Stadtbummel Solothurn
Alles nur eine Frage der heissen Luft

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Die berühmte Filmklappe: In Solothurn hätte es genügend Melodrama für einen Film.

Die berühmte Filmklappe: In Solothurn hätte es genügend Melodrama für einen Film.

Kenneth Nars

«La Strada» ist der Titel eines Kino-Melodrams von Kultregisseur Federico Fellini. Reichlich Stoff für seine Kameras hätte er zuletzt in Soletta gefunden. Und mehr als genug Zeit für die Dreharbeiten. Jetzt endlich ist «Klappe!» an der Werkhofstrasse. Am 25. August – so die Projektleitung der Regio Energie – werde man die Fernwärme-Röhrli verlegt und die Bauerei ein Ende haben. Um viereinhalb Wochen wurde die geplante Bauzeit von sieben Wochen überschritten – wahrlich ein Melodram! Oder eine Ankündigung, die genau das wert war, was die Regio Energie inzwischen – vermengt mit H2O – dort unten verlocht hat:
heisse Luft.

«Strada alta» nennt sich ein berühmter Wanderweg hoch über der Leventina. Bekommen wir jetzt auch bald, hoch über der Città di Soletta. Die St. Niklausstrasse. Landauf landab dürfen sie dieses Wochenende abstimmen über Tempo 30. Bei uns haben das schon einige Gemeinderätinnen erledigt, die an oder in der Nähe unserer «Strada alta» wohnen oder gewohnt haben. «Tempo 30» koste ja nur einige Sekunden mehr Fahrzeit, tönts landauf landab. Wir rechnen: Ein Hausbesitzer, der ungefähr auf halber Strecke der «Strada alta» wohnt, hat in den letzten 25 Jahren dank Tempo 50 stadteinwärts und umgekehrt gut eine Woche weniger lang im Auto verbracht als bei Tempo 30. Auch noch nicht viel. Doch jetzt kommts: Nur schon 100 «Steingrübler», die täglich einige Male stadteinwärts und retour die ganze Strecke passieren, werden bei Tempo 30 in den nächsten 25 Jahren zusammen 200 Wochen länger die St. Niklausstrasse befahren. Und waseliwas kommt in dieser ganzen Zeit hinten raus: heisse Luft!

«Strazzini» oder vielmehr sein Nachfolger ist mit seinem Häuschen in der Stadt angekommen – der Herbst hat uns wieder. Dafür ist das Häuschen auf dem Dornacherplatz leer. Das war es meist, seit die Stadt in einem unsinnigen Anfall von realer Wirtschaftspolitik dort die Platzbelebung einem türkischen Konzessionsnehmer überliess. Dem die Stadt jetzt noch 270'000 Franken nachschiesst, damit sie das leere Häuschen ganz bekommt. Dieselbe Stadt, die kein Häuschen oder besser gesagt Bipperlisi-Wägeli dort bewilligt hatte, wo sich die Leute auch aufhalten: vorne am Kreuzackerplatz, beim Boule-Spielplatz. Übrigens – noch ein ganz heisser Tipp, womit das leere Häuschen doch noch zum Fliegen kommen könnte: Draussen gegrillte Würstchen wirken Wunder. Ja liebe Leute, so ist das. Doch im Stadtpräsidium werden sie wieder denken: «Alles nur... (Gedankenblase)». Dabei braucht es genau die, damit sich ein Würstchen bräunt: heisse Luft.