Vogelvolière Solothurn

Alles wie neu: Nur Graupapagei «Chico» wartet noch auf «Pauli»

Vor einem Jahr war das Ende nah. Jetzt lebt und glänzt die Vogelvoliere Solothurn wieder wie neu: Dank Walter und Caterina Ferndriger-Kron, die die kleine Anlage zur Freude der Passanten wieder auf Trab gebracht haben.

Im Mai 2016 schien die Lage ausweglos: Entweder übernehme die Stadt, oder die Voliere beim Kinderspielplatz auf der Chantierwiese müsse abgerissen werden, hiess es im Vorstand der Ornithologischen Gesellschaft. Endgültig ausgelöst wurde die Krise durch den Tod des damaligen Volieren-Obmanns, nachdem die Anlage schon in den Jahren zuvor in eine Art Dornröschenschlaf gefallen war.

Es wäre das Ende einer 116-jährigen Geschichte gewesen. Die erste Voliere war ab 1901 ein hübscher kleiner Rundbau westlich des Burristurms. Sie musste 1952 dem Neubau der Kantonalbank weichen. Weil die neuen Gehege am heutigen Standort erst im Oktober 1954 bezogen werden konnten, erhielten die Vögel Asyl bei einem bekannten, inzwischen verstorbenen Solothurner: Max Blösch, besser bekannt als «Storchenvater» von Altreu, hatte damals in seinem Privathaus eine interimistische Unterkunft für die gefiederten Exoten errichtet.

«Erblich vorbelastet»

Vor einem Jahr aber schien das letzte Stündchen für die Voliere geschlagen zu haben. Den Ornithologen, unter deren Dach auch der Vogelschutz, die Geflügel-, Tauben- und Kaninchenzüchter organisiert sind, fehlt es an Nachwuchs. Viele der Vorstandsmitglieder waren schon anderweitig engagiert. Auch der 68-jährige Walter Ferndriger, der die Kleintiersiedlung im Familiengarten Brunnmatt leitet. «Aber dass die Voliere geschlossen wird, konnte ich nicht zulassen», sagt er, «schliesslich bin ich erblich vorbelastet.»

Schon sein Vater hatte die Anlage seinerzeit betreut. Als seine Frau Caterina ihn ermunterte, diese zusätzliche Verantwortung zu übernehmen, und ihre Mitarbeit anbot, war der Entscheid gefallen.

Seither verbringen die beiden wöchentlich 15 bis 20 Stunden im kleinen Vogelzoo an der Rötistrasse. Monatelang schufen sie in und um die Gebäude wieder Ordnung, stutzten die wuchernden Sträucher und bepflanzten die Rabatten neu. Vor allem vergrösserten und beschrifteten sie die Gehege und legten unterschiedliche Vogelarten zu Wohngemeinschaften zusammen. Inzwischen herrscht in den Käfigen wieder ein emsiges und farbenfrohes Treiben. Regelmässige Passanten haben den Wandel längst bemerkt. «Das Lob der Leute ist für uns der schönste Lohn», sagt Caterina Ferndriger.

Und der einzige, bleibt anzufügen. Abgesehen von einer kleinen Spesenentschädigung leistet das Ehepaar Frondienst. Die knappen Finanzen erlauben keine grossen Sprünge. Die Regio Energie und die Stadt Solothurn unterstützen die Anlage mit namhaften Beiträgen an Futter und Unterhalt. Der Rest muss mit Spenden aufgetrieben werden. Und mit dem Erlös aus dem kleinen Musikautomaten, an dem Kinder für 50 Rappen zwei historische Tanzpärchen ein paar Runden drehen lassen können. Doch jetzt steht eine grössere Anschaffung an, deren Finanzierung bereits zu einem Kraftakt wird.

Der einsame Graupapagei «Chico» soll einen Artgenossen zur Seite bekommen. 1250 Franken kostet der fünf Monate alte «Pauli», der in rund sechs Wochen einziehen wird. Zurzeit ist «Chicos» hauptsächliche Abwechslung sein persönlicher Freund Walter Ferndriger, der ihn jeweils für den Pausenkaffee auf die Schulter und mit in die Futterküche nimmt. «Er ist unterbeschäftigt», sagt der Vogelkenner, «vor kurzem begann er, sich einzelne Federn auf der Brust auszureissen.» Kein Wunder, pfeift und kichert das gewitzte Tier in allen Tonlagen, sobald es hört, dass Walter Ferndriger in der Nähe ist.

Ferien gibts keine mehr

Fünf Tage pro Woche sind die Ferndrigers drei bis vier Stunden am Füttern, Putzen, Jäten und Auskunft-Geben. An zwei Tagen in der Woche übernimmt der Dritte im Bund, Heinz Stettler, die Fütterung der Tiere. Blockzeit ist morgens zwischen 9 und 10 Uhr, dann ist immer jemand vom Betreuungsteam in der Anlage. Ferien nehmen die beiden nicht: «Dazu haben wir uns entschieden, als wir beschlossen, Tiere zu halten», sagt Caterina Ferndriger.

Neben den rund 180 Papageien, Sittichen, Täubchen, Kanarienvögeln, Wachteln und Finken auf der Chantierwiese sind das auch noch rund 20 Rassekaninchen und 60 Hühner in der Kleintiersiedlung und drei Katzen zu Hause. Nicht nur sie, auch die Voliere als Institution und die Schrebergärtner in der Brunnmatt hätten ohne Walter und Caterina Ferndriger-Kron ein Problem.

Spendenkonto der Voliere: CH65 0878 5016 0037 4930 8 (Regiobank; Ornithologische Gesellschaft Solothurn)

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