Solothurn

Altes Spital führt Gastrobetrieb wieder selbst — aber mit neuem Konzept

Einzige uhrzeitliche Konstante im Gastrobetrieb des Alten Spitals der «Sommergarten», der über die warmen Monate geöffnet sein wird.

Einzige uhrzeitliche Konstante im Gastrobetrieb des Alten Spitals der «Sommergarten», der über die warmen Monate geöffnet sein wird.

Seit Januar hat die Institution den Gastrobereich wieder in eigener Hand – mit einigen Änderungen.

Hat es nun offen? Und wenn ja, wann? Ist es überhaupt noch ein Restaurant? Diese kritischen Fragen beschäftigten im März den Gemeinderat, als beim Traktandum zum Bericht des Geschäftsprüfungsausschusses die aktuelle Gastro-Situation im Alten Spital zur Sprache kam. Per Ende Jahr nämlich hatte im dortigen «Aaregarten» Pächter Roland Furrer nach 22 Jahren die Schürze niedergelegt.

Seit 1. Januar 2018 ist die Gastronomie somit wieder ganz in den Händen des Alten Spitals selbst. Und wiegt schwer, wie die Vorgeschichte aufzeigt.

«Das Mittagsgeschäft ist quasi tot», hatte Furrer nämlich vergangenen Sommer einen der vielen Gründe für die Geschäftsaufgabe genannt. Ausserdem habe die
A-la-Carte-Gastronomie je länger je mehr gekränkelt. Der eigentliche Geldsegen zeige sich stattdessen bei der Bankett-, Kongress- und Seminargastronomie.

«Bewährtes fortführen»

Genau diesen Ball nahmen die Nachfolger Furrers auf. So entwickelten Eva Gauch, Betriebsleiterin des Alten Spitals, und ihr Team ein neues Konzept. Einerseits sollte der Betrieb als integraler Bereich des Alten Spitals und damit nicht mehr als eigenständiger Gastrobetrieb funktionieren. Unter dem Motto «Alles aus einer Hand» wird beworben, dass für Kunden neu ein einziger Ansprechpartner von der Raummiete, über technische Belange bis zur Verpflegung bereitsteht.

Und: «Wir führen jene Bereiche fort, die sich bewährt haben», so Gauch. Denn auch von ihrer Seite war nach einer entsprechenden Marktanalyse klar: «Das A-la-Carte-Geschäft ist schwierig geworden, lockt wenig Gäste und erzielt wenig Umsatz», beschreibt sie angesichts eines offensichtlichen Verdrängungsmarktes.

Nur eine Quersubventionierung vom ergiebigen Seminar- und Bankettbereich hin zum A-la-Carte-Bereich könnte ein solches Manko lösen. Konkret fiel stattdessen der klassische Restaurantbetrieb mit fixen Öffnungszeiten weg.

Diese werden wöchentlich aktualisiert und auf der Homepage des Alten Spitals und als Aushang publiziert. Den Vorwurf von politischer Seite, das Restaurant habe nie offen, lässt Gauch damit nicht gelten.

Das Konzept sieht nämlich vor, die Gaststube für Bankette und für die Verpflegung während Seminaren zu nutzen. Vorgesehen sind Kapazitäten von 15 bis 20 Personen. Während dieser Zeiten soll das Gastroangebot aber auch für Laufkundschaft genutzt werden können. Unter dem Titel «Ticket und Tavolata» soll man sich auch während kultureller Veranstaltungen im Alten Spital, also beispielsweise bei den «Acoustic Nights» oder bei «Tuesday Jazz», verpflegen können – quasi «aus dem Topf», in familiärer Fan-Atmosphäre.

Zumindest über die Sommerzeit gibt es zudem eine uhrzeitliche Konstante: Vom 15. Mai bis 2. September wird der sogenannte «Sommergarten» jeweils von Dienstag bis Samstag ab 18 Uhr geöffnet haben und mit bekannten und ungewöhnlichen Grillspezialitäten locken.

Betriebswirtschaftliches Risiko

Bis auf die Stelle des Küchenchefs wurde Furrers Personal vom Betrieb des Alten Spitals übernommen. Geleitet wird der neu geschaffene Bereich «Seminare und Gastronomie» von Barbara Gnägi, die bislang im Alten Spital die Seminar- und Kongresskoordination verantwortete. Den Anforderungen der Anlassgastronomie will man mit Jahresarbeitszeit begegnen.

«Die ganze betriebliche Umstellung ist ein grosser Schritt und zieht ein betriebswirtschaftliches Risiko nach sich», sagt Gauch. Vor diesem Hintergrund hatte auch Stadtpräsident Kurt Fluri während der Konzipierung Zweifel deponiert. Entsprechend müssen für Gauch und ihr Team die betriebswirtschaftlichen Ziele im Vordergrund stehen.

Aber sie zeigt sich zuversichtlich: «Auf diese Weise hoffen wir, wie vorher eine gute Auslastung zu erreichen.» Dennoch: «Ein Betriebsjahr brauchts, um abzuwägen, ob wir einen Erfolgskurs fahren oder nicht und welche Anpassungen nötig sind. Bis dahin muss die Ungewissheit auszuhalten sein.»

Auch seitens Stadt will man das Ende der Sommersaison und die Jahresrechnung 2018 abwarten und dann die Auswirkungen der Konzeptänderung evaluieren, wie Stadtschreiber Hansjörg Boll bekannt gibt. «Erst dann können wir das ‹Wie weiter?› besprechen.»

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