Jahrelang zierten das Schild «Zu verkaufen» plus eine Natel-Nummer die Fassade der maroden Fabrik. Jetzt ist es weg. Das Schild – und damit auch das Gebäude. Der vormalige Eigentümer Hansjörg Haudenschild aus Solothurn gibt sich wortkarg. Denn er hat das baufällige Gebäude nicht irgendjemandem verkauft. Es ging an die Türkisch-Islamische Stiftung für die Schweiz in Zürich. «Das Haus gehört mir nicht mehr. Ich weiss nicht, was die neuen Besitzer damit vorhaben. Und ich will es auch nicht wissen.»

Auf Wunsch der Käuferschaft habe er sämtlichen Mietern zuvor gekündigt. So auch einem Décolletage-Betrieb, der nun auszieht. Und dann macht sich Haudenschild noch Luft über den Ärger, den er mit Nachbarn gehabt habe. Weil sie ständig seinen Mietern die Polizei ins Haus geschickt hätten. Doch dazu später. 

Noch ein, zwei Wochen warten

Spurensuche in Zürich, bei der Türkisch-Islamischen Stiftung für die Schweiz. Offenbar ein Imperium. Die Durchwahl endet erst bei der Nummer 9, dem Sekretariat. Denn Bedarf an Klärung von religiösen Fragen oder Familienberatung haben wir nicht. Verbunden werden wir mit Zafer Terkesli. «Der Kauf ist sehr kurzfristig erfolgt. Wir haben noch nicht abgeklärt, wie es weitergeht. Dazu brauchen wir noch ein, zwei Wochen Zeit. Wir werden Sie informieren», bittet er höflich um Geduld.

Auch ein Infoblatt stellt Terkesli zu gegebener Zeit in Aussicht. In Solothurn jedoch sind die Informationen ergiebiger – und konkreter.

«Sie haben Platznot»

Mehr weiss schon Untermieter Yves Volken, der im Erdgeschoss seinen kleinen Décolletage-Betrieb führt. Vizestadtpräsidentin Barbara Streit-Kofmel habe sich von den neuen türkischen Besitzern schon über deren Pläne orientieren lassen, weiss Volken. Es gehe darum, die Moschee in Solothurn zu zügeln. Die bisherige Fatih Moschee steht allerdings knapp auf Zuchwiler Boden und begrüsst nach eigenen Angaben jeweils über 200 Gläubige zum Freitagsgebet im ehemaligen Wohnhaus, das 1980 nach dem Vorbild in Istanbul zur Fatih Moschee im Kleinformat umfunktioniert worden war.

Tatsächlich steht Barbara Streit seit einiger Zeit mit dem Kulturverein Anadolu-Helvetia in Kontakt. Dieser betreibe nicht nur die Moschee, sondern sei auch Mitbegründer der Türkisch-Islamischen Stiftung in Zürich. Ja, sie habe sich die Pläne der Vereinsmitglieder im Lokal an der Grenchenstrasse angesehen, bestätigt Barbara Streit, «sie haben nach eigenen Angaben Platznot und wollen jetzt in der ehemaligen Fabrik eine neue Kulturstätte einrichten.»

Das Wort «Moschee» verwendet sie bewusst nicht, «denn ich weiss nicht, was sie mit dem bisher genutzten Haus am Holunderweg vorhaben». Die Fabrik an der Grenchenstrasse habe sie ausserdem interessiert, weil schon ihr Schwiegervater darin gearbeitet habe, weiss die Solothurner CVP-Politikerin weiter zu erzählen. In Kontakt mit dem Kulturverein Anadolu-Helvetia ist sie im Herbst 2013 als Stellvertreterin von Stadtpräsident Kurt Fluri gekommen: Sie nahm damals an dessen Stelle den Besuch am «Tanz der Derwische» im Konzertsaal wahr.

Seither kennt man sich, und Barbara Streit weiss über die türkische Gruppierung in Solothurn nur Positives zu erzählen: «Sie sind sehr gut integriert und haben hier die Schulen besucht. Sie führen ein offenes Haus und nehmen auch soziale Aufgaben wahr. So sind bei ihnen beispielsweise auch Asylsuchende willkommen.» Wie es an der Grenchenstrasse nun weitergehe, werde man sehen, wenn eine Baueingabe erfolge. «Aber es wäre ja nicht schlecht, wenn das Haus endlich saniert würde», meint die Vizestadtpräsidentin.

Neuer Standort in Bellach

Das kann der bisherige Mieter Yves Volken nur bestätigen. «Es regnet überall rein», bestätigt er den auch äusserlich verwahrlosten Eindruck der Liegenschaft mit Löchern in den Dachrinnen und Wänden sowie zerschlissenen Rollladen. Volken hat mit seinen fünf Mitarbeitern wie erwähnt die Kündigung des Mietvertrages erhalten. «Bis Ende Juni müssen wir draussen sein», meint der Décolletage-Betreiber kaum bekümmert – hat man doch in der ehemaligen Bellacher Firma Pretat schon einen neuen Standort gefunden.