Hochwassermarken

Als es in Solothurn Hochwasser wie in Passau gab

Eine reissende Aare und ein Schifffahrtsverbot, das an Österreich erinnert – aber kein Hochwasser.

Eine reissende Aare und ein Schifffahrtsverbot, das an Österreich erinnert – aber kein Hochwasser.

Bilder wie aus Passau gabs auch in Solothurn. Nimmt man die Hochwassermarken am «Kreuz», dem ehemaligen Zunfthaus zu Schiffsleuten an der Schaalgasse, als Massstab, so stand das Aarewasser 1574 und 1651 2 bis 2,5 Meter über dem heutigen Trottoir.

Heute sorgt die «Murgenthaler Bedingung» nach der zweiten Juragewässerkorrektion für einen ständig gleichbleibenden Pegel bei der Rötibrücke, der auch jetzt trotz grosser, reissender Wassermengen eingehalten wird.

Ganz anders war das am 1. Dezember 1651. Franz Haffner beschreibt in seinem «Schawplatz», dass das Wasser damals 3 Schuh (oder 90 cm) über der Wengibrücke stand. Die Joche der Brücke wurden von 200 bis 300 Mann mit langen Hakenstangen gegen riesige Mengen Treibholz verteidigt, die mit hohem Tempo heranrasten. Stets ein lebensgefährlicher Job, sicher auch beim vorhergegangenen ähnlichen Hochwasser von 1574, das ebenfalls auf der Nordseite des Hauses ablesbar ist. Dagegen nimmt sich die dritte Marke an der Westfassade, datiert vom 18. September 1852, geradezu bescheiden aus – sie liegt 1,40 Meter tiefer als jene von 1651. Damals wurde ein Pegelstand von 6,59 Metern errechnet. Das wohl massivste Hochwasser von 1480 ist dagegen nicht registriert. In der Schilling-Chronik wird aber erwähnt, dass damals die Brücken von Aarwangen, Olten und Aarau weggerissen wurden, jene von Solothurn jedoch widerstand.

Ein Hochwasser wie jetzt in Passau, das massivste seit 1501 übrigens, gabs also früher auch in Solothurn. Es hätte die heutige Rossmetzg an der Schaalgasse bis zur Decke geflutet, und ähnlich hätte es in der Regio Energie, im Solheure, Palais Besenval, Landhaus, in der Jugendherberge über die Bars am Landhausquai bis zur Klinik Obach ausgesehen. (ww)

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