Insieme-Jubiläum
Alles am Wohl der Schwachen messen

Seit 50 Jahren gibt es «Insieme», eine Vereinigung für Menschen mit einer geistigen Behinderung. Seit 40 Jahren den Insieme-Träff. Grund genug, zu feiern.

Katharina Arni
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Die drei Insieme Co-Präsidentinnen Jacqueline Stuber, Sonja von Allmen und Claudia Rüegsegger mit den beiden Festrednern Roberto Zanetti, Ständerat (l.) und Kurt Fluri, Solothurner Stadtpräsident

Die drei Insieme Co-Präsidentinnen Jacqueline Stuber, Sonja von Allmen und Claudia Rüegsegger mit den beiden Festrednern Roberto Zanetti, Ständerat (l.) und Kurt Fluri, Solothurner Stadtpräsident

Tina & Thomas Ulrich

Der offizielle Jubiläumsanlass – umrahmt von einer musikalischen Weltreise der Wohngruppe für geistig behinderte Frauen «Jabahe» – brachte einmal mehr zum Ausdruck, wie wichtig es ist, für die Bedürfnisse und Rechte von Menschen mit einer Beeinträchtigung zu kämpfen und deren Anliegen in die Öffentlichkeit zu tragen.

Das war nicht immer so. Erst 1966, als ein Umdenken stattfand und in Solothurn von weitsichtigen Angehörigen «Insieme» gegründet wurde, änderte sich die Situation. «Die Selbsthilfeorganisation setzte sich von Anfang an mit Herzblut dafür ein, dass auch geistig beeinträchtigte Menschen in der Gesellschaft wahrgenommen und Berührungsängste abgebaut werden», so die Co-Präsidentin Claudia Rüegsegger in ihrer Begrüssung.

Der Mensch gehört ins Zentrum

«Auch die Politiker sind über die Parteigrenzen hinweg in der Pflicht, die Rahmenbedingungen zu optimieren und die Grundbedürfnisse der Menschen mit einer Beeinträchtigung sicherzustellen», gab Ständerat Roberto Zanetti zu bedenken. Der Gastredner forderte aber auch die Angehörigen und Institutionen auf, aktiv zu werden: «Wenn etwas verändert werden soll, muss man den Mut haben, sich zu äussern und die Anliegen an die zuständigen Behörden weitertragen.»

Zanetti berührte die Herzen der zahlreich erschienenen Gäste, indem er von geistig beeinträchtigten Menschen erzählte, mit denen er regelmässig den Kontakt pflegte und die sein Leben bereicherten. «Es handelte sich um tolle Menschen, die mir heute fehlen.» Zanetti ist überzeugt: «Wir müssen diesen Menschen gegenüber dankbar sein und ihnen Respekt entgegenbringen, denn Stärke misst sich am Wohle der Schwachen.»

Stadtpräsident Kurt Fluri zeigte sich überzeugt, dass der Mensch in die Mitte und nicht an den Rand gehört und lobte das Engagement all jener, die sich mit viel Eigeninitiative um das Wohl von beeinträchtigen Menschen kümmerten, sei es in den jährlichen Lagern, im «Insieme-Träff», beim Bowlen oder an Kinderfesten und Maskenbällen.

Fluri erwähnte zudem die Bildungs- und Wohninstitutionen für geistig behinderte Menschen, die selbst erkämpft werden mussten und für die weitergekämpft werden müsse. Einfach ist dies nicht. «Immer wieder kommt es auf der politischen Bühne zu harten und zum Teil erbarmungslosen Verteilkämpfen.» Damit nicht genug: «Auch der gesellschaftlichen Solidarität gegenüber Behinderten wird oft nicht nachgelebt und äussert sich nur in grossen Worten.»

Bei einem Blick in die Vergangenheit stellte auch Co-Präsidentin Sonja von Allmen fest: «Vor 50 Jahren fehlte es an allem. Beeinträchtige Menschen und ihre Angehörigen waren auf sich selbst gestellt.» Den ehemaligen Präsidenten und Präsidentinnen, die sich dafür eingesetzt hatten, dass sich dies änderte und behinderte Menschen nicht mehr von der Gesellschaft ferngehalten werden, überreichte sie als Dank eine Rose, bevor im grossen Saal des Alten Spitals die Party losging.

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