Weihnachtsreise

Als Solothurn für einen Tag zu Bethlehem wurde

Zum neunten Mal hat die Weggemeinschaft der Landes- und Freikirchen mit ihrer Inszenierung der Weihnachtsreise Solothurn in Adventsstimmung versetzt.

Am Ende der Kreuzackerbrücke und vor dem Bieltor stehen die Menschen Schlange. Beinahe alle haben ein Lächeln auf dem Gesicht. «Hier durch», ruft ein römischer Soldat mit bestimmter Stimme: «Ihr müsst euch einschreiben lassen.» An einem Holztisch stehen Frauen und Männer in langen braunen Gewändern und mit einem Stempel in der Hand: «Besitzt ihr auch Ländereien», fragt jemand nicht weniger forsch. «Ja», sagen die einen, «Nein» die anderen. Man spürt den Respekt vor der Obrigkeit, obwohl doch alles bloss ein Spiel ist. Ein Spiel? Mehr als das, wissen die rund hundert Christen, die sich jedes Jahr daran beteiligen und all jene, die den Glauben an die Weihnachtsgeschichte nicht verloren haben.

Inzwischen hat auch die schlafende Lina im Kinderwagen einen Stempelabdruck auf ihren kleinen Händchen, und Christine Lüthi, die eigentlich einkaufen gehen wollte, schaut ihre Tochter an und weiss: «Damit wird vorläufig nichts.»

Doch blenden wir eine Stunde zurück: Im Untergeschoss der reformierten Stadtkirche liegen überall Kleidungsstücke herum. Wo man hinschaut, wird gezupft, drapiert und zurechtgerückt. Hektik ist keine zu spüren, Worte fallen nur spärlich. Und Urs Dummermuth von «Bewegung-Plus» sagt: «Denkt daran, es geht darum, das Licht von Weihnachten in die Stadt zu tragen und zu zeigen, was das für die Menschen bedeutet.» Pragmatischer ertönt der Appell von Initiantin Regula Buob: «Lasst eure Uhren und Handys hier, ihr lebt jetzt in einer anderen Zeit.»

Schwierige Suche nach dem Jesuskind

Das Jesuskind heisst dieses Jahr Elia und wurde am 2. November in Olten geboren. «Dieses Jahr war die Suche schwierig», erzählt Urs Dummermuth. Doch davon wissen die unzähligen Menschen nichts, die sich bald darauf auf dem Marktplatz um den Stall drängen, in dem Maria und Josef mit ihrem Kind sitzen, umgeben von Stroh und wachsamen Hirten. Hirten bewachen auf dem Friedhofplatz auch die schwarzen Schafe, die am Schnee knabbern, der zwischen den Strohballen liegt.

Aus einem Lautsprecher ertönt ein mächtiges Halleluja. Linn hält es hier nicht länger. «Er will zum Herodes», sagt seine Mutter, «weil der so wild um sich schlägt und Tassen zerschlägt.» Und dann lächelt sie: «Zu Hause darf er das nämlich nicht.»

Herodes ist auf der St.-Ursen-Treppe nicht bei bester Laune, seit ihn die strammen Schrittes durch die Stadt stampfenden Soldaten darüber unterrichtet haben, dass ihm ein soeben geborenes Kind seinen Platz in dieser Welt streitig machen wird.

Zum neunten Mal ist es der Weggemeinschaft der Landes- und Freikirchen gelungen, den Menschen zu zeigen, dass Weihnachten weit mehr ist als Konsum und ein üppiges Mahl. Zum ersten Mal dagegen war Brigitta Graeulich aus Schaffhausen dabei. «Durch meine Freunde habe ich schon so viel von dieser Tradition gehört, jetzt wollte ich unbedingt einmal dabei sein.»

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