Solothurn

Am Dürrbach muss Sterbehilfe für kranke Eschen geleistet werden

Ende Januar werden am Dürrbach in Solothurn rund 25 Eschen gefällt. Sie sind von einem Pilz befallen, der die Baumtriebe sterben lässt.

Todgeweiht sind die rund 25 Eschen am Dürrbach nicht erst, seitdem sie einen pinkfarbenen Punkt tragen. Die Stämme, die Kreisförster Jürg Misteli vergangenen Herbst zur Fällung anzeichnete, sind krank, schwer krank sogar. Sie bilden den kleinen Ausschnitt eines flächendeckenden traurigen Phänomens: Seit 2008 auch hierzulande aktenkundig ist nämlich das Eschentriebsterben.

Der dafür verantwortliche Schlauchpilz Hymenoscyphus pseudoalbidus gelangte vermutlich über Japan und später Polen nach Mitteleuropa, wurde erstmalig im Schwarzbubenland gesichtet – und seit kurzem auch im Tessin. Der Pilz dringt im Sommer über die Blätter in den Baum ein, breitet sich in die Zweige aus und befällt letzten Endes den ganzen Stamm. Absterbende verfärbte Rindenpartien und dürre Äste, sowie verlichtete Baumkronen zeugen von einer fortschreitenden Erkrankung, und – was ein Augenschein am Dürrbach zeigt – ebenso Angsttriebe; Äste also, die in untypischer Weise von ihrem Stamm abzweigen.

Achtung, Holz von oben

Die für Ende Januar geplante Fällung ist laut Misteli aus Sicherheitsgründen nötig. Dabei liegt die Unterhaltspflicht in der Verantwortung der Einwohnergemeinde (resp. des Werkhofs), und damit auch, ob sie die Fällung durchführen will. Dies wird sie auch tun, denn der Bedarf ist angezeigt: Fallendes Geäst könnte auf angrenzenden Wegen für Passanten zum Risiko werden, erklärt Misteli vor Ort. Ausserdem habe ein Sturm im Dezember die Lage verschärft. Weiter wird liegengebliebenes Totholz weggeräumt, weil es rasch vermodert und sich daher als Biotop für Kleinlebewesen kaum eignet.

Das Überschwemmungsrisiko durch steckengebliebenes Schwemmholz wird zwar im Falle des Dürrbachs als gering eingestuft. Immerhin: Laut Gabriel Zenklusen, Leiter der Abteilung Wasserbau beim kantonalen Umweltamt, besteht für den Dürrbach südlich der Weissensteinstrasse bis zur Öufi-Brauerei ein erhöhtes Risiko für ein Jahrhundertereignis. Hochwasser spiele als Szenario bei solchen Unterhaltsarbeiten aber überall eine gewichtige Rolle, wie Zenklusen erklärt.

Eine bedeutsame Baumart

Die Markierung der Bäume hatte im Vorfeld Befürchtungen bei der Anwohnerschaft geweckt. Doch Misteli beruhigt: «Es ist kein Kahlschlag.» Selbst wenn der Pilz sämtliche Eschen befallen haben dürfte, gibt es doch noch vitale Exemplare, die man auch hier am Dürrbach erhalten will. Nicht zuletzt hofft man überall, auf resistente Bäume zu stossen, um diese für eine neue Zuchtsorte zu verwenden. Tatsächlich ist die Eschenform im Ursprungsland Japan resistent gegen den Pilz. «Doch aktuell kann man nichts dagegen tun», lautet das resignierte Fazit des Fachmanns vor Ort. Auch mit allfälligen Fungiziden ist dem Schädling zurzeit nicht beizukommen. «Der Ausfall dieser Baumart wäre eine Katastrophe», so Misteli, der die Esche zu den wichtigsten Bäumen der Schweiz zählt: «Zudem gehört sie zusammen mit der Erle zu den wenigen Arten, die auf nassen Böden wachsen.»

Die Fällaktion erstreckt sich vom Fussgängerbrücklein beim Fuchsweg nordwärts bis zum Brücklein kurz vor der Gemeindegrenze zu Rüttenen und Langendorf. Die Rodung erweist sich als technische Herausforderung, wie Stadtgärtner Martin Geissbühler weiss. Denn es gibt im unwegsamen, bewachsenen Bachsaum kaum eine geeignete Richtung, wohin der Baumstamm fallen könnte. «So wird ein Fällmobil zum Einsatz kommen.» Dabei wird der betroffene Stamm mit einer Klemme an einem Kran stabilisiert, sodass er nicht umfällt, sobald er durchgetrennt ist und gut abtransportiert werden kann.

Für Verwirrung sorgen könnten übrigens die beim Dürrbach aufgestellten «Naturreservat»-Schilder. Mit der Richtplanrevision 2000 wurden diese Reservate nämlich hinfällig, allerdings wurde der Schutzbeschluss noch nicht aufgehoben, ebenso wenig die Beschilderung entfernt. Die bestätigt Jonas Lüthy, zuständig für die Naturreservate bei der kantonalen Raumplanung. Man sei sich dieser Pendenz bewusst. «Doch der Unterhalt bestehender Reservate hat Priorität vor der Entfernung der Tafeln.»

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