Im Naturmuseum Solothurn ist Andreas Schäfer konsterniert: 14 Tierpräparate wurden am Obsttag vom vergangenen Donnerstag am Rossmarktplatz entwendet. «Maulwurf, Waldmaus, Hermelin, Buchfink, Kohlmeise, Gartenrotschwanz, Blaumeise, Gimpel, Stieglitz, Feldsperling, Siebenschläfer, Grünspecht, Steinkauz und Steinmarder», liest der stv. Museumsdirektor und Verantwortliche für die Ausstellungen auf der Ausleihliste vor. «Der reine Präparationswert der Exponate liegt bei 6700 Franken. Aber der wissenschaftliche Wert ist viel höher zu veranschlagen», erklärt Schäfer niedergeschlagen.

Und nicht alle verschwundenen Tiere seien problemlos zu ersetzen. «Einen Siebenschläfer beispielsweise oder auch den Steinkauz bekommen wir nicht so rasch und einfach wieder.»

Und schon waren sie weg

Betroffenheit herrscht auch im Organisationskomitee des Obsttages. Hans Neeracher war zuständig für die Apfelausstellung und hatte beim Naturmuseum für die Tierpräparate angeklopft. Seit 2012 gibt es den Obsttag, «und seit 2014 setzen wir die Exponate ein, um die Nützlichkeit von Hochstamm-Obstbäumen für die Tierwelt zu demonstrieren.» Am Dienstag vor dem beliebten Anlass hatte Neeracher die Präparate im Depot des Naturmuseums ganz oben im alten Werkhofschulhaus abgeholt, «doch die zwei Bananenkisten mit den Tieren hatten in meinem Auto nicht Platz.»

Deshalb habe den Transport ein ebenfalls im OK engagierter Landwirt übernommen. «Er stellte die Kisten beim Rossmarktplatz auf ein Mäuerchen etwas versteckt hinter einige Büsche, um sein Auto zu parkieren.»

Zurückgekehrt stellte der Landwirt mit Schrecken das Verschwinden der Kisten fest. «Zuerst dachten wir, jemand im dahinter liegenden Haus habe sie reingenommen.» Was sich aber nicht bewahrheitete. Und so blieb Hans Neeracher nur der Gang zur Polizei und zu seiner Versicherung, um den Verlust zu melden. Der engagierte Helfer aus Kyburg-Buchegg ist zutiefst betroffen und enttäuscht über den neuerlichen Diebstahl bei einem Anlass, den er unterstützt: 2014 waren bekanntlich am Chästag in der Vorstadt viele Tausend Franken Tageseinnahmen gestohlen worden, was den beliebten Anlass fast die Weiterexistenz gekostet hätte.

Diskretion zugesichert

«Wir leihen die Objekte gerne aus, wenn damit ein pädagogischer Wert verbunden ist.» So ist es für Andreas Schäfer wichtig gewesen, die Nützlichkeit von Hochbaustämmen für Tiere wie die erwähnten Vögel oder Kleinsäuger am Obsttag zu demonstrieren. «Dafür nehmen wir ab und zu auch Schäden an den Präparaten in Kauf», räumt der Museumsmann ein. Auch sehe er im Moment keinen Verzicht auf die Ausleihe von Präparaten aufgrund des jetzigen Diebstahls.

Immerhin beinhaltet das Depot des Naturmuseums hoch über der Stadtpolizei die stattliche Zahl von über 3000 Präparaten, die teilweise ein ehrfurchtgebietendes Alter haben. So gilt das Solothurner Okapi als eines der ersten der in Afrika erst um 1900 entdeckten Spezies.

Und so ist Andreas Schäfer sehr viel daran gelegen, dass er die 14 verschwundenen Exponate wieder zurückerhält. Er sichert bei einer Rückgabe im Naturmuseum Diskretion und auch den Verzicht auf strafrechtlich relevante Ermittlungen zu. Hauptsache, Siebenschläfer und Co. sind wieder unversehrt im Depot verstaut.

Kontakt: naturmuseum@solothurn.ch