Solothurner Kleinkunsttag
Am Kleinkunsttag wird aus Zusammengesetztem ein Ganzes

Carte Blanche für Künstlerinnen und Künstler am 7. Solothurner Kleinkunsttag, die am Freitag im «Kofmehl» für je etwa 10 Minuten ihr Können zeigten, sangen, sprachen, mimten, tanzten.

Angelica Schorre
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Alle Künstler zusammen auf der Kofmehl-Bühne
6 Bilder
«Eggima-Rundifrou» aus Bern mit Willy Schnyder, Agnes Hunger, Thomas Leu
Samuel Blatter (Klavier), Kilian Ziegler (Slam Poet)
7. Solothurner Kleinkunsttag in der Kulturfabrik Kofmehl
Blick in den Zuschauerraum
«Eggima-Rundifrou» aus Bern mit Willy Schnyder, Agnes Hunger, Thomas Leu

Alle Künstler zusammen auf der Kofmehl-Bühne

Hanspeter Bärtschi

«Nachwachsendes» und «Zusammengesetztes» - so setzte das Duo Strohmann-Kauz, das durch das Programm führte, den Arbeitstitel dieses Abends: Die Zuschauerinnen und Zuschauer konnten am Ende des Programms auf einen bunt gemusterten Teppich zurückblicken, der sich aus grellen und sanften Farben, aus feinen und gröberen Texturen - eben - zusammensetzte.

Täuschend fein und sanft etwa die überzeugende Lisa Catena (Musikkabarett), die sich als Politikerin im Flower-Power-Outfit positionieren lässt und die politischen Zusammenhänge erklärt: «Das kann man nicht verallgemeinern, das kommt auf den Einzelfall an.» Sie scheitert allerdings am «Tierli», das sie sich auf ihrem Wahlplakat wünscht: einen Geissbock ... Aber ihre gemachten Erfahrungen teilt sie treuherzig mit dem Publikum: «Keine Angst vor den Politikern; die machen nichts.» Dass Lauch etwas mit «Durchlaucht» zu tun haben kann, zeigte Tabea Wullimann (Bewegungstheater): Poetisch und witzig mimt sie eine lebendig gewordene Vogelscheuche, die mit ihren Lauchpflanzen dem bösen Kürbis den Krieg erklärt, diesen in der Giesskanne zermatscht und dann stolz den Lauchpflanzen die militärische Parade abnimmt.

Überraschende Wortspiele

Ein Höhepunkt des Abends war sicher der Poetry Slammer Kilian Ziegler mit Samuel Blatter am Klavier. Hintergründig, temporeich und immer wieder mit Wortspielen überraschend widmete er sich dem «Phantom of the Apéro», das überall sein Unwesen treibt. Er kommt zum Schluss: «Ein Apéro ist wie ein Kind, das draussen übernachtet. Es liegt nicht drin.» Bei seiner Kritik am multimedialen Vernetzungsautismus lässt er «Jack, the Repair» auffahren, bemängelt, dass sich die Menschen nicht mehr berühren, da sie keine Touchscreens sind, liest DSL rückwärts als LSD und folgert: «Wenn ich ein Multifunktionsgerät brauche, gehe ich zu meiner Mutter.»

Weitere farbige «Teile», die aus dem «Zusammengesetzten» ein Ganzes machten, waren der wohltuend irritierende Oleg Kaufmann (Tanztheater), der auf «2021, das Zeitalter der Inspiration» wartet, oder der bühnenpräsente Aaron Hitz (Musikkabarett), der verzweifelt versucht, ein Solothurnerlied zu komponieren und an Kalauern wie «An der Hafebar trinke ich Pinot noir» genussvoll scheitert.

Schwierig, grosse Artisten sein zu wollen

Gesanglich hervorragend, garniert mit witzigen Inszenierungselementen, der Konzertausschnitt von «Eggimaa-Rundifrou» (Konzert/Theater), die überzeugend zeigten «So lang wie breit ihm Langnau sein kann». Valsecchi & Nater sangen und spielten «Parapoetisches»: Da hat die Taube auf dem Dach den Spatz in der Hand, wird das schwarze Herz durch Beichte weiss gewaschen - und überhaupt kann der Himmel warten. Schliesslich zeigten Les frères Dschagaijev (Clown & Artistik), wie schwierig es ist, grosse Artisten sein zu wollen.

Das verbindende Grundmuster dieses «zusammengesetzten Abends» im «Kofmehl» bildeten Strohmann-Kauz, die als «heimlifeisser» Alter, als notorischer Miesepeter oder solider Beamter professionell den Abend moderierten, aber sich zur Freude des Publikums auch Zeit für eigene Beiträge nahmen. Neben Jahresrückblick, Weltfrieden und Geldanlagen war ihnen auch Kultur ein Thema. In diesem Zusammenhang: «Es ist nicht immer das Beste, das allen gefällt.» Ein Satz, der zu «Nachwachsendes» und «Zusammengesetztes» passt.