Reithalle Slolothurn
Am City Music Festival gab es zwei Partynächte des Kontrasts

Am Freitagabend trat der Berliner Rapper Sido am City Music Festival in der Rythalle auf. Vorband war Johnny Strange, der mit seinem Hit «Hamma!» bekannt wurde. Es waren jedoch wenig Leute gekommen. Anders am Samstag, als DJ Mike Candys auftrat.

Hanspeter Schläfli
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City Music Festival in der Solothurner Rythalle
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Seine Show wurde von vielen Smartphone-Cams eingefangen
Sido zündete sich auf der Bühne einen Joint an
Bei Mike Candys gabs Smileys auch im Publikum
Das Publikum smilte mit

City Music Festival in der Solothurner Rythalle

Hans Peter Schläfli

Als am Freitag Johnny Strange auftrat, der mit Culcha Candela schon ein paar bemerkenswerte Erfolge wie «Hamma!» feiern konnte, zeichnete sich der Flop des ersten Abends des City Music Festivals bereits ab. Johnny Strange konnte zwar eine Handvoll weiblicher Fans zum Begeisterungskreischen animieren und sein Partner Cross Beatbox ist wirklich ein Meister seines Fachs, aber es waren einfach zu wenige Leute gekommen, weshalb das Feuer nur auf halber Flamme brennen konnte.

Sido, wie er leibt und lebt

Derweil rotierten die Organisatoren im Backstagebereich. Hauptact Sido hatte einige Sonderwünsche. Alles wurde nach den Wünschen des Berliner Exzentrikers hergerichtet, während dieser mit satter Verspätung mit der Limousine aus Zürich anreiste. «Die Suite des Ramada war dem Manager nicht gut genug», schüttelte Claudio Schärer konsterniert den Kopf, «wenn ich gewusst hätte, was sich diese Leute herausnehmen, dann hätte ich mich nicht auf Sido eingelassen.»

Später dann auf der Bühne stehend, rauchte Sido einen Joint. So schnell ist der Höhepunkt der «Show» des deutschen Fäkalienrappers zusammengefasst. Nur knapp 400 Kids waren gekommen, um das Repertoire an Wörtern aus der untersten Schublade zu geniessen. Wenn er flucht und seine Schimpftiraden vom Stapel lässt, dann ist da eigentlich keine nennenswerte Aussage zu erkennen. Die hülsenhaften Provokationen sind abgewetzt. Seine Texte - wie zum Beispiel «Du bist ein Stück Sch...» - scheinen mittlerweile autobiografisch. Sidos leere Fäkaliensprache hallte durch die halbleeren Reithalle und erreichte kaum jemanden.

Gute Laune mit «Smile»

Breites Lächeln dafür am Samstag: Der Kontrast hätte nicht grösser sein können. Hauptact DJ Mike Candys trug eine Maske, aber diese bedeutet «love, peace and happiness» und ist einem gelben Smiley nachempfunden. Entsprechend aufgekratzt war denn auch die Stimmung und das wiederum sehr junge Publikum, das zum House und Elektro tanzte. Es entsprach eher der fröhlichen Jugend, wie sie sich Mama und Papa von ihren Kids erhoffen. Im Gegensatz zu den flächendeckenden Tatoos im Gangsterlook vom Freitag dominierten am Samstag die etwas dezenteren Symbole der Liebe, die die Mädchen auf den Schultern zeigten.

Gemischte Gefühle

«Solothurn ist ein hartes Pflaster», kommentierte Claudio Schärer von den Organisatoren des City Music Festivals den Flop mit Sido. «Alle denken immer, Partys zu organisieren sei eine leichte Art, viel Geld zu verdienen. Aber es steckt viel harte Arbeit dahinter, und dann muss man auch solche finanzielle Rückschläge verkraften können.» Dazu kommen «Flurschäden» auf den Toiletten, für deren Reparaturen auch die Organisatoren geradestehen müssen.

Die positiv verlaufene samstäglichen Partynacht stellte da ein gewisses Gegengewicht dar. Und dass vor der Rythalle ein paar fast bewusstlose Kids den zuvor am Bahnhof billig eingekauften Schnaps wieder im hohen Bogen herauskotzten, dafür kann man dem City Music Festival keinen Vorwurf machen.