Drehort Solothurn

Als sich der Stuntman das Bein brach

Solothurn und Film kumuliert in den Solothurner Filmtagen. Die Stadt besass auch den Ruf, ein cineastisches Publikum zu haben. Solothurn hat aber auch eine zwar bescheidene, aber dennoch bemerkenswerte Karriere als Drehort gemacht.

Vor etwas mehr als 85 Jahren wurde in der Stadt, auf dem Hohberg und der Spitalmatte der Spielfilm «Dein Begehren ist Sünde» gedreht. Was im Spätherbst durch die von Friedrich Zaugg-Kauer geführte Kamera eingefangen wurde, erlebte am 28. Dezember 1925 im Kino Palace seine Uraufführung. Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Werner Bürki gründete dafür die Filmgesellschaft Margosa, Solothurn-Steingruben. Dem Melodram über eine Nonne, welche einer unerlaubten Liebe wegen in Bedrängnis gerät, war kein Erfolg beschieden und Margosa Film ging pleite.

Der Dokumentarfilm

Mehr Erfolg hatte hingegen Jahrzehnte später Ernst Brun. Er hat Dokumentarfilme über die Vorstadt, den Steinbruch oder über den Maler Cuno Amiet produziert und damit unverzichtbare Erinnerungen ans alte Solothurn festgehalten. Überhaupt kommt Solothurn beiläufig in Dokumentarfilmen vor, so in jenen über Gerhard Meier oder Peter Bichsel. Da wurde aber nicht bewusst Solothurn als Handlungsort gewählt. Deshalb zurück zum Spielfilm.

Seit in der Schweiz Filme hergestellt werden, sind die Produktionen für Spielfilme in den Grossstädten angesiedelt. Es gibt, grob gesagt, zwei Kategorien von Spielfilmen: die urbanen, welche in den Städten Zürich, Basel und Bern gedreht wurden und die Bergfilme, welche die Naturschönheiten der Schweiz ins filmische Licht rückten.

Ein historischer Märet

Nach seinen Erfolgen mit den bekannten «Ueli»-Filmen blieb Franz Schnyder Gotthelf treu und drehte 1960 den zweiteiligen Film «Anne Bäbi Jowäger». Bekanntlich lernt sich das Liebespaar Jakobli und Meieli im Zusammenhang mit dem Solothurner Markt kennen. Deshalb wurde am 4. und 5. August 1960 in Solothurn ein historischer Markt abgehalten. Die filmbegeisterten Solothurnerinnen und Solothurner durchstöberten ihre Estriche, um in schönen Röcken und Chutteli als Statisten aufzumarschieren.

Schnyder verlegte allerdings den Schauplatz des Romans auf den Kronenplatz und die St.-Ursen-Treppe, um die barocke Pracht den ländlichen Bauten des Emmentals gegenüberzustellen. Für das Fernsehen inszenierte der in Biberist und München wohnhafte JeanPierre Heizmann 1984 «An allem schuld». Die Solothurner Schauspielerin Monica Gubser erinnert sich gut: «Der Film handelt von einem jungen Mann, der alkoholisiert einen Autounfall baut.

Die Wirtsszenen wurden in der «Fuchsenhöhle» gedreht. Weitere Orte waren das Aaremürli und das Bürgerspital. Der Film wurde nach seiner Ausstrahlung im Schulunterricht eingesetzt.» Gubser spielte eines der Unfallopfer. Derzeit bereitet sie sich auf die Bühnenfassung des Films «Die Herbstzeitlosen» in Bern vor. Zuletzt war Solothurn Schauplatz in Nino Jacussos preisgekröntem Film «Escapeto Paradise».

Sophia Loren in der «Krone»

In manchen Filmen werden die Motive bunt durcheinandergemischt. So ist Solothurn auch in Filmen drin, wo nicht Solothurn draufsteht.

Am Spektakulärsten sicherlich im Action- und Abenteuerfilm «Brass Target», der im April 1978 teilweise hier gedreht wurde. Gesucht war eine Schweizer Stadt mit einer Waffensammlung. Der Schweizer Konsul von Los Angeles wies auf das Alte Zeughaus Solothurn hin. Regisseur John Hough gefiel indessen Solothurn so gut, dass auch andere Motive Eingang fanden und Solothurn für wenige Tage Weltstars wie Sophia Loren, Max von Sydow und andere beherbergen konnte.

Im Film handelt es sich allerdings um eine anonyme Schweizer Stadt, und die Solothurner Sequenzen wurden mit jenen aus Bern gemischt. Ein Stuntman brach sich übrigens das Bein, verliess aber das Spital mit der Filmcrew, ohne die Rechnung zu begleichen. Das Spital schickte sie dem Kinobesitzer Heinz von Gunten, der sie dem zuständigen Verleiher weiterleitete.

Hexensabbat vor dem Zeughaus

Drei Jahre zuvor wurde der Kantonsratssaal zum inzwischen umgestalteten und deshalb nicht mehr zeitgemässen Churer Gerichtssaal für Rolf Lyssys «Konfrontation». «Ich denke gerne an diese Zeit zurück», so der Regisseur heute. «Es war zwar sehr stressig, weil wir den Saal nur für zwei Drehtage hatten. Trotz der langen Tage konnten wir viele Solothurner als Statisten gewinnen.»

Das Porträt General Sutters von Frank Buchser im Kunstmuseum bildete den Angelpunkt für Benny Fasnachts Film über den «Kaiser von Kalifornien» mit Hannes Schmidhauser und Wolfram Berger als Buchser. Das Alte Zeughaus und ein Tor im Hof bei der Schmiedengasse adoptierte Gertrud Pinkus für ihren Film «Anna Göldi – letzte Hexe» und machte sie zum Bestandteil von alt Glarus. Nicht erwähnt sind die bisher drei indischen Produktionen, die teilweise hier gedreht worden sind – typische Erzeugnisse des Bollywood-Kinos.

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