Solothurn

Als er bei der Zentralbibliothek begann, gabs noch keine CDs

Peter Probst hat die Zentralbibliothek seit 1974 mit geprägt. (Archivbild)

Peter Probst hat die Zentralbibliothek seit 1974 mit geprägt. (Archivbild)

Das Bibliothekswesen erfreut sich noch immer grosser Beliebtheit, auch wenn es sich verändert. Diese Veränderungen hautnah miterlebt hat Peter Probst, Co-Direktor der Zentralbibliothek Solothurn. Ende Juni geht er in Pension.

Haben Bibliotheken überhaupt noch eine Zukunft? Peter Probst lacht, er hat auf die Frage wohl nur gewartet. «Moderne Medien, E-Books oder gar Hörbücher, das ist alles nur ergänzend. Wir konnten unsere Leserzahlen ständig steigern. Und die Zahlen der Schweizer Bibliotheken zeigen klar, dass die Bücher-Ausleihen nicht sinken. Mit 560'000 Ausleihen jährlich stehen wir auch schweizweit auf sehr hohem Niveau. Das beweist, dass unsere Bibliothek gut verankert ist.» Dazu komme, dass die Zentralbibliothek Solothurn auch eine wissenschaftliche Bibliothek sei, mit einem «riesigen Altbestand», der erfolgreich für die Wissenschaft erschlossen werde.

«Es kommen Leute zu uns aus aller Welt, da der Bestand inzwischen weltweit aufgerufen werden kann», würdigt Probst die Arbeit seiner Kollegin Verena Bider, die seit 2002 die Führung der Zentralbibliothek mit ihm teilt. «Das funktionierte immer sehr gut, weil jedes von uns eine enge Beziehung zur Tätigkeit des Anderen gehabt hat», verweist Peter Probst auch auf etliche Abwesenheiten, als nur Bider oder er alleine das Haus weiterführen mussten.

Was die EDV gebracht hat

Vorgeschlagen hatten Bider und Probst das Co-Direktorium damals Regierungsrätin Ruth Gisi, und auch Solothurns Stadtpräsident Kurt Fluri stimmte dem Deal nach dem Abgang von Direktorin Christine Holliger zu – bekanntlich sind Stadt und Kanton zusammen Träger der Zentralbibliothek. Nach 14 Jahren geht nun diese Ära zu Ende, wobei die nur vier Jahre jüngere Verena Bider noch bis zu ihrer baldigen Pensionierung als Direktorin fungiert. Der Job von Co-Direktor Probst wird neu aufgeteilt auf die Mitglieder der Geschäftsleitung, und «einen meiner Aufgabenbereiche übernimmt ein Informatiker».

Denn Peter Probst war der Mann der ersten Stunde, als die Zentralbibliothek die EDV entdeckte. «Wir arbeiteten damals noch mit mechanischen Hermes-Schreibmaschinen, bis diese plötzlich durch Bildschirme ersetzt wurden. Doch anfänglich druckten wir noch die Kärtli für die Buchausleihe mit dem Computer aus.» 1974, als Peter Probst in der Zentralbibliothek anfing, herrschte noch «papierene Steinzeit» an der Bielstrasse. In der Musikbibliothek wurden noch Schallplatten (!) ausgeliehen, «erst später kamen Kassetten und CDs auf».

Der junge Buchhändler, der sich noch heute als «Spätzünder» in der Schulzeit sieht, blühte der in Zentralbibliothek auf. «Ich konnte mich dort berufsbegleitend zum Diplom-Bibliothekar VSB ausbilden – der Beruf existiert heute jedoch nicht mehr.» Schon damals habe es personelle Engpässe gegeben, und als Direktor Hans Sigrist pensioniert wurde, leitete Peter Probst zusammen mit Samuel Henzi und Madeleine Henzi die Bibliothek ad interim, bis Rolf Max Kully 1984 den Direktorenposten antrat. «In diesen neun Monaten habe ich ein EDV-Konzept für die Bibliothek erstellt.»

Die Einführung habe vieles gebracht: «Wir konnten statt bisher vier Bücher nun problemlos bis zu zehn Medien gleichzeitig ausleihen und auch die Öffnungszeiten erweitern. Das alles, ohne dass wir zusätzliche Leute brauchten.» Im Gegenteil: Vor der EDV-Einführung sei eine Person nur mit dem Erstellen von Mahnungen befasst gewesen. Eines aber brachte die EDV mit sich: «Bei Gewittern musste ich oft mitten in der Nacht in Rüttenen los, um in der Bibliothek den Rechner herunterzufahren. Denn der Monteur aus Deutschland wäre teuer gewesen.»

Ausbau der Bibliothek

«Ja, wir hatten ein sehr grosses EDV-Wissen im Haus», blickt Peter Probst auf Innovationen zurück wie die schweizweit erste echte Einführung eines OPAC-Systems, das den Bibliothek-Benutzern eine Bestandesabfrage von aussen erlaubte. «Und unsere Tintenstrahldrucker haben wir immer selber repariert.» Doch zusehends wurde der CO-Direktor für einen weiteren Bereich der Zentralbibliothek wichtig: die bauliche Infrastruktur.

Ab 2006 wurde die Kinder- und Jugendbibliothek saniert, im Querbau der neue Multimedia-Raum eingerichtet. Die Ausleihen wurden zusammengelegt, die Halle mehrfach umgestaltet. «So wie sie jetzt aussieht, ist sie wohl optimal eingerichtet», glaubt Probst. Doch einiges gab und gibt es noch zu tun, so sei beispielsweise der Lesesaal oft «brechend voll».

Es reifte die Idee einer Gesamtsanierung. An der HESO sei er mit dem Kantonsbaumeister Bernhard Mäusli zusammengesessen, «ich habe ihm mein Leid geklagt». Eine Projektstudie wurde erarbeitet, neben der Sanierung des Zetterhauses soll auch eine Aufstockung Platzgewinn bringen. Da die Projektstudie eine Kostenfolge von bis zu 20 Millionen Franken sieht, erachtet Peter Probst dafür wahrscheinlich einen Volksentscheid als notwendig. Immerhin konnte bereits das unterirdische Tiefmagazin für 3 Millionen Franken realisiert werden.

Es gibt noch viel zu tun

«Ich freue mich auf die Pensionierung», gibt Peter Probst unumwunden zu. Und er hat einiges vor: Auf seinen Erstling «Anna und der Engländer», ein Buch mit autobiografischem Hintergrund, könnte Weiteres aus seiner Feder folgen. «Ich kann allerdings nichts selber erfinden. Deshalb verarbeite ich beim Schreiben meine Erlebnisse», meint der Krimi-Fan, der auch gerne Klassiker liest.

Kochen kann er auch, und immer wieder zieht es ihn nach Norditalien, an die Riviera dei Fiori. «Aber ich werde nicht auswandern, Solothurn bleibt mein Zuhause.» Wo Probst sich noch für zwei Stiftungen, darunter derjenigen des Kabinetts für sentimentale Trivialliteratur am Klosterplatz engagiert. Ein weiterer Grund, hier zu bleiben: «Ich habe eine grosse Familie mit fünf Kindern und zwölf Enkeln.»

Die ganz grosse Familie aber, die Benutzer und Mitarbeitenden in der Zentralbibliothek, wird er nur noch als ganz normaler Nutzer erleben. «Am 30. Juni gebe ich meine Schlüssel ab und dann ist Schluss.» Ein Lebenskapitel ist damit für Peter Probst beendet, das ihm vieles geschenkt hat. Eines seiner berührendsten Erlebnisse: «Früher war es üblich, dass man in der Ausleihe fix von Dienstag bis und mit Samstag arbeiten musste. Heute ist das anders. Aber damals sprach mich eines Samstags auf dem Märet ein Benutzer der Bibliothek ganz entsetzt an: Herr Probst, die Zenti ist doch nicht etwa geschlossen? Dabei hatte ich Ferien.»

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