Stadtbummel
Alle Vöglein sind nicht mehr da – oder: Hüpfen und Balz – Gott erhalts!

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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Keine Zeitungsente: Die Kolbenente bevölkert tatsächlich die Aare.

Keine Zeitungsente: Die Kolbenente bevölkert tatsächlich die Aare.

Alle Vöglein sind schon da - Amsel, Drossel, Fink und Star. So ein Nonsens! Stars haben wir das ganze Jahr über in Solothurn, die Amsel war gar nie weg, und das Storchenpaar vom Fegetz-Kamin schon vor Weihnachten wieder da. So nach dem Motto: Wenn wir bei grünen Weihnachten in Solothurn sind, kommt es auf weisse Ostern schon gar nicht mehr an! Und so brütet Frau Adebar hoch über Solothurn eigentlich nur darüber, was sie da wieder für ein Ei gelegt hat. Und dass sie sicher ist vor Nachbarkater «Miro», der unsere Finken täglich mehr auf die rote, weil tote Liste setzt. Oder er hat schlicht und einfach eine Meise. Soviel zu «alle Vöglein sind noch da...»

Zugvögel sind leider auch unsere beliebtesten Kacke-Flieger beide nicht – und deshalb immer da: die Stadttauben und die Saatkrähen. Letztere säen vor allem Ärger, weil die Weissschleimlinge genau dort ihre Schwanzfeder lüpfen, wo wir Menschen einige Meter weiter unten unseren Bierschaum ohne jedes «Plopp!» geniessen möchten. Zur Ehrenrettung der Rabenvögel sei aber gesagt, dass sie sich dieses Jahr beim Nestbau äusserst diszipliniert um den Luftraum über der Hafebar foutieren. Oder haben da einige geschickte Baumpfleger die hohen Platanenkronen so kastriert, dass sie sich als Bauparzelle für Krähen-Eigenheime schlicht gar nicht mehr eignen? Kann uns piepegal sein, solange niemand ins Bier scheisst.

Einen Vogel hat wohl, wer behauptet: «Solothurn liegt am Meer». Sorry, Franco Supino, Du hast natürlich keineswegs einen Vogel. Ganz im Gegenteil: Wir stimmen Dir vollauf zu. Denn solche Mega-Möwen wie diese Woche auf der Aare gesichtet, die segeln doch sonst nur in der Nordsee über Heringsschwärmen. Und schon gar nicht jetzt bei uns, wo Manor Food definitiv seine Fisch-Abteilung und gleich noch den ganzen Rest von Food geschlossen hat. Aber sie sind da, die grossen Sturmmöwen, also liegt Solothurn am Meer. Wobei: Raue See gibt’s derzeit nur in Grenchen. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.

Die Vogelwelt – wunderbar und manchmal sogar exotisch. So beobachteten wir am Landhausquai, hoch über dem Meeresspiegel – pardon Aarepegel – gleich vier Kolbenenten, die vergnügt durch das Wasser pflügten und vor allem in der Mongolei vorkommen sollen. Illegale Zuwanderung also? Nochmals piepegal. Kunterbunte Gesellen sind vor allem die Erpel, die Weibchen dagegen halten sich in dezenten Grautönen. Oben auf dem Quai ist es gerade umgekehrt, auf der so genannten «Rue de Blamage», wo auch einige der schrägsten Vögel von Solothurn auf und ab trippeln. Aber auch das ist eine andere Geschichte. Denn diese Vögel sind harmloser als jede Saatkrähe schräg vis-à-vis.