«Im transversalen Raum», wo mehrere Kulturen, mehrere Welten, mehrere Einflüsse harmonisch oder im Widerstreit aufeinandertreffen, da findet Hugo Koha Lindsays Kunst statt. Davon zeugt nicht zuletzt sein eigener Name, wie der 29-jährige Künstler aus Neuseeland verrät.

Der Mittelteil «Koha» deutet auf seine Maori-Ahnen hin, «doch dann sind da noch schottische, französische, holländische und skandinavische Wurzeln», wie er ergänzt.

Pinselstrich und Touchscreen

In diesem hybriden Raum, in dieser Schnittmenge befindet sich auch die globalisierte und vor allem digitalisierte Welt, in der wir leben. Und so, findet Lindsay, ist der Pinselstrich des Künstlers auch nicht mehr das, was er einmal war: Dass sich der Mensch neben den natürlichen, genuinen Bewegungen dank der digitalen Kulturtechnik des Touchscreens gänzlich neue Gesten angeeignet hat, liegt für ihn auf der Hand.

Dies führt den Maler letzten Endes weg vom handfesten, kalligrafischen Pinselstrich hin zum Berühren, Wischen, Scrollen, Ziehen und Kippen. Genau das bringt Hugo Koha Lindsay in seinen flächigen Werken zum Ausdruck, in diesem Zwischenraum, auf dem sich das Haptische und das Nicht-Haptische treffen.

Ebenso nimmt er in seinen Bildern die Vogelperspektive ein, jene von Google Earth, von Satellitenbildern und digitalen Landkarten, einen Blickwinkel also, der dem Menschen, ähnlich wie Touchscreen-Gesten eben erst vertraut geworden ist.
Und obwohl Lindsay stilistisch durch diesen digitalen Zwischenraum manövriert und selbst auch das fotografische Netzwerk Instagram für seine Zwecke erkannt hat, arbeitet er mit einem vollständig physischen Instrumentarium.

Eine weisse Malgrundierung – auf der rauhen Leinwand aufgetragen – wird für den Betrachter zum dekorativen Zentrum der Aufmerksamkeit. «Dabei löscht die weisse Farbe eigentlich das Bestehende aus und isoliert.»

Orte des Erinnerns

Für Hugo Koha Lindsay ist das Arbeiten und Wirken in Atelierumgebung zentral. «Im Studio finde ich Zerstreuung, die ein Mittel der inspirativen Produktivität ist.» In Solothurn könnte er in den kommenden drei Monaten aber durchaus auf andere Ideen kommen.

Dass er die Inspiration hier in der Ferne auch gerne in der Aussenwelt suchen wird, weiss er schon jetzt. So will er die Fundorte bemalter oder besprayter Mauern, sowie hundertfach überklebte Plakatwände als Quelle für sein hiesiges Schaffen nehmen.

«Wo sich Schichten über Schichten legen wie Haut, entstehen Orte des Erinnerns, der Geschichte.»

Neben den inspirativen Momenten freut sich Hugo Koha Lindsay aber auch auf die genusshaften Momente in Solothurn – und über die Stadtgrenzen hinaus. Am 22. Juli ist er in Berlin angekommen, hat sich Prag, Wien und Salzburg angesehen.

Später soll dann auch Italien an der Reihe sein. Man darf gespannt sein, wie diese «Räume» während seines Aufenthalts in Form von Bildern Gestalt annehmen.