150 Jahre Regio Energie Solothurn
Als Lampen noch Sympathieträger waren

Der Siegeszug der elektrischen Beleuchtung machte auch vor Solothurn nicht halt. Man war stets interessiert am «neuen Licht» und verstand schon früh, dass die elektrische Energie eine wichtige Voraussetzung für die wirtschaftliche Entwicklung ist.

Katharina Arni-Howald
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Die erste Trafo-Station in Solothurn bestand aus einem dekorativen Türmchen auf der Turnschanze

Die erste Trafo-Station in Solothurn bestand aus einem dekorativen Türmchen auf der Turnschanze

Zur Verfügung gestellt

Am Ende des 19. Jahrhunderts brennen in der Stadt Solothurn 139 Gaslaternen. Die Fortschrittsgläubigen haben sich gegen die Zweifler und Hinterwäldler durchgesetzt. Anfänglich werden die Laternen mit offenen Gasflammen betrieben und von Menschenhand angezündet. Erst durch die Einführung des vom österreichischen Chemiker Carl Auer von Welsbach 1885 entwickelten Glühstrumpfs aus Baumwollnetz gelingt es, 1898 auch in Solothurn das Gasglühlicht einzuführen und die Lichtausbeute zu erhöhen.

Siegeszug der elektrischen Beleuchtung

Doch wir stehen an der Schwelle zu einem neuen Jahrhundert, das weiteren technischen Fortschritt ankündigt. Mit der Erfindung der Glühbirne, die erstmals 1880 auf den Markt kommt, beginnt der Siegeszug der elektrischen Beleuchtung. Grössere Städte wagen den Wechsel von der Gaslaterne zur elektrischen Bogenlampe. Ausschlaggebend sind vor allem wirtschaftliche Gründe. Man geht davon aus, dass der Betrieb einer Gaslaterne höhere Kosten verursacht als die elektrische Beleuchtung.

Im Gegensatz zu Ländern mit grösseren Kohlevorkommen versucht in der an Wasserkraft reichen Schweiz kaum jemand, den Bau von Elektrizitätswerken zu verhindern.

Strom-Pionier in Solothurn

Auch in Solothurn ist die Ankündigung eines «neuen Lichts» angekommen. Vor allem Industrielle sind an der neuen Errungenschaft interessiert. So auch der Solothurner Fabrikant Josef Müller-Haiber, der 1886 die Konzession für die Kraftwerkanlage in Kriegstetten erwirbt. Der Betreiber der Schanzmühle erkennt, dass elektrische Energie eine der wichtigsten Voraussetzungen für die wirtschaftliche Entwicklung der Region ist.

Die 8 Kilometer lange elektrische Freileitung, die er von Kriegstetten nach Solothurn bauen lässt, ist einmalig für Europa und erregt international Aufsehen. Noch nie hatte man eine so grosse Leistung auf eine vergleichbare Distanz übertragen. Teile der Kraft- und Übertragungsanlage des Solothurner Industriepioniers sind noch heute im Deutschen Museum in München zu sehen. Bald darauf speist eine vom Kraftwerk Frinvillier im Berner Jura nach Biberist gelegte, 29 Kilometer lange elektrische Leitung die Papierfabrik Biberist mit Energie.

Ein Weitsichtiger ist auch Ingenieur Euseb Vogt, der aus eigener Initiative ein Projekt für die Erstellung des Kraftwerks Luterbach verfasst.

Die Stadt sperrt sich

Doch kommen wir zurück zur Beleuchtung in Solothurn. Noch vor Müller-Haiber, nämlich im Frühjahr 1894, abonniert der 25-jährige Maschineningenieur und spätere Stadtammann Walter Hirt von der Gesellschaft des Aare- und Emmenkanals auf eigenes Risiko eine grössere Energiemenge, mit der er verschiedene Industrielle in Solothurn versorgt und Zuchwil ermöglicht, als erste Gemeinde im oberen Kantonsteil die elektrische Beleuchtung einzuführen. Auf grössere Schwierigkeiten stösst Hirt bei der Stadt, die die Erstellung einer elektrischen Leitung als grosses finanzielles und technisches Wagnis betrachtet.

1895 endlich gibt die Stadt ihren, von langwierigen Verhandlungen mit der privaten Gasaktiengesellschaft begleiteten Widerstand auf und beschliesst, die öffentliche Strassenbeleuchtung einzuführen, die von Hirt gelieferte Energie aber ausschliesslich zur Beleuchtung der öffentlichen Strassen und Gebäude zu verwenden. Ein günstiges Angebot zur Übernahme der Aare Emmenkanal Gesellschaft (AEK) schlägt sie dagegen aus, was dazu führt, dass zu Beginn zwei getrennte Versorgungsnetze bestehen.

Die Übertragungsleitung beginnt auf Empfehlung von Hirt beim Kraftwerk Luterbach und endet bei der ersten Transformatorenstation auf der östlichen Ecke der 1905 abgebrochenen Turnschanze. Beim Eisenbahnübergang in Zuchwil wird sie auf die schon bestehenden Stangen der elektrischen Kraftübertragungsleitung Kriegstetten-Solothurn geführt. Wie die ländliche Bevölkerung auf die hölzernen Leitungsmasten und die Umwege, die gelegt werden mussten, reagiert, ist nicht bekannt.

Die alte Jungfer «Gasbraut»

Mehrfach belegt ist jedoch die Tatsache, dass die erste Bogenlampe «mit einer Kerzenstärke von 1500 und der Stromstärke einer Pferdekraft» am Hirt-Lackschen Haus an der Hauptgasse 22 gegenüber dem Gerechtigkeitsbrunnen brannte. Sie ist an einer weit ausladenden Konsole in der Höhe des zweiten Stocks aufgehängt. Der Solothurner Anzeiger vom 18. März 1896 schreibt dazu: «Die Lampe, deren Licht eine violette Färbung zeigt, hat sich in den beiden ersten Abenden allgemeine Sympathie erworben.» Und weiter: «Die ‚Gasbraut' ist eine alte Jungfer geworden; ihre Zeit ist vorbei. Sie wird sich zurückziehen an Kochherde und zum Maschinengerassel bis auch dort eine Schwester Elektrizität ihr den letzten Rest an Boden entzogen haben wird.»

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