Solothurn
Als die St.-Ursen-Kathedrale eine «Erdbebenspalte» bekam

Das Erdbeben vom Samstagabend in Solothurn war zwar spürbar, sorgte aber für keinerlei Schäden. Vor genau 163 Jahren gab es in der Stadt aber ein Erdbeben, bei dem sogar Schäden an der St.-Ursen-Kathedrale entstanden.

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Am 11.August 1853 bekam die St.-Ursenkathedrale wegen eines Erdbebens einen Riss.

Am 11.August 1853 bekam die St.-Ursenkathedrale wegen eines Erdbebens einen Riss.

Keystone

Mit einer Stärke von 2.2 Magnitude bebte am Samstagabend in Solothurn die Erde. Das kleine Beben mit dem Epizentrum direkt unter dem Stadtzentrum und in 1,1 Kilometer Tiefe war für die Einwohner spürbar, hinterliess jedoch keine Schäden.

Das letzte grössere Beben in Solothurn, bei dem Schäden entstanden, geht auf das Jahr 1853 zurück. Es war der Morgen des 11.August. Damals versammelten sich sämtliche Schulkinder zum Schulschluss mit einer Preisverleihung in der Kirche.

So gegen 11.15 Uhr, «entstand auf einmal ein unterirdisches Getöse, die Kirche wurde durch einen heftigen Stoss erschüttert, die Glocken im Turme schlugen an, ein unheimliches Krachen ertönte durch die weiten Räume», berichtet Friedrich Georg Schwendimann, der damalige Domprobst der St.-Ursen-Kathedrale im Buch «St.Ursen».

Die Kathedrale vor der Renovierung.

Die Kathedrale vor der Renovierung.

zvg

In der Stadt stürzten viele Kamine ein; «Ziegel in Menge» fielen vom Dach, so Schwendimann. Das Erdbeben wurde im Umkreis von einer Stunde verspürt, hatte zum Glück keine Menschenleben gefordert. Der grösste Schaden entstand an der St.-Ursen-Kirche selbst. Eine Erdbebenspalte hatte sich gebildet. Schwendimann berichtet: «Querschiff und Chor wurden vom Langhause förmlich abgedreht und es entstand dadurch ein Riss, der das Gewölbe vom Pfarraltar durch den Chor bis zum Muttergottesaltar sprengte. Zum Glück war die Erdbewegung nicht so gross, dass für die Sicherheit des Gewölbes befürchtet werden musste.» Es sei bei dieser einen Spalte geblieben, welche die kommenden Jahrzehnte «nicht die geringste Veränderung», gezeigt habe.

Der Schrecken durch das Erbeben war aber gross – vor allem im Hinblick auf die Kinder in der Kathedrale und was hätte passieren können. «Kräftigen Mönnern graute noch nachträglich, wenn sie daran dachten, was für ein Unglück hätte entstehen können; manche Mütter wurden vor Schrecken krank.

Erdbeben-Pfeiler

Auch das grosse Beben von Basel im Jahr 1356, bei dem die ganze Stadt in Trümmer fiel, führte zu Schäden in der Ambassadorenstadt. Wegen dieses Bebens wurden fortan die Häuser mit Erdbeben-Pfeilern versehen. Am meisten gibt es in der St.Urbangasse. (ldu)

In der St.Urbangasse sind viele der Pfeiler zu sehen.

In der St.Urbangasse sind viele der Pfeiler zu sehen.

Urs Lindt

Quelle: Friedrich Georg Schwendimann, St.Ursen, Kathedrale des Bistums Basel und Pfarrkirche von Solothurn