Solothurn
«Als Harfenistin ist man im Orchester oft sehr einsam»

Am Sonntag ist Gounods Cäcilienmesse mit sechs Harfen in Solothurn zu sehen. Eine Seltenheit. Die Berner Harfenistin Blathnaid Fischer tritt mit fünf Kollegen auf.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Die Berner Harfenistin Blathnaid Fischer tritt mit fünf Kollegen in Solothurn auf.

Die Berner Harfenistin Blathnaid Fischer tritt mit fünf Kollegen in Solothurn auf.

zvg

Blathnaid Fischer, Orchesterwerke für mehrere Harfen gibt es nicht sehr viele, oder?

Blathnaid Fischer: Orchesterwerke mit mehreren Harfen gibt es ein paar. Am bekanntesten ist sicher die «Sinfonie Fantastique» von Hector Berlioz. Auch von Debussy, Wagner und noch ein paar anderen gibt es Werke mit mehrfach besetztem Harfenpart. Allzu viele sind es allerdings nicht. Als Harfenistin ist man im Orchester deshalb oft sehr einsam. Oft wartet man viele Takte, um dann von einem Augenblick zum nächsten präzise und virtuos einen Einsatz zu spielen.

Welchen Stellenwert hat die Cäcilienmesse von Gounod für Sie als Harfenistin? Wird sie oft aufgeführt?

Ich geniesse es immer, wenn ich mal nicht die einzige Harfenistin im Orchester bin. Gounod wird zwar recht oft gespielt, aber meist nur mit ein bis zwei Harfen. Umso mehr freue ich mich jetzt, Gounod in Originalbesetzung mit sechs Harfen aufzuführen.

Mehrheitlich trifft man Damen an der Harfe an. Stimmt dieser Eindruck?

Die Frage, ob die Harfe eher ein Fraueninstrument sei, wird mir immer wieder gestellt. Ich empfinde das überhaupt nicht so. Zu Beginn lernen tatsächlich mehr Mädchen als Jungen Harfe spielen und es gibt auch mehr Harfenistinnen als Harfenisten. Bei den Profis ist der Frauen- und Männeranteil allerdings dann viel ausgeglichener als bei den Schülern. Die Harfe soll glitzern, glänzen. Das ist vielleicht etwas, was in unserer Gesellschaft häufiger den Mädchen gefällt. Harfenmusik ist aber natürlich in allen Sparten anzutreffen: traditionell-folkig bis modern-schräg, auch jazzig-poppig. Ein ehemaliger Schüler von mir hat das Technische mit dem Glitzernden verbunden und eine Laserharfe entwickelt.

Wie stehts mit dem Harfenisten-Nachwuchs? Ist das Instrument begehrt und wo liegen die Schwierigkeiten für einen Schüler?

An der Musikschule Konservatorium Bern, wo Harfenist Simon Bilger und ich unterrichten, hatten wir in den letzten Jahren immer erfreulich viel Nachwuchs. Wir unterrichten in Bern seit Jahren stets rund 60 Harfenschüler. Inzwischen kann man auch in vielen der kleineren Musikschulen Harfe lernen. Ich werde oft gefragt, ob die Harfe ein besonders schwierig zu erlernendes Instrument sei. Ich denke nicht. Jedes Instrument ist auf eine andere Weise anspruchsvoll zu lernen. Es braucht bei jedem Instrument viel Geduld, viel Übung und vor allem sehr viel Motivation, bis man «spielt». Wir erleben oft, dass Harfenschüler überdurchschnittlich motiviert sind. Kaum jemand spielt Harfe so aus «einer Laune heraus». Oft müssen Kinder monate- oder sogar jahrelang ihre Eltern «bearbeiten», bis diese damit einverstanden sind, dass ihr Kind Harfe lernen will.

Wie steht es mit den Anschaffungskosten?

Anders als bei anderen Instrumenten gibt es bei der Harfe bisher keine billigen Anfängerinstrumente aus China. Wir beraten aber die Eltern bei der Anschaffung oder Miete der Schüler-Instrumente. Bisher wurde noch für jeden Schüler eine Lösung gefunden.

Wie sind Sie selbst mit dem Instrument in Kontakt gekommen und zur Harfenistin geworden?

Meine Mutter ist Irin und ich habe die Harfe als kleines Kind in Irland kennen gelernt. Der Klang der Harfe, dieses warme Glitzern und Perlen hat mich sofort fasziniert. Ich mag und mochte schon immer Klänge, die aus Holz und Saiten entstehen, besonders gerne. Dass für mich nur Harfe infrage kam, war mir immer klar. Ich hatte Glück, dass an meiner lokalen Musikschule das Fach Harfe damals gerade neu angeboten wurde und dass mich meine Eltern immer voll unterstützt haben. Dass aus meinem Hobby mein Beruf wurde, habe ich lange nicht so geplant, umso mehr freue ich mich immer noch darüber, dass ich diesen schönen Beruf ausüben darf.

«Himmlische Musik» – Gounod Cäcilienmesse; Mahler Adagio. Jesuitenkirche Solothurn, Sonntag, 25. März, 15 und 17 Uhr. Classic Festival Chor Leitung Markus Oberholzer. Kasse 30 Min. vor Konzertbeginn. Nur noch wenige Plätze.