Zwei Biere versprach der selbstständig tätige Stadt(ver)führer und Sakristan Markus von Arx Petrus und hoffte damit, dass dieser pünktlich um 15.30 Uhr den Hahn zudrehen werde, der uns am Samstagmorgen reichlich mit Wasser von oben versorgt hatte. Tatsächlich: Pünktlich zu Beginn der Stadtführung «Handwerker und ihre Zünfte» vor dem Baseltor – hörte es auf zu regnen und Markus von Arx begann, seinen, allerdings nicht zahlreich erschienen Gästen, auf packende Art unerschöpfliche Geschichten über Solothurn, seine einstigen Bewohner, Gegebenheiten und Bauten näher zu bringen.

Der Fokus seiner Erzählungen lag auf jener Zeit, als es in der Stadt noch elf Zünfte gab und die Handwerker in der Stadt ein wichtiges Wort mitzureden hatten. Daneben gelang es ihm auch, geschickt und redegewandt seine Zuhörer über Zwölf-Knoten-Schnüre, Klafter, Elle und Fuss, Steinquader, die mithilfe von Steinzangen für den Bau der Kathedrale aufeinandergeschichtet werden mussten, und Brunnen, «ohne die keine Stadt überleben kann», zu berichten.

Längst sei es auch kein Geheimnis mehr, dass der Wein in der Stadt dank den Weingütern der Oberen reichlich floss und dieser auch deshalb wichtig gewesen sei, damit die Patienten im Alten Spital Operationen einigermassen schmerzfrei überleben konnten. Dies notabene auch dank der Schifferzunft.

Es war wichtig, Zünftler zu sein

«Wer im Mittelalter selbstständig ein Handwerk betreiben wollte, tat gut daran, sich einer Zunft anzuschliessen», leitete Markus von Arx zu den Zünften über. «Ohne diesen Hintergrund hatte er keine Rechte und keinen Schutz.» Die Zugehörigkeit zu einer Zunft brachte erhebliche Vorteile. Sie regelte den Zugang zur Berufstätigkeit, und schützte vor fremder Konkurrenz. Zunftangehörige konnten zudem in Zeiten der Not auf Hilfe hoffen. Und: «Nur wer einer Zunft angehörte, durfte sich politisch betätigen.»

«Die Bildung der elf Zünfte steht in engem Zusammenhang mit der Entstehung des Stadtbürgertums, das ab 1344 nach politischer und wirtschaftlicher Macht strebte», erläuterte von Arx, dessen Markenzeichen nebst der passenden Bekleidung der Regenschirm ist, die damalige Situation. 1377 war es soweit: Jede Zunft stellte ein Zunftmitglied in den «Jungrat» und je zwei in den «Altrat».

Nicht aus dem Handwerkerstand stammte der Schultheiss, der zu den «Edlen» oder dem Patriziat gehörte. Mit der Einführung des neuen Stadtgesetzes 1831 verloren die Zünfte jedoch wieder ihre politische Macht. «Die liberale Verfassung versetzte ihnen den Todesstoss.» Ebenso trugen die wirtschaftlichen Veränderungen mit der aufkommenden Industrialisierung und der Eisenbahnbau zum Untergang der Zünfte bei.

Was Altstadtfassaden erzählen...

Von den elf ehemaligen Zunfthäusern stehen heute noch neun. Das Bekannteste und Grösste war und ist das Zunfthaus zu Wirthen, das vom Söldnerführer Wilhelm Fröhlich im Jahre 1560 erbaut wurde und, wie wir wissen, an prominenter Stelle in der Altstadt steht. Wie von Arx es vormachte, lohnt es sich, hie und da an den Fassaden der Stadt emporzuschauen. Dort entdeckt man staunend Wappenreliefs und Handwerkerzeichen, die an vergangene Zeiten erinnern. Längst wurden die Zunfthäuser, die einst dem frohen Beisammensein dienten und in denen lebhaft über Politik und andere wichtigen Begebenheiten diskutiert wurde, privatisiert und einem anderen Zweck zugeführt.