Im Solothurner Bootshafen herrscht Ruhe. Die sorgfältig vertäuten Motorboote schaukeln nur leicht auf der ruhig dahinfliessenden Aare. Schwimmer und Gummibootfahrer haben sich in ihre warmen Häuser zurückgezogen. Der Fluss gehört wieder sich selbst. Nur ab und zu löst ein Motorbootfahrer das Seil und fährt westwärts, dem Drei-Seen-Land entgegen.

Doch die absolute Ruhe trügt. Unter dem schützenden Dach des Hafens werden Tische hin- und hergerückt, Apéro-Häppchen aufgetragen und Gläser für den Weisswein bereitgestellt. Der Motorbootclub Aare Solothurn (MCA) feiert seinen 50. Geburtstag.

Knapp hundert Mitglieder zählt der 1963 gegründete Verein, der sich zum Ziel setzte, Wassersportbegeisterte unter einem Dach zu vereinen und gemeinsame Anliegen durchzusetzen. Im Vordergrund stand auch das Bedürfnis, die Zeit auf und am Wasser nicht nur allein zu geniessen, sondern Freundschaften unter Gleichgesinnten aufzubauen. Oder wie es der zehnte Vereinspräsident, Michel Thaler, am Jubiläumstag formulierte: «Nicht Grössenvergleiche von PS und Bootslängen stehen im Mittelpunkt, sondern vorab die Zeit, die man gemeinsam geniesst.»

Gefahr für Schwimmer

Seit der Vereinsgründung vor 50 Jahren hat sich allerdings einiges verändert. «Es gab weniger Schiffe auf der Aare, und diese waren um einiges kleiner als heute», erinnert sich Peter Wentz, der dem Club seit 47 Jahren angehört und dessen «Dingi Basel» aus dem Hafen von Solothurn nicht mehr wegzudenken ist.

«Damals gab es auch noch kein Stauwehr in Flumenthal und weniger Gummiboote und Schwimmende in der Aare, die den Motorbootfahrern das Leben heute schwer machen, weil sie sich oft in der Schifffahrrinne aufhalten und leicht zu übersehen sind», holt der Dornacher aus, der zusammen mit seiner Frau Esther jedes Wochenende auf seinem Schiff verbringt. Seit der Juragewässerkorrektur profitiere man dagegen vom stets gleichen Wasserstand und sei daher weniger Schwankungen unterworfen.

Es war aber auch die Zeit, als es noch kein Polizeiboot auf der Aare gab und Wassersportler in Not nicht selten von einem Boot der «MCA-Flotte» sicher ans Ufer gebracht wurden. Das sei auch heute noch ab und zu der Fall, wenn bei einem Gummiboot die Luft partout nicht mehr drin bleiben wolle, betonen Michel Thaler und Vizepräsident Urs Zaugg. Als Freund und Helfer betätigt sich der MCA aber auch beim Aareschwimmen oder wenn ein grösseres Ereignis wie ein Triathlon oder gar ein Gigathlon angesagt ist.

Mehr Vorschriften

Als es mit dem ruhigen Dahintuckern vorbei war und auch andere die Aare für sich zu beanspruchen begannen, nahmen auch die Vorschriften zu. Heute gelten schärfere Alkoholgrenzwerte und bei der Fahrprüfung werden strengere Massstäbe angesetzt. Früher gab es noch keine Fragebogen, und die mündliche Prüfung fand nicht selten in der Wirtschaft «Zum grünen Aff» statt, die lange Zeit das Stammlokal des MCA war. Heute trifft man sich im Restaurant Lido zur Besprechung von anstehenden Themen und zu gemütlichen Höcks.

Den absoluten Höhepunkt erreichte der MCA mit der Inbetriebnahme des Bootshafens. Auf Intervention des Vereins hin wurde dieser mit einer Fäkalien-Absauganlage ausgerüstet. Den Motorbootbesitzern stehen heute auch die sanitären Anlagen des Campingplatzes gratis zur Verfügung. Dass die Wassersportbegeisterten ein friedliches Volk sind, geht auch daraus hervor, dass Konkurrenz beinahe ein Fremdwort ist. Ob andere Bootsbesitzer, der Öufiboot-Betreiber oder die Fahrschulen – man mag sich und gönnt allen ihren Teil.