Wer in Solothurn von der alten Stadtchronik spricht, denkt an Franz Haffner und seinen 1666 im Druck erschienenen «Solothurner Schauplatz», der in der nun 250-jährigen Stadtbibliothek mit seiner Geschichtsschreibung und seiner umfangreichen Büchersammlung einen wichtigen Platz einnimmt. Nur wenigen ist bekannt, dass bereits sein Grossonkel Anton Haffner eine Stadtchronik verfasst hat, die zum wertvollsten Bestand der Bibliothek gehört.

Anton Haffner lebte ungefähr von 1535 bis 1608. Er wurde in Solothurn geboren und stand als Soldat, Feldschreiber, Grossrichter und Hauptmann beinahe 40 Jahre lang in französischen Kriegsdiensten. Später arbeitete er als Gerichtsschreiber und Kanzlist in seiner Heimatstadt.

Die im Magazin der Zentralbibliothek im Original vorhandene Solothurner Chronik von Anton Haffner ist auf das Jahr 1587 datiert. Sie widmet sich im ersten Teil der Geschichte Solothurns seit Abrahams Zeiten und enthält etliche genealogische Darstellungen.

Haffners Geschichtsdarstellung ist völlig unkritisch und zum Teil auch naiv. So behauptet er zum Beispiel in Bezug auf Niklaus Wengis Heldentat, dass die Reformierten geplant hätten, die Katholiken nächtlich zu ermorden. In Wirklichkeit eskalierte der Zwist am helllichten Tag und von einem Mord war nie die Rede gewesen.

Im zweiten Teil schildert Anton Haffner die Feldzüge in Frankreich mit genauen Beschreibungen der Schlachten, wie er sie als Augenzeuge erlebt hat. Trotz des trockenen Stils ist vor allem dieser Teil von dokumentarischem Wert. Als strenger Katholik nimmt Haffner in seiner Chronik immer wieder Partei für die Katholiken und das französische Königreich.

Vom Grossonkel abgeschrieben

Ungeachtet der Ungereimtheiten ist Ian Holt, wissenschaftlicher Mitarbeiter und zuständig für die Sondersammlungen, überzeugt, dass es sich lohnen würde, die Chronik neu herauszugeben. Ein entsprechender Versuch von Wilhelm Tugginer im Jahre 1849 ist gescheitert. Holt: «Was Tugginer in seiner Edition festhält, ist gekürzt und berücksichtigt nicht die Originalhandschrift.» Frühere Kritiker bezeichneten die Arbeit gar als «liederlich» und «oberflächlich». Fest steht, dass der berühmte Chronist Franz Haffner reichlich aus dem Fundus seines Grossonkels geschöpft hat.