Solothurn

«Alles andere als ein Schlafquartier»: Quartierarbeiterin gibt ihr Amt ab

Stadtpräsident Kurt Fluri und Quartierarbeiterin Regula Aepli.

Stadtpräsident Kurt Fluri und Quartierarbeiterin Regula Aepli.

An der FDP-Parteiversammlung referierte Quartierarbeiterin Regula Aepli über die Entwicklungsangebote in der Weststadt – und gab gleichzeitig ihren Wegzug bekannt.

Mit viel Herzblut hat die Quartierarbeiterin Regula Aepli in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass in der Weststadt keine Parallelwelt entsteht. Mit Umsicht hat sie einen wichtigen Beitrag zur Integration geleistet, nachhaltige Kontakte aufgebaut, den Bedürfnissen der Bewohner Rechnung getragen, wichtige Impulse gegeben und verschiedene Themen angepackt. Nun hat sie am Montagabend an einer FDP-Parteiversammlung im Infocenter City West zum Bedauern der Anwesenden ihren Wegzug bekannt gegeben.

Im Grunde genommen habe sie eine mittlere Firma mit 60 unentgeltlich arbeitenden Helferinnen und Helfern geführt, blickte sie zurück. Nun hat sie sich für eine neue Herausforderung entschieden: «In meinem Alter muss man sich entscheiden, ob man weitermacht oder etwas Neues anpackt», begründete sie ihren Weggang zu einer Luzerner Wohnbaugenossenschaft, wo sie auf ihr gesammeltes Wissen aufbauen kann.

Die Stelle als Quartierarbeiterin übernimmt die in Basel wohnhafte und bereits in der Soziokultur tätig gewesene Anita Abegglen. «Ich freue mich darauf, als Teil einer sozialen Stadtentwicklung zu wirken und mit verschiedenen Zielgruppen zusammenzuarbeiten», blickt sie ihrem neuen Tätigkeitsfeld mit Freude entgegen.

Verschiedene Kulturen nebeneinander

Die Weststadt veränderte sich in den vergangenen Jahrzehnten wie kein anderes Quartier in Solothurn. Junge Familien, betagte Menschen, Migrantinnen und Migranten verschiedenster Kulturen und sozial Benachteiligte leben in diesem Stadtteil oft in enger Nachbarschaft beisammen. Anfang der 2000er-Jahre wurde die Gefahr einer Negativentwicklung erkannt und in der Folge das Projekt «Nachhaltige Quartierentwicklung Solothurn West» ins Leben gerufen, das als Modellvorhaben auch vom Bundesamt für Raumentwicklung unterstützt wurde.

Die operative Verantwortung wurde, nachdem zahlreiche Quartierbewohner bewiesen hatten, dass sie bereit sind, auf freiwilliger Basis am Projekt mitzuarbeiten, unter dem Namen «Quartierarbeit Solothurn West» der Trägerschaft des Vereins Begegnungszentrum Altes Spital unterstellt. Geregelt wurden die verschiedenen Vorgaben mit einer Leistungsvereinbarung. Gleichzeitig wurde mit Regula Aepli eine Quartierarbeiterin mit einem Pensum von 40, heute 80 Prozent angestellt und der Betrieb des Infocenters City West als Quartierbüro und Veranstaltungsort sichergestellt.

Mit dem zuvor gegründeten Quartierverein Solothurn West verbindet die professionell geführte Quartierarbeit Solothurn West eine enge Zusammenarbeit und gleiche Interessen.

Ein breiter Angebotsfächer für die Weststädter

Wie Regula Aepli an besagter Parteiversammlung an Ort und Stelle betonte, wurden in den vergangenen Jahren unzählige Austausch- und Unterstützungsangebote angestossen, zu denen unter anderem ein Mittagstisch, ein Schreibdienst, ein Näh- und Strickatelier, ein interkultureller Treffpunkt, ein erlebnisorientierter Marktplatz, ein Gemeinschaftsgartenprojekt und verschiedene kulturelle Events sowie ein Kursangebot gehören. Zum Aufgabenbereich gehört auch das alle zwei Jahre stattfindende Quartierfest auf dem Spielplatz Tannenweg sowie die Organisation von Ausstellungen und Künstlerevents. Der Quartierarbeit unterstellt ist seit Kurzem die Zwischennutzung des Henzihofes, wo mit der Räumung der Scheune Platz geschaffen wurde für ein Kunstatelier, einen Akrobatikraum und eine Bolderwand, sowie für den Handwerkermarkt, der am kommenden 16. November zum ersten Mal stattfinden wird.

«Die Weststadt ist alles andere als ein Schlafquartier», liess schliesslich Regula Aepli die FDP-Mitglieder wissen, die sich über die Tätigkeiten und Angebote der Quartierarbeit informieren wollten. Im Raum stand unter anderem die Frage, ob ein Umzug in den Henzihof geplant sei, was Regula Aepli allerdings verneinte: «Der jetzige Standort beim City West ist ideal, weil sich dort viele Leute beim Einkaufen treffen, einen Blick in unsere Räumlichkeiten werfen können und dabei vielleicht auch Lust bekommen beim einen oder anderen Angebot mitzumachen.»

Dabei liess die Quartierarbeiterin aber nicht ausser Acht, dass Räume für Entwicklungsmöglichkeiten, wie sie der Henzihof bieten könnte, wichtig wären. Die Frage, weshalb es nicht mehr Männer beim Mitgestalten und beim Nutzen der Angebote gebe, konnte nicht abschliessend beurteilt werden.

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