Einschreiten aber nicht als nötig erachtet.

Der Gang bis vor die letzte kantonale Instanz zahlte sich schliesslich aus: Das Obergericht sah die Vorwürfe als nicht erwiesen an und sprach die gelernte Chemielaborantin frei. Zeugen gab es nämlich keine, und das vermeintliche Opfer hatte sich noch in der erstinstanzlichen Verhandlung plötzlich nicht mehr recht an den Inhalt der Anrufe erinnern können.

Damit dürfte der Streit nun ein offizielles Ende gefunden haben – es sei denn, der Freispruch birgt neuen Zündstoff.