«Es ist besser so für die Tiere wie die Lebensmittel», blickt Chästag-OK-Chef Robert Flückiger kurz vor Mittag gegen den wolkenverhangenen Himmel. Regen wäre laut Radar angesagt, aber Wetterfee Sandra Boner, die mit weiteren Trachtenfrauen den Alpabzug anführt, hat auf jeglichen Schutz gegen Regen verzichtet. Also kommt auch keiner – sie muss es ja wissen. Langsam füllt sich der Storchenplatz mit den 15 blumengeschmückten Kühen.

Sie sind etwa so nervös wie Franz Adam, der mit einem Stecken die Wengibrücke vor unliebsamen tierischen Ausreissern bewahrt. «Es ist wichtig, dass die Busse fahren können», verweist er auf seine Hauptaufgabe. Genau deshalb startet der Alpabzug diesmal auch erst nach der Brücke. Zu tun hat Adam dann doch noch: Ausgerechnet zur Startzeit hat sich ein blauer Mini-Cooper vor den tierischen Pulk verirrt. Der Berner Lenker wird schliesslich in die Löwengasse verscheucht.

Alpabzug am Chästag 2019

Alpabzug am Chästag 2019

Geschmückte Kühe, Schafe, Lamas, Ziegen uvm. waren am Alpabzug durch die Solothurner Altstadt zu sehen.

Der Klang der Treicheln und Glocken

Dann gehts los. Die Kuhherde stürmt den Stalden regelrecht. Gesittet trottet dagegen der Bäri-Sennhund vor seinem Milchbränte-Wagen durch die Gassen, erfüllt vom Kuhglockengebimmel. Etwa so fremd wie die vier Bucheggberger Lamas sind im Alpabzug zwei Bauernbuben, die sich mit ihren Plastiktraktoren in den Umzug gemischt haben. Nach den Geissen gibts genügend Abstand für die lautstärkste Umzugs-Fraktion: die 15-köpfige Treichlergruppe Egerkingen, die Szenenapplaus erntet. Abends wird sie dann von der Gruppe Juragruess aus Mümliswil abgelöst werden. Das Land in der Stadt. Es riecht nach Kuhfladen vor St. Ursen. No Problem. Den Umzug beschliesst das Reinigungs-Wägeli des städtischen Werkhofs.

Bald stehen die Prachtskühe auf dem Dornacherplatz schön eingereiht zur nachmittäglichen Viehschau - «ei Chue schöner als die anderi.» Das Publikum sucht sich ein Plätzli und geniesst das reichhaltige Angebot an Käsespezialitäten vom Chäsprägu über die Original-Militär-Chässchnitte bis zum Fondue, das am Patriotenweg aufgetischt wird. Caquelon um Caquelon wird fortgeputzt - es ist eben Fonduewetter. «Letztes Jahr haben wir 700 Portionen gemacht, diesmal haben wir 800 bereit. Aber so wie das aussieht, reicht das nicht», sieht Elmar Oberer von der Fasnachtszunft Vorstadt schwarz. Der Chästag hat eben erst begonnen.