Solothurn
Als der Stadt zum ersten Mal ein Lichtlein aufging

Der Brennstoff Öl brachte etwa ab 1830 Helligkeit in die Gassen. Doch längst nicht alle waren einverstanden. Sowohl die Gas- als auch die Öllampen hatten Gegner. Sie seien ein Eingriff in die Ordnung Gottes, weil sie die Nacht zum Tag machen würden.

Katharina Arni-Howald
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Strassenbeleuchtung in der Stadt - Immer ein Grund zur Diskussion

Strassenbeleuchtung in der Stadt - Immer ein Grund zur Diskussion

Solothurner Zeitung

Jeden Abend bei Einbruch der Dämmerung gehen wie von Zauberhand die Lichter in Solothurns Strassen an. 3986 elektrische Strassenleuchten leiten Fussgänger und Verkehr durch die Abendstunden oder setzen Gebäude und Plätze in Szene. Das war nicht immer so. 1845 waren es gerade mal 26 russende Öllaternen, die an einigen wichtigen Standorten Licht ins Dunkel brachten.

Und selbst diese – von den späteren Gaslaternen gar nicht zu sprechen – hatten erbitterte Gegner. Sie seien ein Eingriff in die Ordnung Gottes, weil sie die Nacht zum Tag, Pferde scheu und Diebe kühn machten und Trinkern erlaubten, bis spät in den Zechstuben zu schwelgen, glaubte man.

Endlich «ordentliche» Beleuchtung

Wann genau die Öllaternen in der Stadt eingeführt wurden und die oft mit Kerzen bestückten Handlaternen zu ersetzen begannen, ist nicht belegt. Schriftlichen Quellen kann entnommen werden, dass die Stadt 1836 «ordentlich beleuchtet war». Wichtiges erfahren wir dagegen in einem im Archiv der Bürgergemeinde aufbewahrten Protokoll der «Verwaltungs-Commission» von 1845. Darin wird die Anstellung des Lampenanzünders Xavier Amiet erwähnt.

In anderen Protokollen wird auf die Standorte der Laternen hingewiesen. Erwähnt werden der Gasthof zur Krone, der Marktturm (heute Zeitglockenturm), das Kollegium, das Gefängnishaus im Unteren Winkel und die Eselsgasse. Beleuchtet wurde auch die Hauptgasse vom Börsenplatz bis zum Baseltor, die Gurzelngasse vom Bieltor zum Marktplatz sowie der Stalden über die alte Brücke (Wengibrücke) zum Inneren Berntor. Der Rest verteilte sich auf Nebenstrassen.

Ausbau beim Öl

1854 entschliesst sich die Stadt, die auf 28 angewachsene Anzahl Stadtlaternen um zwei zu erhöhen. Benötigt wurden diese beim Inneren und Äusseren Berntor sowie beim Weinhändler Meier auf dem Quai (heute Landhausquai). Obwohl noch zwei Laternen vorrätig waren, bestellte der Polizeikomissär für unvorhergesehene Fälle zwei neue Laternen zu je 25 Franken bei der Stadtpolizei Basel. Die Stadt Basel hatte 1852 die Gasbeleuchtung eingeführt und war froh, Abnehmer für alte Öllampen zu finden. Von einer weiteren Anschaffung ist 1857 die Rede, als der Stadt St. Gallen sechs Laternen-Kandelaber zum Preis von je 140 Franken abgekauft wurden.

Dieser Kauf war nötig, weil im selben Jahr die Centralbahnlinie Herzogenbuchsee-Solothurn-Biel eingeführt wurde und nun auch die Bahnhofstrasse (heute Westbahnhofstrasse) beleuchtet werden musste. 1859, als insgesamt 33 Öllampen in Betrieb waren, wird auch eine Laterne beim «Storchen» erwähnt, mit dem Vermerk, dass «keine Vermehrung der Öllampen mehr angestrebt werde». Das einzige Mittel zur Verbesserung der den Öllampen innenwohnenden Lichtschwäche sei die Gasbeleuchtung.

Öllampen waren nicht so «dufte»

Für die Beschaffung feinsten purifizierten Öls wurden bei Ölern aus der Region Muster und Offerten eingeholt. Den Zuschlag erhielt meistens der Öler mit dem niedrigsten Preis. Das Öl wurde in der Öle aus Raps- oder Sonnenblumensamen, Baum-, Hasel- und Buchnüssen, oft auch aus Mohn, Flachs und Tabak gewonnen. Die Zusammensetzung war unterschiedlich. Durch die Purifizierung erhöhte sich die Leuchtkraft, blieb aber trotzdem bescheiden. Der Docht sog das Öl auf und wurde an ihm verbrannt. Zum Reinigen der durch Russ und unverbranntes Öl verschmutzten Laternen verwendete Anzünder Amiet Pottasche und Leinenzeug aus Flachs.

Wie aber sahen die Öllaternen aus? Der ehemalige Bezirkslehrer und Konservator Walter Moser weist in einem 1995 im Jahrbuch für Solothurnische Geschichte erschienenen Aufsatz über die Geschichte der öffentlichen Beleuchtung in der Stadt darauf hin, dass gesamtschweizerisch keine Originale mehr vorhanden sind. Dagegen gibt es zahlreiche Fotos und Zeichnungen, wie die über Strassen und Plätzen baumelnden Öllaternen ausgesehen haben, die jeden Abend neu entzündet werden mussten und die ohnehin nicht sehr angenehme Luft in der Stadt nicht eben verbessert haben.

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