Man könnte durchaus behaupten, dass sie den traditionellen Jazz nach einer langen «Eiszeit» zurück in die Stadt brachten. Fünf Enthusiasten, die sich Ende der Siebzigerjahre einer musikalischen Leere gegenübersahen, die es zu füllen galt. Rolf Imhof, René Bernasconi, Marcel Gerber sowie die leider unterdessen verstorbenen Werny Winterberg und Jürg Pfluger gründeten vor 40 Jahren den Jazzclub Solothurn.

Von den Pionieren ist einzig Rolf Imhof noch aktiv im Club dabei. Er erinnert sich, dass 1978 die Wirtefamilie plötzlich die Möglichkeit anbot, den Keller des Restaurants Sternen zu mieten und zum Konzertlokal umzufunktionieren: «Wir probieren es mal», sagten sich die fünf Urväter und starteten mit einem Pilotkonzert der damaligen Lokalmatadore «Erni Bauders Dampfkapelle» im November 1978.

Es begann im Winter 1978/1979

Mit dem Konzerterfolg und dem Anklang auf die Idee markierte die Vereinsgründung 1979 den Startpunkt einer ellenlangen Konzertchronologie mit insgesamt über 200 Formationen, aus Solothurn, der Region, der ganzen Schweiz und gar aus Frankreich, Deutschland, den USA, England oder Argentinien. Und als erste Band spielten die Solothurner von «Loose Connection» am 26. Januar 1979 das Gründungsständchen des Jazzclubs. Seither beglückt der Club seine Fans monatlich mit einem Konzert. Am Anfang fanden in den wärmeren Monaten auch noch die beliebten Riverboat-Jazz-Partys statt. Danach, zwischen 1985 und 1995, organisierten Imhof und sein Team die «Jazz-im-Freien»-Konzerte auf der St. Ursenbastion.

Mit der anderen Jazz-Hochburg im Solothurn, den ebenfalls regelmässigen Anlässen im «Chutz», kommt man sich bis heute nicht in die Quere, weiss Imhof. Während unter der Flagge des Jazzclubs vor allem dem traditionellen Oldtime-Jazz gehuldigt wird, konzentriert sich der ein Jahr später gegründete Verein «Jazz im Chutz» auf moderneren Spielarten des Genres.

Mehr als nur «Feierabend-Jazz»

«Ich höre oft, dass ich dem Feierabend-Jazz fröne», sagt Imhof. Eine Andeutung auf die oft gemachte Unterscheidung des Oldtime zum Modern Jazz. So hafte dem elaborierten Free Jazz der Ruf an, «intellektuell» durchdrungen zu sein. «Und da muss ich einfach sagen, dass der Free Jazz in eine Welt gehört, die ich nicht verstehe», so Imhofs Geständnis.

Umso mehr erfreut er sich an der guten Ambiance und an den guten Leuten, die die Jazzclub-Konzerte besuchen. Dabei schreckte er in Vergangenheit auch nicht davor zurück, die Zuhörer energisch in Schutz zu nehmen, wenn sich in seltenen Fällen ein Bandleader über ein allzu «lasches Publikum» ausliess oder über die angeblich «schlechte Stimmung» herzog: «Dafür trägt die Verantwortung einzig und allein die Band», findet Imhof dezidiert.

Was aber bei weitem überwiegt, sind die zahllosen positiven Erlebnisse: Wie der Spontanauftritt des inzwischen verstorbenen US-Musikers Willy DeVille, der damals in Solothurn lebte und als Gast auch noch Polo Hofer mitschleppte. Gerne erinnert sich Imhof auch an «Th Big Chris Barber Band», die 2009 zum 30-Jahr-Jubiläum aufspielte.

Auch das Restaurant profitiert

Für Carlo Bernasconi, der in vierter Generation den Familienbetrieb im Restaurant Sternen führt, ist der Jazzclub im ehemaligen Weinkeller, der über eine schmale, steinbehauene Treppe erreicht werden kann, eine Bereicherung. Wenn im Keller wieder Jazz angesagt ist, dann ist vorgängig auch das Restaurant voll. Das Ritual «Essen mit anschliessendem Jazz» hat sich gerade bei den älteren Fans eingebürgert. «Es ist eine Aufgabe, aber vor allem eine grosse Freude, den Jazzclub im Haus zu haben», schwärmt Bernasconi.

Während sich zu Anbeginn der 40-jährigen Jazzclub-Geschichte alle Teammitglieder allen Ämtlis des Vereins zuwandten, hat sich über die Jahre ein Ressortsystem gebildet. Dazu gehört die Arbeit einer Musikkommission, die die Bands auswählt und mit ihnen in Kontakt tritt. Ebenso gibt es Verantwortliche für die Homepage, die Finanzen und die Verpflegung, die traditionsgemäss aus Wienerli und Ausschank besteht. Der umtriebige 71-jährige Imhof, der nebenher als Zeichner, Eisenplastiker und Galerist der Freitagsgalerie tätig ist, vertritt den Verein als Präsident nach aussen und lenkt die Geschicke des Jazzclubs in eine Zukunft, die noch ungewiss ist.

Bei einem leicht rückläufigen Mitgliederbestand von aktuell 160 Jazzfreunden hofft er, inskünftig auch jüngere Menschen für den Jazz zu begeistern – und Solothurn damit noch lange mit vielen weiteren Jazzabenteuern zu beglücken.

Fürs Jubiläumsjahr hat der Jazzclub wieder eine abwechslungsreiche Konzertreihe auf Lager. Mit der «Allotria Jazz Band» ist am 29. März um 20 Uhr die nächste Formation im «Sternen»-Keller. Weitere Daten im Internet unter www.jazzclubsolothurn.ch